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20.07.2014, 06:55 Uhr | 0 |

Straßenkreuzung mit Sensoren Verkehrsforscher machen Braunschweig zu riesigem Freiluftlabor

Für rund 15 Millionen Euro haben Verkehrsforscher die Stadt Braunschweig zu einem Outdoor-Labor gemacht: Straßenkreuzung und Bahnübergang sind mit Sensoren gespickt, Forschungsfahrzeuge mit Radargeräten versehen. Die Daten und Erkenntnisse sollen den Verkehr sicherer und effizienter machen. 

Referenzstrecken sind in Braunschweig mit Sensoren ausgestattet
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Referenzstrecken sind in Braunschweig mit Sensoren ausgestattet. Sie zeichnen den gesamten Verkehrsfluss auf. Die Forscher wollen mit den Daten unter anderem Unfallgefahren ausfindig machen. 

Foto: DLR

Ein Labor stellen sich die meisten Menschen so vor: Ein Raum mit vielen piependen Geräten, darin ein ernst dreinblickender Wissenschaftler im weißen Kittel mit Glaskolben in der Hand, deren rote Flüssigkeit er in kreisende Bewegungen versetzt. Weit gefehlt: Die Anwendungsplattform Intelligente Mobilität (AIM) des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt (DLR) macht jetzt gleich mal eine Stadt zum Freiluftlabor. Braunschweig in Niedersachsen dient dem DLR jetzt als Großforschungsanlage, um das Verhalten der Fußgänger, Radfahrer und Autofahrer im öffentlichen Straßenraum besser verstehen zu können.

„Mit AIM wird Braunschweig zu einem Labor für Mobilität. Die hier gewonnenen Erkenntnisse der Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler werden dazu beitragen, Unfälle zu vermeiden. So wird der Straßenverkehr für alle Bürgerinnen und Bürger sicherer und effizienter“, betonte Wissenschaftsministerin Gabriele Heinen-Kljajić bei der offiziellen Eröffnung in Braunschweig. Gefördert wurde die Forschungsplattform vom Bundesministerium für Wirtschaft und Energie mit 8,7 Millionen Euro und vom niedersächsischen Ministerium für Wirtschaft, Arbeit und Verkehr mit 5,25 Millionen Euro. Das niedersächsische Ministerium für Wissenschaft und Kultur steuerte 1,25 Millionen Euro bei.

Straßenkreuzung ist mit Sensoren ausgerüstet

Ein zentrales Instrument der Großforschungsanlage AIM ist eine große, vierspurige Straßenkreuzung im Norden Braunschweigs. Diese haben die Verkehrsforscher mit Sensoren gespickt und zeichnen den kompletten Verkehrsfluss auf. „Mit Hilfe der Sensoren können wir die Bewegungsmuster des Verkehrs aufzeichnen. Das heißt wir können verstehen, welches Fahrzeug oder welcher Verkehrsteilnehmer wann, wo, wie und in welche Art und Weise über die Kreuzung gefahren ist“, erläutert Sascha Knake-Langhorst vom DLR Institut für Verkehrssystemtechnik. „Und wenn wir den Verkehr verstehen, dann können wir dem Verkehr auch besser helfen. Das heißt, wir können Unfälle verhindern, wir können die Sicherheit erhöhen und wir können die Effizienz im Verkehr auch verbessern.“

Alle Daten der Verkehrsbewegungen werden anonymisiert, systematisch erfasst und können nach verschiedenen Fragestellungen ausgewertet werden. „Wir sind in der Lage, mit den Daten der Forschungskreuzung Beinahe-Unfälle zu analysieren, über die sonst keine Informationen vorliegen. Faktoren, die zu solchen Situationen führen, können damit frühzeitig bei der Entwicklung von Fahrassistenzsystemen berücksichtig werden“, erklärt Prof. Karsten Lemmer, Leiter des DLR-Instituts für Verkehrssystemtechnik, die Möglichkeiten der Forschungskreuzung.

„Stellen wir uns einfach vor, sie fahren hier mit dem Fahrzeug an diese Kreuzung heran. Sie möchten zum Beispiel rechts abbiegen, ein Radfahrer möchte gleichzeitig über diese Kreuzung fahren und kreuzt ihren Weg. Und das System würde diesen Radfahrer erkennen, die Information ins Fahrzeug spielen und das Fahrzeug würde Sie daraufhin warnen“, beschreibt Sascha Knake die Idee hinter der Forschungsplattform AMI.

Ein Bahnübergang im nördlichen Braunschweiger Stadtteil Bienrode liefert den Wissenschaftlern die Daten kritischer Situationen zwischen Straßen- und Eisenbahnverkehr. Rund um die Braunschweiger Innenstadt befindet sich die mit vielen Kommunikationsanlagen ausgestattete Referenzstrecke, auf die die Forscher unter anderem die Kommunikation zwischen den Fahrzeugen und den Ampeln entlang der Strecke testen können.

Pkws sind mit Radargeräten ausgestattet

Im Rahmen von AMI untersuchen die Wissenschaftler auch detailliert das Verhalten von Autofahrern in realen Verkehrssituationen. Dazu haben sie im Rahmen der sogenannten Nature Driving Studies private Pkws mit verschiedensten Sensoren ausgestattet. Sie überwachen das Brems- und das Gaspedal, das Lenkrad sowie den Blinker. Ein Radargerät misst den Abstand zum Vorderfahrzeug. Kameras blicken den Fahrern über die Schultern, aber auch direkt in die Augen. So wollen die Forscher herausfinden, was genau normales Autofahren ausmacht, wo Stresssituationen auftreten und wie die Autofahrer damit umgehen. Die Ergebnisse dieser Studien dienen dann zum Entwickeln und Erproben von sinnvollen Fahr-Assistenzsystemen.

Diese werden vor ihren Einsatz im echten Auto im Fahrsimulator getestet. Die Probanden fahren in diesen Simulatoren über die Straßen des Forschungslabors Braunschweig, erklärt Gerald Temme vom DLR-Institut für Verkehrssystemtechnik: „Wir haben jetzt hier mehrere Simulatoren. Das hat den Hintergrund, dass man damit insbesondere das Verhalten zwischen Fahrern untersuchen kann." 

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Von Detlef Stoller
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