10.10.2016, 14:42 Uhr | 3 |

Gutachten vorgelegt Teslas Autopilot gefährdet deutschen Straßenverkehr

Die Technik des Tesla S Autopiloten ist eine Gefahr für den Straßenverkehr. Zu schwach sind die Sensoren, zu unpräzise die Kamera. Zu diesem Schluss kommt ein Gutachten, das Alexander Dobrindt vorliegt. Aber warum legt der Verkehrsminister die Autos nicht lahm? 

Tesla
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Die Hände immer am Steuer halten: Der Autopilot des Tesla ist zum autonomen Fahren nicht geeignet, so ein Gutachten für das Bundesverkehrsministerium.

Foto: Tesla

Die Bundesanstalt für Straßenwesen (BASt) hat Teslas Autopiloten im Auftrag des Bundesverkehrsministeriums unter die Lupe genommen. Dabei sind die Experten auf zahlreiche Mängel gestoßen, berichtet der Spiegel. Punkt eins: Der Autopilot warnt den Fahrer nicht, wenn sich das System nicht mehr orientieren kann. Es baut dann einfach Mist, ignoriert beispielsweise gelbe Fahrbahnmarkierungen und folgt den weißen. Fehlen Markierungen ganz, fährt der Tesla dem Vordermann hinterher und achtet dabei nicht auf das Fahrzeug neben sich. Allein das reicht für einen Unfall aus.

Reichweite der Sensoren ist zu gering

Punkt 2: Die Sensoren des Autopiloten haben nach hinten lediglich eine Reichweite von 40 m. Das reicht laut BASt für ein Überholmanöver auf der Autobahn nicht aus. Dass außerdem die Kamera auch schnell überfordert ist, zeigt dieser tödliche Unfall in den USA.

Und apropos Autobahn: Der Autopilot ist lediglich für die Autobahn gedacht, lässt sich aber überall aktivieren – auch in der Stadt, für die das System nicht konzipiert ist. Und obwohl der Tesla über GPS verfügt und dadurch genau weiß, ob er sich überhaupt auf einer Autobahn befindet, schaltet Tesla seinen Autopiloten außerhalb von Highways nicht ab.

Apropos Autopilot: Auch die Bezeichnung „Autopilot“ ist laut BASt irreführend. Sie suggeriere, dass der Fahrer nicht aufpassen müsse. Dabei ist der Autopilot derzeit bestenfalls ein Assistenzsystem, das die ständige Aufmerksamkeit des Fahrers erfordert, sagt selbst Tesla. Auch hier liegt eine Gefahrenquelle für den Straßenverkehr.

Zulieferer Mobileye kritisiert Kameras

Das BASt ist nicht die einzige Organisation, die die Bezeichnung Autopilot kritisiert. Auch Mobileye aus Israel relativiert laut Süddeutscher Zeitung das Versprechen des Autobauers um Visionär Elon Musk, der mit den Gedanken wahrscheinlich schon unterwegs zum Mars ist.

Der israelische Tesla-Zulieferer stellt klar, dass den Kameras im Fahrzeug noch klare Grenzen gesetzt sein. Erst in zwei Jahren könnten die optischen Systeme Situationen mit kreuzenden Fahrzeugen tatsächlich meistern.

Dass sie derzeit überfordert sind, zeigt dieser Unfall auf der A24 nahe Hamburg. Der Tesla fuhr einem dänischen Reisebus auf, der nach dem Überholvorgang wieder auf die rechte Spur einscheren wollte. Eigentlich eine ziemlich billige Situation, oder?

Ignoriert Dobrindt die Warnrufe?

Fazit des Gutachtens: Die Technik des „Autopiloten“ von Tesla ist für autonomes Fahren nicht ausgereift genug und kann andere Verkehrsteilnehmer gefährden. Das weiß laut Informationen des Spiegel jetzt auch das Bundesverkehrsministerium um Minister Dobrindt. Doch während einige Fachbeamte das Fahrzeug am liebsten direkt stilllegen würden, scheint der Verkehrsminister einen anderen Plan zu haben.

Laut Spiegel unterstützt er Tesla mit Forschungsgeldern, um Tests mit den Fahrassistenzsystemen in deutschen Städten zu ermöglichen. Der Fahrzeugführer muss allerdings – so das Verkehrsministerium – den Autopiloten jederzeit übersteuern können. Denn eines ist klar: Der Tesla S ist kein autonomes Fahrzeug. 

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Von Patrick Schroeder
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kommentare
11.10.2016, 10:27 Uhr SigismundRuestig
Da folgen die Marketingabteilungen der Autohersteller dem Medienhype zum Automomen Fahren auf Hochtouren - wohl auch, um von den nicht beherrschten Klima-und Umwelt-Problemen der schmutzigen, veralteten Otto-bzw. Diesel-Motor-Technologien abzulenken (Nicht umsonst werden die entsprechenden Vorschriften auf EU-Ebene nicht verschärft! Nicht umsonst genießt Tesla als US-Hersteller eine derartige Aufmerksamkeit!). Da wird dann aber auch schon über die ersten schweren Unfälle beim Autonomen Fahren berichtet. Dumm gelaufen! Man erkennt aber mittlerweile, dass das Autonome Fahren nicht nur eine technische Herausforderung darstellt - insbesondere in Bezug auf die technische Sicherheit -, sondern mehr noch ungelöste ethische, rechtliche und Informationssicherheitstechnische Probleme mit sich bringt. Vom Stand der vergleichbaren PC- und Smartphone-Sicherheit kann jeder Nutzer ein Lied singen. Doch die Politik (allen voran der unsägliche Mautflüsterer Alexander Dobrindt), der mittlerweile organisiertes Staatsversagen bei der Kontrolle der Abgaswerte vorgeworfen wird, gebärdet sich weiterhin autohörig!

"TaTü TaTa TaTü TaTa.
Wer ist der Herr und wer der Sklave?
Ist es Fortschritt oder Plage?
Ist es Abenteuer oder Pflicht?
Digitaler Lifestyle, Transparenz ist geil,
Mobilität am WiFi-Seil!
Freude am Fahren? Wenn Sensoren versagen?
TaTü TaTa TaTü TaTa.
Mobil am analogen Abschlepp-Haken."

Freud und Leid des fahrerlosen Fahrens auf den Punkt gebracht:

https://youtu.be/njj5Z7KzG60
http://youtu.be/WzvpF6JR1cE

Viel Spaß beim Anhören! Und lasst Euch die Realität nicht vermiesen!

11.10.2016, 19:09 Uhr alois
Ich bin es gewohnt verdrehte Storys in der Bild zu lesen und gelegentlich im Fernsehen zu sehen - aber in einem Informationsportal für Ingenieure? Das ist schon eine Dimension! Doch zum Artikel:
Jedem Produkt liegt eine Gebrauchsanweisung bei in der auf die bestimmungsgemässe Anwendung hingewiesen wird - so auch in diesem Fall!!
Die Herren Gutachter haben diese wohl nicht gelesen und scheinen auch sonst recht fremd mit der Materie zu sein oder durch das permanente Abschreiben ist der Inhalt des Gutachtens verfälscht worden?! Es hätte auffallen müssen das es sich um ein SEMI Autonomes System handelt, welches nur unter normalen Bedingungen und nur auf Strassen mit geteilten Fahrspuren (Autobahnen, Kraftfahrstrassen etc.) eingesetzt werden soll.
Ein Gutachter, der wissentlich mit einem SEMI Autonomen System durch Baustellen fährt stellt sich in Frage, ein Gutachter, der bewusst ausblendet, dass es sich um ein SEMI Autonomes System handelt stellt sich in Frage und setzt offensichtlich das begutachtete System nicht bestimmungsgemäss ein!
Ein System so autonom es sei - entbindet den Fahrer NICHT von seinen Verantwortlichkeiten, z.B in den Rückspiegel zu schauen, seine Fahrweise den Bedingungen anzupassen, etc.
Die Herren Gutachter haben die Bedienungsanleitung nicht gelesen und ignorierten sämtliche Warnungen des Systems oder beeinflussten das System in einer Weise die nicht zulässig ist und das soll juristischen Bestand haben - lächerlich!
Wie um alles in der Welt misst man die Performance eines Notbremsassistenten, der einzig dazu da ist, die Folgen des Aufpralls zu mildern - NICHT zu vermeiden??? Testet man Airbags auch auf Schnitt- und Brandverletzungen oder Hautrötungen im Gesicht??? Nein? Dann gehören die verboten!
Die Begrifflichkeit "Autopilot" ist meines Erachtens kein Problem, denn:
Flugzeuge fliegen mit Autopilot - braucht es deswegen keine Piloten und Copiloten? NEIN! Kann es selbständig starten und landen - ohne Fluglotsen und Flugaufsicht? NEIN! Wer ist verantwortlich, wenn's schiefgeht und kein techn. Defekt vorliegt - Boeing - Airbus??? Wohl kaum ...
Alle grösseren Schiffe fahren mit Autopilot, braucht es deswegen keine nautischen Offiziere oder Kapitäne? Kann ein Schiff selbstständig in einen Hafen ein- und auslaufen???
Wie ist es mit den Hochgeschwindigkeitszügen in Japan und diversen Metros dieser Welt?? Nein - hier wird von eigenen Unzulänglichkeiten der hiesigen Autoindustrie abzulenken versucht. Warum kritisiert man nicht Mercedes hier wird autonomes Fahren offensiv beworben, obwohl es sich auch hier um teilautonomes Fahren handelt!!
Es ist wie so oft, das "Problem" hockt hinter dem Steuer! Schon alleine die Bildwahl ist mit Verlaub eine reine Sensationshascherei...
Ich hoffe, dass man sich in Zukunft wirklich ernsthaft mit den Chancen und Risiken dieser Systeme auseinandersetzt und echte Fakten nüchtern analysiert und gegenüberstellt und sich nicht von diversen Schreiberlingen die Einen kennen, der was gehört hat ... blenden lässt. Denn eins ist sicher, diese Systeme werden kommen und wenn nicht aus Deutschland, dann woanders her!!

14.10.2016, 10:49 Uhr EUC
Die Situation ist bei Nutzfahrzeugen noch kritischer, weil ein höheres Schädigungspotential besteht. Welche Anforderungen an diese halten Sie für wichtig?
Bitte nehmen Sie an der ExpertInnenbefragung teil:
http://www.energie-umwelt.at/MULE/MULE_Befragung_Anforderungen.html
vielen Dank im Voraus:

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