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13.06.2013, 11:56 Uhr | 0 |

Neue Software Grundstücksgenaue Warnungen vor Hochwasser per SMS

Ein Computerprogramm, das in Nürnberg entwickelt wird, ermöglicht künftig regionale Hochwasserprognosen. Betroffene werden per SMS informiert.

Regenradar der Uni Bonn mit den Forschern Dr. Silke Trömel (rechts) und Dr. Christian Ohlwein
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Das Regenradar der Uni Bonn liefert die Daten für eine Software, die Anlieger der Erft vor Hochwasser warnt. Eine ähnliche Software entwickeln nun Forscher der Uni Nürnberg-Erlangen. Diese will Anwohner grundstücksgenau vor Hochwasser warnen.

Foto: Volker Lannert/Uni Bonn

Das jüngste Hochwasser kam oft so schnell, dass die Menschen in Bayern, Sachsen, Sachsen-Anhalt, Brandenburg und Niedersachsen keine Zeit mehr hatten, auch nur das Nötigste zu retten. Das soll sich nicht wiederholen. Menschen in Regionen, denen regelmäßig Überschwemmungen drohen, werden künftig rechtzeitig per SMS gewarnt. Innerhalb von eineinhalb Jahren wollen Geologen und Meteorologen ein Computerprogramm entwickeln, das an Hand aktueller Niederschläge Prognosen über die Verteilung des Wassers ermöglicht.

Software wertet Bodenprofil und Oberfllächen aus

Grundlage ist das Bodenprofil, also die Verteilung von Ebenen, Hügeln und Tälern in der Fläche. Weiter berücksichtigen sie den Bewuchs, der das Versickern des Regenwassers beeinflusst, den Verlauf von Fluss- und Bachtälern und eventuell vorhandene Deiche. Zunächst sind die Prognosemöglichkeiten auf die Region Franken begrenzt.

Das Programm soll so präzise sein, dass nicht nur ganze Regionen und Ortschaften vor Hochwasser gewarnt werden können, sondern sogar die Besitzer einzelner Grundstücke. Beteiligt sind Forscher des Geozentrums Nordbayern an der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg und der Gesellschaft beratender Ingenieure für Bau und EDV (GBi) in Herzogenaurach. Das Projekt wird mit rund 320 000 Euro vom Bundesministerium für Wirtschaft und Technologie unterstützt.

Weil sich anhand des Programms erkennen lässt, welchen Weg Niederschlagswasser nimmt, lässt es sich auch für die Planung von neuen  Überflutungsflächen, Regenrückhaltebecken und Deichen nutzen. Möglich ist auch die Simulation der Folgen von Renaturierungen von Flüssen und Bächen, die einst begradigt worden sind. Angesichts der Zunahme von Extremwettern, die Wissenschaftler auf Grund der Klimaveränderungen erwarten, gewinnen derartige Prognosemodelle an Bedeutung.

Für das Flüsschen Erft gibt es das schon

Vor rund acht Jahren hat das Aachener Unternehmen Hydrotech bereits ein Prognosemodell für das Einzugsgebiet des rheinischen Flüsschens Erft entwickelt, das noch heute genutzt wird. Die Niederschlagsdaten liefern örtliche Messstationen und das Wetterradar der Bonner Universität. Der Strahl eines speziellen Lasers namens Lidar wird dazu in die Atmosphäre geschossen. An Partikeln aller Art wird er abgelenkt, auch an Regentropfen. Mit dieser Technik lassen sich in Echtzeit Regenmengen in vielen Kilometer Entfernung ermitteln. Das Land Nordrhein-Westfalen förderte das Projekt einst mit 500 000 Euro.

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Von Wolfgang Kempkens
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