28.05.2014, 13:31 Uhr | 0 |

Bahn rüstet auf Schluss mit den schlechten Internet-Verbindungen im Zug

Bis zum Jahresende soll endlich Schluss sein mit Internet-Verbindungen, die einfach unvermittelt abbrechen, wenn man im ICE sitzt und versucht Daten herunterzuladen oder auch schlicht zu telefonieren.Auch bei Tempo 300 sollen im Zug so hohe Datenübertragungen wie beim Mobilfunkstandard LTE erreicht werden.

Deutsche Bahn zu Digitalisierung im Betrieb
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Deutsche-Bahn-Chef Rüdiger Grube (l.), und der Bundesminister für Verkehr und digitale Infrastruktur, Alexander Dobrindt (CSU), stehen an einem Gleis des Berliner Hauptbahnhofes zusammen: Bundesregierung und Deutsche Bahn wollen die digitalen Angebote der DB weiter stärken.

Foto: dpa/Rainer Jensen

Das Unternehmen Zukunft, wie sich die Deutsche Bahn gerne selbst nennt, will endlich in dieser Zukunft ankommen. Und deshalb soll es jetzt bis Ende 2014 schnelle Internet-Verbindungen in allen ICE-Zügen geben. Zu verdanken haben die Bahnreisenden diese Initiative Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt (CSU). Denn der ärgert sich über Netzausfälle auf Bahnreisen schon lange. Und seit seinem Amtsantritt am 17. Dezember 2013 macht er Druck auf die Deutsche Bahn. Sie solle für Abhilfe zu sorgen – damit „das Netz nicht mehr, wenn man gerade etwas runterlädt, abstürzt“.

Unterbrechungsfreies Sprechen und Surfen im Zug soll kommen

Recht hat er und jetzt hat er auch Bahnchef Rüdiger Grube fest an seiner Seite. Bis zum Jahresende soll WLAN „in unseren ICE-Zügen flächendeckend verfügbar sein“, verspricht Grube. Derzeit werden alle 255 ICE und auch die Intercity-Züge mit der neuen Technik ausgerüstet. 200 dieser Züge haben laut Grube bereits die nötige Empfangstechnik für schnelles Internet an Bord. Und – so verspricht es der Bahnchef – bis Ende 2014 soll auch die Umrüstung der übrigen Wagen abgeschlossen sein. Bis Ende 2015 sollen sogar auch alle 770 Intercity-Wagen die Verstärker der neuen Generation eingebaut haben.

Auf 3000 Streckenkilometer wird der neue Service des schnellen Internets bereits angeboten. Für die übrigen 2200 Netzkilometer läuft derzeit der Testbetrieb, der im Laufe des Jahres abgeschlossen sein wird. Dann soll es endlich möglich sein auf allen 5200 Kilometern Bahnnetz: das unterbrechungsfreie Sprechen und Surfen im Zug.

Bahn setzt voll auf Online

Schliesslich setzt die Deutsche Bahn inzwischen auch selbst voll auf das Internet-Geschäft: „Online ist heute schon mit einem Anteil von mehr als 31 Prozent der stärkste Vertriebskanal“, betont Bahnchef Grube. So ist der DB-Navigator eine der erfolgreichsten und beliebtesten deutschen Apps für iOS und Android. Grube: „Er wurde bereits über 13 Millionen Mal heruntergeladen.“ Allein pro Monat werden 67 Millionen Fahrplanauskünfte abgerufen.

Dobrindt will kostenfreies Surfen im Zug

Verkehrsminister Dobrindt möchte, dass „in Zukunft jeder, der einen Fahrschein für den entsprechenden Zug hat, kostenfrei surfen kann“. Er räumte allerdings ein, dass dies eine Entscheidung der Bahn sei, die allerdings immerhin noch zu einhundert Prozent dem Bund und damit allen Steuerzahlern gehört.

Für einen WLAN-Zugang oder Hotspot der Deutschen Telekom wird am 27.05.2014 an einem ICE auf dem Berliner Hauptbahnhof geworben. Die Bundesregierung und Deutsche Bahn wollen die digitalen Angebote der DB weiter stärken. Foto: Rainer Jensen /dpa +++(c) dpa - Bildfunk+++
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Bahn und Telekom wollen den Internetzugang in den ICE-Zügen verbessern.

Foto: dpa/Rainer Jensen

Der Bundesverkehrsminister ist jedenfalls verhalten optimistisch, dass die Bahn „das Verkehrsmittel des digitalen Zeitalters“ wird. Grube ist „aktuell noch nicht mit der Qualität und der Stabilität im Zug zufrieden. Die Erwartungen unserer Kunden werden hier noch nicht erfüllt“. Die Messlatte liegt hoch: Bis zum Jahresende sollen in den ICE-Fernzügen auch bei Tempo 300 so hohe Datenübertragungen wie beim Mobilfunkstandard LTE erreicht werden.

Telekom bleibt der exklusive Partner für das WLAN

Für diesen Service müssen Bahnkunden weiterhin extra zahlen, derzeit etwa eine Tagespauschale, einen Minutenpreis oder einen anderen Tarif der Deutschen Telekom. Und die Telekom bleibt auch für die jetzt vorgestellte ICE-Anbindung an das Internet der exklusive Partner für die Deutsche Bahn. Für einen Tagespass bei der Telekom fallen derzeit 4,95 Euro an, in vielen Telekom-Tarifen ist die Hotspot-Nutzung aber bereits inbegriffen.

Mager: Nur die 24 größten Bahnhöfe im Focus der Bahn

Da dürfte noch viel Arbeit auf die Deutsche Telekom zukommen, die sich um die Hotspots in den Zügen kümmert. Bei der Ausstattung von Bahnhöfen mit Hotspots sind die Pläne der Deutschen Bahn deutlich weniger ehrgeizig. Von den insgesamt 120 mit Hotspots ausgerüsteten Bahnhöfen sollen nur die 24 größten und meistfrequentierten mit neuer WLAN-Technik ausstaffiert werden. Dabei hatte Dobrindt schon im Februar heftig kritisiert, dass nur 120 der 5600 Bahnhöfe über entsprechende moderne Infrastruktur verfügen.

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Von Detlef Stoller
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