09.04.2014, 09:28 Uhr | 0 |

Weniger Staubentwicklung Antibiotika in Pelletform belasten die Umwelt deutlich geringer

Würden Haustiere wie Schweine Antibiotika nicht mehr als Pulver ins Futter gestreut bekommen, sondern in fester Form als Pellet fressen, könnte das die Umweltbelastung der Antibiotika erheblich verringern. Davon sind die Forscher der Universität Gießen überzeugt. 

Schweinezucht
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In der intensiven Tierhaltung werden Medikamente wie Antibiotika eingesetzt, die sich zunehmend in der Umwelt und der Nahrungskette des Menschen anreichern. Forscher aus Gießen haben herausgefunden, dass schon die Art der Fütterung Einfluss hat auf die Belastung der Umwelt.

Foto: dpa/Boris Roessler

Viele Menschen wundern sich, dass das von ihrem Arzt verschriebene Antibiotikum keine Wirkung mehr zeigt. Kein Wunder, denn die Belastung der Umwelt durch Antibiotika ist extrem hoch. So wurden alleine im Jahr 2012 etwa 1600 Tonnen Antibiotika an Tiere verabreicht. Das den Tieren verabreichte Medikamente wird jedoch bis zu 80 Prozent unverändert ausgeschieden. Der Wirkstoff gelangt über die Gülle und Gärsubstrate in den Boden und ins Oberflächen- und Grundwasser.

Da Antibiotikum nur sehr schwer abgebaut werden kann, hat der Wirkstoff ungewünschte Auswirkungen auf die Umwelt. Medikamente reagieren oftmals nicht mehr, werden wirkungslos, da Krankheitserreger und Bakterien immer widerstandsfähiger werden.

Pellets belasten Umwelt geringer als Antibiotika in Pulverform

Erstaunlich: Gießener Forscher haben herausgefunden, dass man die Umweltbelastung durch Antibiotika allein schon dadurch reduzieren kann, dass die Tiere das Medikament in fester Form und nicht mehr als Pulver erhalten. „Wir haben erstmalig den Einfluss des Verabreichens von Arzneimitteln an Schweinen auf das Rückstandsverhalten gezielt untersucht, ihr Verhalten in der Umwelt, ihre Gefährlichkeit für das Grundwasser sowie ihre Abbaubarkeit unter Sonnenlicht und unter Bedingungen, die in Biogasanlagen herrschen“, erläutert Prof. Dr. Gerd Hamscher vom Institut für Lebensmittelchemie und Lebensmittelbiotechnologie der Justus-Liebig-Universität Gießen. Gemeinsam mit Forschern der Universitäten Hannover Lüneburg konnten die Gießener zeigen, dass sich das Antibiotikum in der Umwelt tatsächlich reduzieren lässt.

Die meisten Tiere erhalten Antiobiotika als Pulver im Futter

Derzeit wird den Tieren das Medikament meist als Pulver verabreicht. Diese Form der Verabreichung ist zwar günstiger, jedoch belastender für die Umwelt. „In den Ställen gibt es eine hohe Staubentwicklung. Über die Luft und Lüftungsanlagen verteilen sich die Wirkstoffe im gesamten Stall, so dass auch die nicht behandelten Schweine sowie Landwirte und Tierärzte Antibiotika aufnehmen und die Wirkstoffe nach draußen in die Stallumgebung gelangen“, erklärt Prof. Dr. Manfred Kietzmann vom Institut für Pharmakologie, Toxikologie und Pharmazie der Stiftung Tierärztliche Hochschule Hannover.

Die Lösung für dieses Problem sei beispielsweise die Fütterung von Pellets oder Granulat. „Allerdings ist diese Form der Fütterung auch teurer“, so Kietzmann. Die Gabe von Antibiotika in Form von Pellets oder Granulat könne die Umwelt schonen.

Besser abbaubare Substanzen verabreichen

Untersucht wurden von den Gießener Forschern vor allem Sulfonamide, die antibakteriell wirken und besonders häufig gegen Bakterien in der Human- und Tiermedizin eingesetzt werden. DBU-Generalsekretär Dr. Heinrich Bottermann fordert einen verantwortungsvollen und sparsamen Umgang mit Antibiotika, das oftmals in viel zu großen Mengen verabreicht werde. „Wir benötigen praxistaugliche Ansätze, um die Anwendung von Antibiotika und ihren Eintrag in die Umwelt zu minimieren“, so Bottermann.

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Von Petra Funk
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