16.05.2017, 12:29 Uhr | 0 |

Künstliche Stadt Südkorea baut größten Testparcours für selbstfahrende Autos

Im Herbst öffnet in Südkorea die weltweit größte Teststrecke für autonome Fahrzeuge. K-City hat die Größe einer Kleinstadt und hier wird alles simuliert, was einem selbstfahrenden Auto begegnen kann –  von der Schnellstraße über Ampeln und Kreisverkehr bis hin zur Parkplatzsuche. Eine US-Studie zeigt derweil, dass autonome Autos Staus verhindern können.

K-City
Á

K-City: Auf dem 360.000 m2 großen Gelände wird ab Oktober 2017 der Straßenverkehr mit selbstfahrenden Autos getestet. 

Foto: Business Korea

Der neue Testparcours nahe der südkoreanischen Stadt Hwaseong heißt K-City und hat tatsächlich in etwa die Maße einer Kleinstadt. Auf dem 360.000 m2 großen Gelände wird ab Oktober dieses Jahres der Straßenverkehr ähnlich rollen wie in einer realen Stadt – allerdings ausschließlich mit selbstfahrenden Autos. K-City ist das weltweit größte Testgelände dieser Art und zeigt, wie ernst es den Südkoreanern damit ist, im Wettlauf um autonome Fahrzeuge vorne zu sein.

Ab 2020 sollen in Südkorea autonome Autos der Stufe 3 fahren

Südkoreas Ziele beim weltweiten Rennen um autonome Autos sind ambitioniert. Ab 2020 sollen im Land möglichst viele selbstfahrende Autos der Stufe 3 auf öffentlichen Straßen unterwegs sein. Bei dieser Stufe der Automatisierung muss der Fahrer das System nicht mehr dauernd überwachen. Das Auto fährt die meiste Zeit autonom, setzt den Blinker, wechselt und hält die Spur. Bei Bedarf und mit einer Vorwarnzeit fordert das System den Fahrer auf, die Führung zu übernehmen. Bislang ist diese Form der Autonomie auf Autobahnen möglich, aber noch nicht im Stadtverkehr.

ARCHIV - Ein Mitarbeiter von Bosch fährt am 04.05.2015 auf der Autobahn 81 bei Abstatt (Baden-Württemberg) in einem Auto, das als Prototyp für autonomes Fahren genutzt wird. (zu dpa «Selbstfahrende Autos: Bosch kooperiert mit chinesischen Firmen» vom 19.04.2017) Foto: Daniel Naupold/dpa +++(c) dpa - Bildfunk+++
Á

Selbstfahrende Autos sind auf dem Vormarsch.

Foto: Daniel Naupold/dpa

Südkorea will die Entwicklung dieser hochautomatisierten Stufe forcieren und hat das neue Testgelände – das unter der Aufsicht des Ministeriums für Infrastruktur und Transport steht – sogar früher fertiggestellt, als ursprünglich geplant. Statt im Dezember 2019 wird K-City vermutlich schon im Frühjahr 2018 öffnen und ab Oktober 2017 werden bereits die ersten Autos auf den Straßen der neuen Stadt rollen.

Alle Situationen im Stadtverkehr können simuliert werden

K-City hat, wie eine echte Stadt, einen Stadtkern mit dichter Bebauung, einige Büro- oder Fabrikgebäude am Rande mit größeren Parkplätzen und eine mehrspurige Umgehungsstraße. Hier kann so ziemlich alles simuliert werden, was den Stadtverkehr ausmacht: schnelles Fahren mit Spurwechsel, das Verhalten im Kreisel, vor Ampeln und bei plötzlich auftauchenden Hindernissen, das Einparken im Stadtzentrum oder auf einem großen Unternehmensparkplatz. Es wird Busspuren geben und ein Streckenabschnitt wurde außerdem überdacht, so dass getestet werden kann, was passiert, wenn das GPS keinen Empfang hat.

Á

Die Zukunft wird autonom – auch in Deutschland: Der Innenraum eines autonom fahrenden Busses, aufgenommen am 29. April 2017 auf einer Teststrecke in Bad Birnbach. Der erste selbstfahrende Bus im öffentlichen Nahverkehr in Deutschland soll ab Herbst durch den Ort im Landkreis Rottal-Inn rollen. Die Deutsche Bahn hat das auf zwei Jahre angelegte Pilotprojekt in dem niederbayerischen Kurort vorgestellt. 

Foto: Armin Weigel/dpa

Genutzt werden soll das Testgelände in erster Linie von südkoreanischen Autoherstellern wie Hyundai und Kia und von Technologiefirmen wie SK Telecom, Naver und Samsung. Anders als auf öffentlichen Straßen benötigen die autonomen Fahrzeuge, die hier getestet werden, nicht zwingend eine Zulassung der Regierung.

In der Diskussion steht derzeit, dass in K-City nicht nur große Unternehmen sondern auch Start-ups im Bereich Automatisierung zugelassen werden. Diese könnten neue Ideen zu Kommunikation, Software und Mobilität liefern. Außerdem wird von Experten gefordert, dass in K-City mehr Ingenieure arbeiten sollen, die unter anderem Plattformen für die Auswertung der gesammelten Daten entwickeln. Die Daten könnten unter anderem für Auto-Versicherungen und Stadtplaner interessant sein.

Autonom fahrende Autos wirken positiv auf den Verkehrsfluss

Eine aktuelle US-amerikanische Studie bestätigt die Bedeutung von autonom fahrenden Autos für den Verkehrsfluss. In einem Feld-Experiment an der University of Illinois ließen Raphael E. Stern und sein Team insgesamt 22 Autos im Kreis fahren. Nur eines der Autos hatte, neben einem Fahrer, auch ein Assistenzsystem für die Geschwindigkeitsregelung. Nun wurde eine Situation wie zur Hauptverkehrszeit simuliert und alle Fahrer sollten dem Vordermann folgen, größere Lücken schließen und nicht zu dicht auffahren. Wie erwartet, gab es nach kurzer Zeit Stauwellen, die durch ungünstiges Abbremsen einiger Fahrer entstanden. Sobald der Verkehr auf diese Weise stockte, übernahm das Assistenzsystem die Geschwindigkeitsregelung, die auf vorausschauendes Fahren programmiert war.

Im Experiment löste sich der kleine Stau bald darauf auf. Das einzelne automatisierte Fahrzeug hatte, inmitten von über 20 herkömmlich gesteuerten Autos, einen messbaren Effekt auf den Verkehrsfluss. Weniger Brems- und Beschleunigungsvorgänge hatten zudem einen deutlich positiven Effekt auf den Benzinverbrauch. Bis zu 40 % Spritersparnis konnten gemessen werden. Ein Effekt, von dem auch die nicht automatisierten Autos profitierten.

Situation in Deutschland 

Testen, testen, testen – das ist das Credo der Hersteller autonomer Fahrzeuge. Auf deutschen Autobahnen stehen ihnen dafür längst Teststrecken zur Verfügung, etwa auf der A9 zwischen Ingolstadt und Nürnberg, wo Audi einen Autopiloten testet.

Und jetzt zieht eine Stadt nach: In Berlin entsteht die sogenannte digital vernetzte Protokollstrecke (Diginet PS), eine Teststrecke für autonome Autos entlang der Straße des 17. Juni, zwischen Ernst-Reuter-Platz und Brandenburger Tor. Einmal durch den Tiergarten, vorbei an der Siegessäule. 

Anzeige
Von Gudrun von Schoenebeck
Zur StartseiteZur Startseite
schlagworte: 
kommentare

Aktuell wurden noch keine Kommentare zu diesem Artikel abgegeben. Loggen Sie ich ein oder melden Sie sich neu an, wenn Sie noch keine Zugangsdaten haben
> Zum Login     > Neu anmelden