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23.06.2015, 11:46 Uhr | 0 |

Projekt Sixth Sense Unfallprävention: Jaguar Land Rover misst Hirnströme des Fahrers

Die Gedanken sind frei ­– stimmt, solange man nicht im Forschungsauto von Jaguar Land Rover sitzt. Dort ist nämlich Technik der Nasa installiert, die Hirnströme misst und deshalb weiß, ob der Fahrer müde ist oder vor sich hinträumt. Der britische Autohersteller möchte mit der Technik, die auch das US-Bob-Team erprobt, die Unfallgefahr senken. 

Das amerikanische Bob-Team
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Das amerikanische Bob-Team misst durch Sensoren die Hirnströme des Fahrers, um mehr über Stress und Konzentration zu erfahren. Jetzt experimentiert auch Jaguar Land Rover mit der Technik.

Foto: Tim Hipps/US Army

Ein aufregender Teil der Forschung bei Jaguar Land Rover ist das Projekt Mind Sense. Die Ingenieure wollen herausfinden, wie man Hirnströme messen und damit Konzentration des Fahrers überwachen kann. Warum, erklärt Chefentwickler Wolfgang Epple: „Selbst wenn die Augen die Straße im Blick haben, können ein Konzentrationsmangel oder ein Tagtraum bedeuten, dass der Pilot seiner eigentlichen Aufgabe, dem Fahren, nicht genug Aufmerksamkeit widmet.“

Sensoren im Lenkrad messen Hirnströme

Doch wie Hirnströme messen? Eine Sensormütze wäre zu aufwendig. Die Forscher haben deswegen Sensoren ins Lenkrad integriert. Eine Software verstärkt die Signale und filtert störende Hintergrundgeräusche heraus, damit die Messung aus einiger Entfernung zum Kopf möglich ist. Die Messtechnik kommt schon bei der US-Raumfahrtbehörde Nasa und dem US-Bobsportteam zum Einsatz.

Der Bordcomputer im Auto überwacht die Hirnströme. Dabei kann anhand dominierender Frequenzbänder abschätzen, ob der Fahrer voll konzentriert, abgelenkt oder schläfrig ist. Epple: „Wenn die Gehirnaktivität beispielsweise auf einen Tagtraum oder nachlassende Konzentration hindeutet, könnten Lenkrad oder Pedale vibrieren und den Fahrer so wieder aufmerksamer machen.“ Möglich seien auch akustische Warnsignale.

Fahrersitz misst Herzschlag und Atmung des Fahrers

Doch das ist nicht alles: Jaguar Land Rover hat einen Fahrersitz entwickelt, der Daten über das Wohlbefinden des Fahrers sammelt – mit Sensoren, die ursprünglich in Krankenhäusern zum Einsatz kommen. Sie messen Herzschlag und Atmung des Fahrers. Der Bordcomputer zieht Rückschlüsse auf Gesundheitszustand und Stressniveau. Ist die Stressbelastung zu hoch, wirkt das Auto entgegen. Es passt eigenständig Beleuchtung, Audioeinstellungen und Klimatisierung an.

Die Jaguar Land Rover Forschung ebnet selbstfahrenden Autos den Weg: „Die Entwicklung von Technologien für autonomes Fahren schreitet ständig voran. Gleichzeitig wird es nach wie vor Umstände geben, in denen ein autonomes Fahrzeug die Kontrolle in die Hände des Piloten zurückgeben muss“, sagt Eppler. „Damit dies gefahrlos geschehen kann, sollte sich das Auto darüber versichern, dass der Fahrer aufmerksam und fit ist.“

Fahrer bedient Bordcomputer mit Bewegungen in der Luft

Und noch eine andere Gefahrenquelle will Jaguar Land Rover ausschalten: Die zu umständliche Bedienung des Bordcomputers, währenddessen die Augen des Fahrers nicht auf die Straße blicken. „Unsere Forschung sucht nach einem Weg, wie sich die Interaktion mit dem Infotainmentscreen so beschleunigen lässt, dass die Augen des Fahrers möglichst schnell wieder auf die Straße blicken und die Hände schneller wieder am Lenkrad sind“, erklärt Eppler.

Die Lösung sind Kameras, die Handbewegungen des Fahrers aufzeichnen. Er kann Knöpfe in der Luft betätigen, ohne den Screen berühren zu müssen. In Tests haben die Entwickler herausgefunden, dass Probanden mit dem sogenannten Predictive Infotainment System 22 % schneller bedienen. Ultraschall könne zudem ein haptisches Feedback an den Fingern erzeugen. 

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Von Patrick Schroeder
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