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30.11.2013, 07:29 Uhr | 0 |

App: Ich bin ein E-Auto Smartphone-App an Bord von Taxen simuliert die Fahrt als Elektroauto

Die neue App TU München könnte eigentlich heißen: Ich bin ein Elektroauto. 130 Taxen und Fahrzeuge von Gewerbetreibenden fahren nächstes Jahr mit dieser App durch München, um zu testen, ob sie ihre täglichen Wege auch als Elektroauto bewältigen könnten.

Taxen vor dem Münchner Hauptbahnhof
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Taxen vor dem Münchner Hauptbahnhof: 100 Droschken und 30 Handwerkerautos sind bald mit einer App unterwegs, die die Fahrten erfasst und errechnet, ob und wie diese per Elektroauto bewältigt werden können.

Foto: Wikimedia

Die App auf dem Smartphone an der Windschutzscheibe des Münchner Taxis tut so, als wäre bei der aktuellen Personenfahrt kein Verbrennungsmotor unter der Haube, sondern ein Elektromotor. Die App nutzt dabei alle nur denkbaren Sensoren des Smartphones und erfasst so die exakte Position des Taxis über GPS, dazu auch Beschleunigungen, Verzögerungen und auch Drehbewegungen, ja selbst den Luftdruck der Umgebung zur Höhenbestimmung. Aus der Summe all dieser komplexen Bewegungsdaten errechnet die Software dann für ein frei konfiguriertes Elektrofahrzeug den Energieverbrauch und zeigt den Ladezustand einer virtuellen Batterie an.

100 Taxen und 30 Autos von Gewerbetreibenden liefern die Daten

Ab Anfang des nächsten Jahres ist genau dieses Szenario Realität in 100 Taxen im Großraum München und 30 Fahrzeugen von Gewerbetreibenden, die für ihr Gewerbe auf ein Fahrzeug angewiesen sind. Das ist dann schon die Phase 2 des Projektes „Virtuelle Elektromobilität im Taxi- und Gewerbeverkehr München“ (VEM). Derzeit läuft noch die Erhebung des Mobilitätsverhaltens der beteiligten Betriebe.

In dieser Phase 1 zeichnen die Smartphones auf, wann die Autos im Einsatz sind, wohin sie fahren, wie lange sie stehen und wie lange sie jeden Tag gebraucht werden. Ersonnen hat das Projekt VEM der Diplomingenieur Benedikt Jäger vom Lehrstuhl für Fahrzeugtechnik an der Fakultät für Maschinenwesen der TU München.

Für Taxiunternehmer ist das Projekt sehr interessant

Parallel zur Smartphone-Simulation werden die errechneten Daten mit einem echten Elektroauto überprüft. „Für so manchen Taxi- und Gewerbetreibenden wird sich dann wohl zeigen, dass eine Teilelektrifizierung des Fuhrparks nicht nur technisch möglich ist, sondern bereits heute wirtschaftliche und ökologische Vorteile bietet“, glaubt Benedikt Jäger.

Gerade für Taxiunternehmer ist das Projekt „extrem interessant“, wie der Chef des Taxiverbandes München, Florian Bachmann, meint. Es könne Fragen beantworten wie: „Können Elektroautos wirtschaftlich funktionieren, oder: Wäre die Reichweite groß genug?“

Alle Daten werden zentral und elektronisch am Lehrstuhl für Fahrzeugtechnik abgespeichert. Es erfolgt eine temporäre Zuordnung zwischen dem jeweiligen Smartphone und dem Fahrzeug. Personen bezogene Daten werden nicht aufgezeichnet. Die Datenübertragung erfolgt grundsätzlich verschlüsselt. Einsehbar sind diese Daten nur von Projektmitarbeitern, nicht von Dritten.

Entscheidend für den Erfolg der Elektromobilität ist die Ladeinfrastruktur

Der findige Ingenieur beantwortet mit seiner Simulation als App auf dem Smartphone die Frage, wo genau zusätzliche Ladesäulen für die Routen der Taxi- und Gewerbefahrzeuge installiert werden müssten. Denn die Simulationen in den 130 mit den Smartphones ausgestatteten Fahrzeugen zeigen den Fahrern immer den Ladezustand des virtuell mitfahrenden Elektroautos. So ergibt sich über den Projektzeitraum von 22 Monaten ein Bild über die Standorte der für den Großraum München notwendigen Ladestationen.

Der Bedarf für Elektromobilität in München müsste eigentlich riesengroß sein. Die Handwerkskammer hat rund 25.000 Mitgliedsbetriebe, von denen fast jedes mindestens ein Auto hat. Dazu kommen die rund 4000 Taxen im Großraum München. Es liegt auf der Hand, dass der Schlüssel für eine Umstellung auf Elektromobilität für Handwerker und Taxiunternehmer die Frage der Reichweite und damit die Verfügbarkeit von Ladestationen ist.

Die Umstellung auf Strom ist mittelfristig eine Notwendigkeit

Es herrscht auch ein gewisser Druck dabei, mit der Elektromobilität endlich voran zu kommen. Schon jetzt gibt es in vielen Städten Umweltzonen, die nur noch bestimmten Fahrzeugen mit Verbrennungsmotor die Einfahrt in die Innenstädte gestatten. Mittelfristig müssen sich Handwerker und Taxiunternehmer ohnehin auf Strom umstellen, glaubt der Chef des Münchner Taxiverbandes, Florian Bachmann. „Irgendwann, vielleicht schon in zehn Jahren, wird man in München mit einem normalen Fahrzeug wohl gar nicht mehr in die Innenstadt fahren dürfen.“

Eine Idee, die günstig ist und Ergebnisse liefert

Die Idee einer Simulationssoftware hat viele überzeugt, vor allem deshalb, weil sie preiswert ist und Ergebnisse liefert. Das Bundeswirtschaftsministerium fördert das VEM-Projekt mit mehreren Millionen Euro. Die Stadtwerke München sind mit im Boot, genau wie die Handwerkskammer München und Oberbayern und der Münchner Taxiverband. Das Projekt VEM ist Teil des vom Bundesministerium für Wirtschaft und Technologie geförderten Forschungsprogramms „IKT für Elektromobilität II – Smart Car – Smart Grid – Smart Traffic“, das seit 2011 läuft. 

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Von Detlef Stoller
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