25.06.2013, 11:33 Uhr | 0 |

Surren statt Brummen Hybridflieger: Spritverbrauch um ein Viertel reduziert

Ein Motorsegler mit Elektroantrieb bereitet Flugzeugen den Weg, die deutlich weniger Sprit verbrauchen und weniger Schadstoffe ausstoßen.

Elektrisches Antriebssystem von Siemens
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Dr. Frank Anton (Siemens AG) markiert das integrierte elektrische Antriebssystem von Siemens. Es zeichnet sich durch Kompaktheit und niedriges Gewicht aus. Die spezifische Dauerleistung liegt bei 5 kW/kg.

Foto: Siemens

Wenn die DA36 E-Star 2 zur Startbahn rollt, beschleunigt und kurz darauf abhebt, vermissen die Zuschauer das vertraute Brummen des Motors. Stattdessen vernehmen sie ein irritierendes Surren, denn der Propeller wird nicht von einem Verbrennungsmotor angetrieben, sondern elektrisch. Der österreichischen Hersteller Diamond Aircraft, von dem das „DA“ im Kürzel des Motorseglers stammt, der Luft- und Raumfahrtgigant EADS und Siemens haben das Flugzeug entwickelt. Verglichen mit einer konventionell angetriebenen Maschine gleichen Typs verbraucht das Elektroflugzeug 25 Prozent weniger Sprit. In gleichem Maße sinken die Kohlendioxidemissionen.

Seinen Strom bezieht der zweisitzige Flieger aus einem Generator, der von einem Wankelmotor des Herstellers Austro Engine angetrieben wird. Beim Start, der eine besonders große Leistung erfordert, springt zusätzlich die Bordbatterie ein, die während des Fluges wieder geladen wird. 65 Kilowatt leistet der Motor, der ganze 13 Kilogramm wiegt. Ein gleich starker Industriemotor kommt auf das Fünffache. Dabei sind in das Gehäuse noch ein Getriebe und die elektronische Drehzahlregelung integriert. Verglichen mit dem Vorgängermodell E-Star 1, das vor zwei Jahren fertiggestellt wurde, konnte das Startgewicht um 100 Kilogramm gesenkt werden. Damit kann es neben zwei Personen genauso viel Fracht transportieren wie die Motorversion.

Der Wankelmotor verbraucht so wenig Sprit, weil er stets im Leistungsoptimum dreht. Die Drehzahl von Verbrennungsmotoren, die Flugzeugpropeller direkt antreiben, schwankt dagegen beträchtlich. Am 1. Juni absolvierte das Hybridflugzeug am Flughafen Wiener Neustadt seinen einstündigen Jungfernflug. Auf der Pariser Airshow in Le Bourget gehörte die kleine Maschine, die zwei Personen befördern kann, zu den Stars.

EADS denkt bereits daran, größere Propellerflugzeuge und Hubschrauber mit Elektroantrieben auszustatten. Schon in drei bis fünf Jahre soll es Musterzulassungen für Hybridflugzeuge und -hubschrauber geben, so das Ziel der Entwickler.

Extrem hohe Treibstoffkosten

„Der serielle Elektroantrieb erlaubt uns, Flugzeuge zu konstruieren, die völlig andere Eigenschaften haben als heutige Maschinen. Senkrechtstarts und hohe Reisegeschwindigkeiten können viel effizienter erreicht werden“, schwärmt Christian Dries, Chef von Diamond Aircraft.

Die Partner haben vereinbart, die Entwicklungsarbeit fortzusetzen, um der Luftfahrt ein grüneres Image zu geben. Flugzeuge sind derzeit für gut zwei Prozent der weltweiten Kohlendioxidemissionen verantwortlich. Zudem drängen die Fluggesellschaften auf eine drastische Reduzierung des Spritverbrauchs. Nach Angaben der International Air Transport Association (IATA) werden die Treibstoffkosten in diesem Jahr ein Drittel der Betriebsausgaben der Fluggesellschaften ausmachen.

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Von Wolfgang Kempkens
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