23.05.2017, 12:38 Uhr | 0 |

Eröffnung vielleicht 2019 Utopisch: BER will billiger bauen als geplant

Nein, das ist keine Satire: „Am BER soll billiger gebaut werden“, titelt BILD. Und der Flughafen kündigt an, nun stärker auf die Kosten zu achten. Wirklich! Das neue Flughafenterminal soll nur halb so viel kosten wie gedacht, geplant oder irgendwann mal berechnet. Nur wann der Flughafen öffnet, das weiß auch der neue Flughafenchef noch nicht.

Flughafen BER in Berlin
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Der BER am 19. Mai 2017: Der Hauptstadtflughafen sieht eigentlich fertig aus. Und doch werden die Arbeiten an der zu klein dimensionierten Sprinkleranlage erst Ende 2017 abgeschlossen. Die Eröffnung 2018 ist wohl nicht mehr zu schaffen – vielleicht 2019.

Foto: Ralf Hirschberger/dpa

Wie schön, dass die Bundeshauptstadt vor vielen, vielen Jahren beschlossen hat, dass eine Hauptstadt auch einen Hauptstadtflughafen braucht. Wir hätten viele Berichte nicht schreiben und viele Lachtränen nicht weinen können wie diese hier über den Vorschlag der CDU, den Flughafen einfach abzureißen und nochmal neu anzufangen.

Jetzt also die nächste Folge der unendlichen Geschichte. Am Montag wollte der Flughafen BER einen Eröffnungstermin nennen. Alle Welt dachte, dass wohl Ende 2018 der Betrieb beginnen könnte.

Flughafenchef legt sich auf keinen Termin fest

Zu früh gefreut: Flughafenchef Engelbert Lütke Daldrup zuckte nach einer Sitzung des Aufsichtsrates nur mit den Schultern. Immerhin konnte er sagen, dass es 2018 nicht klappen wird. 2019 vielleicht? Im Sommer, da kann er vielleicht mehr sagen. Könnte aber auch 2020 werden, denn dann wird erst das neue Flughafenterminal für die Billigflieger fertig. Erst? Ein Jahr früher als geplant! Verspricht jedenfalls Lütke Daldrup.

ARCHIV - Ein zusätzlicher Counter neben dem Hauptterminal aufgenommen am 19.05.2017 in Schönefeld im Flughafen Berlin Brandenburg (BER). Mitglieder des Hauptausschuss des Abgeordnetenhauses und der Senatsverwaltung machten sich ein Bild vom Baufortschritt. Am 23. Mai tagt der Sonderausschusses BER in Potsdam u.a. zum Baufortschritt und zu Krediten an die Flughafengesellschaft. Foto: Bernd Settnik/dpa-Zentralbild/dpa +++(c) dpa - Bildfunk+++
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Counter im unfertigen BER-Terminal: Der Flughafen ist schon jetzt zu klein und will deshalb für Billigflieger ein Billigterminal bauen. Die Halle wird in Modulbauweise gefertigt. Sie soll sogar nur halb so viel kosten wie ursprünglich geplant – und schneller fertig werden.

Foto: Bernd Settnik/dpa

Neues Terminal? Ja, denn der BER ist ja schon jetzt, obwohl noch gar nicht eröffnet, viel zu klein. Deshalb hatte die Politik ja auch am Hauptterminal ständig herumgedoktert, mehr Schalter einbauen lassen und damit schließlich den Brandschutz ad absurdum geführt. Denn die plötzlich viel größeren Passagierzahlen konnte das Terminal und vor allem die Lüftung im Fall eines Brandes nicht mehr bewältigen.

Neues Billigfliegerterminal soll nur halb so teuer werden

Und so will der BER eine weitere Abfertigungshalle bauen – und bei der soll alles gut laufen. Kostensteigerungen? Auf keinen Fall. Billiger soll es sogar werden. Denn beim weiteren Ausbau wollen die Verantwortlichen stärker auf die Kosten achten, wie Lütke Daldrup versichert. Na endlich. Wurde ja auch Zeit, stärker auf das Geld der Steuerzahler zu achten, nachdem die Kosten von ursprünglich zwei Milliarden Euro bei Baubeginn 2006 auf inzwischen 6,6 Milliarden gestiegen sind.

ARCHIV - Flughafenchef Engelbert Lütke Daldrup steht am 19.05.2017 in Schönefeld (Brandenburg) in einem Terminal des Flughafens Berlin Brandenburg (BER). Der berüchtigte Flughafen wird schon länger saniert als er eigentlich gebaut wurde. Heute lösen geplatzte Termine bei vielen nur noch Schulterzucken aus. Doch einmal muss die Dauerkrise ein Ende haben. Foto: Bernd Settnik/dpa-Zentralbild/dpa +++(c) dpa - Bildfunk+++
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BER-Flughafenchef Engelbert Lütke Daldrup im unfertigen Flughafenterminal: Er will jetzt stärker auf die Kosten und die Bauzeit achten. Deshalb baut der BER jetzt nur noch Hallen im Industriestandard.

Foto: Bernd Settnik/dpa

Also, das neue zusätzliche Abfertigungsgebäude neben dem Hauptterminal soll nur 100 Millionen Euro kosten. Und das wäre nur die Hälfte der bislang kalkulierten Kosten. Das gibt es nur in Berlin: Da freut man sich über eine Kosteneinsparung, die es bislang nur auf dem Papier gibt. Und es stellt sich ja die Frage, ob das Terminal jemals für 100 Millionen Euro fertig wird.

Und warum soll das Terminal so billig werden? Weil der BER jetzt in Modulbauweise in Industriebaustandard bauen will. Wir sind auf die Baumarkthalle gespannt. Flughafenchef Lütke Daldrup verspricht immerhin, dass die Halle, die im Jahr sechs Millionen Passagiere von Billigfluglinien abfertigen können soll, „schon“ 2020 fertig sein soll. Das wäre ein Jahr früher als bislang geplant. Noch eine Erfolgsmeldung.

BER: Wir bauen nur noch einfache Gebäude

Aus dem BER-Desaster will Lütke Daldrup lernen. „Wir werden keine hochkomplexen Gebäude mehr konzipieren, die einen so hohen Standard haben, dass man sie am Ende nicht beherrschen kann“, versprach der Flughafenchef am Montag. Das lässt hoffen. Denn Lütke Daldrup wird an dem BER noch viele Jahrzehnte bauen müssen, um das Passagierwachstum bewältigen zu können. Nach 2025 soll der Ausbau aus Eigenmitteln beginnen. Den „Masterplan 2040“ berät der Aufsichtsrat im Juli. Das sind grandiose Aussichten für die Bauindustrie.

ARCHIV - Bauarbeiter laufen am 19.05.2017 in Schönefeld durch den Flughafen Berlin Brandenburg (BER). Mitglieder des Hauptausschuss des Abgeordnetenhauses und der Senatsverwaltung machten sich ein Bild vom Baufortschritt. Am 23. Mai tagt der Sonderausschusses BER in Potsdam u.a. zum Baufortschritt und zu Krediten an die Flughafengesellschaft. Foto: Bernd Settnik/dpa-Zentralbild/dpa +++(c) dpa - Bildfunk+++
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Palettentransport im BER-Terminal: So sehen die Bauarbeiten im Hauptstadtflughafen aus.

Foto: Bernd Settnik/dpa

Ach, und das Beste an der Aufsichtsratssitzung am Montag in Berlin: Die Politiker konnten „keine gewaltigen Fortschritte“ auf der Baustelle feststellen. Also dürften sich die Bauarbeiter immer noch mit den Türen rumschlagen, die nicht funktionieren wollen, und den zu dünnen Wasserrohren der Sprinkleranlage.

Und hier hätten wir noch mehr zum Schmunzeln oder Ärgern: die zehn größten Baustellenflops der Welt.

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Von Axel Mörer-Funk
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