Verkehr, Logistik & Transport

RSS Feeds  | Alle Branchen Verkehr, Logistik & Transport-Visual-100938750
09.03.2015, 12:04 Uhr | 0 |

Mehdorn war früh informiert Schmiergeld-Verdacht: Amann belastet scheidenden BER-Chef

In wenigen Tagen übergibt BER-Chef Hartmut Mehdorn sein Amt an den Bombardier-Manager Karsten Mühlenfeld. Mehdorn gibt sich aufgeräumt und verspricht seinem Nachfolger „ein bestelltes Haus“. Ausgerechnet jetzt packt aber der frühere Technikchef Horst Amann vor dem Untersuchungsausschuss des Berliner Abgeordnetenhauses aus. Er behauptet, Mehdorn habe  schon im Sommer 2013 von Korruptionsvorwürfen Kenntnis gehabt. Und nicht unternommen.

BER - Hartmut Mehdorn
Á

Flughafen-Chef Hartmut Mehdorn wird kurz vor Ende seiner Amtszeit vom ehemaligen Technik-Chef Horst Amann schwer belastet: Er soll schon im Sommer 2013 von den Korruptionsvorwürfen gewusst haben, die jetzt bekannt wurden. 

Foto: Patrick Pleul/dpa

Vor ziemlich genau zwei Jahren übernahm Hartmut Mehdorn den Vorsitz der Geschäftsführung der Flughafen Berlin Brandenburg GmbH (BER). In wenigen Tagen übergibt er diesen Schleudersitz an seinen Nachfolger, den Bombardier-Manager Karsten Mühlenfeld. „Toi, toi, toi“ wünscht er diesem bei seinem neuen Job. Und noch etwas gibt er seinem Nachfolger mit: Gewissheit. „Der BER wird im zweiten Halbjahr 2017 eröffnet“, sagte er am Samstag gegenüber dem Magazin Focus. „Die Airlines bekommen spätestens ein Jahr vor Eröffnung den endgültigen Starttermin mitgeteilt.

Er beteuert, dass in einem Jahr alle Bauarbeiten abgeschlossen sind und im Anschluss nur noch die nötigen Abnahmen und Tests erfolgen.

„Ab jetzt können es auch andere“

Mehdorn betont, insbesondere die Probleme mit Kabeln und mit der Brandschutzanlage habe man im Griff. „Die Kabeltrassen sind heute zu 50 Prozent fertig verlegt.“ Der notwendige Umbau der Entrauchungsanlage sei in vollem Gang, Siemens arbeite an der Steuerung. Und überhaupt: „39 von 40 Gebäuden auf dem 2000 Fußballfelder großen Airport-Gelände sind vom Bauordnungsamt abgenommen.“

Ein Flugzeug landet am 20.02.2015 auf der Nordbahn des Flughafens Schönefeld (Brandenburg) bei Berlin. Foto: Ralf Hirschberger/dpa (zu dpa-KORR zum Thema Hauptstadtflughafen BER vom 23.02.2015) +++(c) dpa - Bildfunk+++
Á

Kurz vor Amtsende hat BER-Chef Hartmut Mehdorn angekündigt, Berlins neuer Flughafen werde im zweiten Halbjahr 2017 eröffnet.

Foto: Ralf Hirschberger/dpa

Mehdorn wagte im Focus-Gespräch sogar ein positives Fazit seiner zweijährigen Amtszeit als Vorsitzender. Er übergebe „ein bestelltes Haus und ein jetzt gut organisiertes Großprojekt“, erklärte er – und schob einen typischen Mehdorn hinterher: „Ab jetzt können es auch andere.“ 

„Ich habe gesagt: Das ist ein Fall für die Revision“

Glaubt man den Aussagen des Bauingenieurs Horst Amann vor dem Untersuchungsausschuss des Berliner Abgeordnetenhauses vom vergangenen Freitag ist Mehdorns Haus doch nicht so super bestellt. Im Gegenteil: Es geht um einen schweren Korruptionsverdacht. Ein Flughafenmitarbeiter soll 2012 Schmiergeld vom Gebäudetechnik-Anbieter Imtech erhalten haben.

Amann erklärte vor dem Ausschuss, Mehdorn habe bereits im Sommer 2013 von Unregelmäßigkeiten bei Zahlungen an Imtech gewusst. Ein anonymes Hinweisschreiben sei Mitte Juni 2013 auch an den BER-Chef gegangen. „Ich habe gesagt: Das ist ein Fall für die Revision.“ Wie intern mit dem anonymen Hinweisschreiben umgegangen worden sei, wisse er nicht. „Es war im Geschäftsführungsbereich von Herrn Dr. Mehdorn. 

Staatsanwaltschaft ermittelt gegen Flughafen-Bereichsleiter

Die Neuruppiner Staatsanwaltschaft ermittelt seit Dezember 2014 gegen einen früheren Bereichsleiter des Flughafens und gegen vier frühere leitende Mitarbeiter  der Firma Imtech wegen des Vorwurfs der Bestechlichkeit. Offenbar veranlasste der Aufsichtsrat des Flughafens auf Vorschlag Amanns im Dezember 2012, dass die niederländische Firma Imtech – bis heute am BER für den bis heute nicht funktionierenden Brandschutz zuständig –  eine Nachzahlung von 65 Millionen Euro  bekam.

Der ehemalige Flughafen Technik Chef Horst Amann spricht am 13.02.2013 auf der Pressekonferenz über die Ergebnisse der Aufsichtsratssitzung der Flughafengesellschaft des neuen Flughafens Berlin Brandenburg Airport (BER) in Schönefeld (Brandenburg). Erstmals seit seiner Degradierung am neuen Hauptstadtflughafen äußert sich in dieser Woche der frühere Technik-Geschäftsführer Horst Amann öffentlich. Der Untersuchungsausschuss des Berliner Abgeordnetenhauses wird den Bauingenieur am Freitag (6. März) befragen. Foto: Bernd Settnik/dpa +++(c) dpa - Bildfunk+++
Á

Der ehemalige Flughafen-Technik-Chef Horst Amann wurde am Freitag vom Untersuchungsausschuss des Berliner Abgeordnetenhauses zu den Korruptionsvorwürfen befragt und hat BER-Chef Hartmut Mehdorn belastet.

Foto: Bernd Settnik/dpa

Und zwar ohne jede Prüfung der Berechtigung. „Es gab den Glauben, dass in der Sekunde, wo die abziehen, was sie auf der Baustelle haben, der Termin tot ist“, begründete Amann mit Bezug auf den damals geplanten Eröffnungstermin des Pannenflughafens im Oktober 2013. 

Mehrere Hunderttausend Euro in bar gefunden

Der Bereichsleiter, gegen den die Staatsanwaltschaft jetzt wegen Bestechlichkeit in einem besonders schweren Fall ermittelt, war unter Amann Prokurist am Flughafen. Er soll sich sehr für diese Zahlung an Imtech eingesetzt haben und dafür, so steht es in dem anonymen Hinweisschreiben, zwei Millionen Euro Schmiergeld von Imtech kassiert haben. Dafür spricht, dass die Ermittler aus der Schwerpunktabteilung Korruption bei einer Durchsuchung der Privatwohnung des Bereichsleiter mehrere Hunderttausend Euro in bar fanden.

Anzeige
Von Detlef Stoller
Zur StartseiteZur Startseite
schlagworte: 
kommentare

Aktuell wurden noch keine Kommentare zu diesem Artikel abgegeben. Loggen Sie ich ein oder melden Sie sich neu an, wenn Sie noch keine Zugangsdaten haben
> Zum Login     > Neu anmelden