21.12.2016, 13:15 Uhr | 0 |

Oneclick-Trucking Nie mehr leere Lkw: KI von Cargonexx kostenlos nutzen

Nicht jeder Lkw, der auf der rechten Spur der deutschen Autobahnen mehr steht als rollt, ist auch voll beladen. Rein rechnerisch fährt sogar jeder dritte Lkw völlig leer durch das Land. Ein Start-up aus Hamburg will das jetzt ändern. Mit künstlicher Intelligenz (KI) für Spediteure.

Die rechte Spur auf den bundesdeutschen Autobahnen ist werktags ein endlos geflochtenes Band aus dicken Brummis. Jeden Tag fahren eine halbe Million schwere Lkw durch Deutschland, rollen Stoßstange an Stoßstange hintereinander her, um ihre Fracht zu verteilen. Und es wird wohl noch schlimmer: In den nächsten 15 Jahren soll der Lkw-Verkehr um weitere 15 % wachsen. Ein Hamburger Start-up tritt nun auf die Bühne, um das zu verhindern. Cargonexx heißt die Firma, die ein künstliches neuronales Netz aus selbst lernenden Algorithmen entwickelt hat. In Millisekunden analysiert es Hunderttausende Frachtdaten. 

„Man braucht kein Telefon, Fax oder E-Mail mehr“

Zunächst rechnet das Programm die Wahrscheinlichkeit aus, mit der die im System angemeldeten Brummis auf einer bestimmten Route unterwegs sein werden und noch freie Kapazitäten besitzen. Dann spuckt es einen fairen Preis für diese mögliche Tour aus. „Das Herzstück von Cargonexx ist ein selbst lernender Datenalgorithmus, der tagesaktuelle Marktpreise für einzelne Touren errechnet“, erklärt Cargonexx-Geschäftsführer Rolf-Dieter Lafrenz. Der am System angeschlossene Spediteur kann dieses Tourenangebot dann sofort buchen.

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„Der komplette Ablauf erfolgt automatisiert und digital. Man braucht kein Telefon, Fax oder E-Mail mehr“, betont Lafrenz. Oneclick-Trucking nennt sich das. Im Gegensatz zu Frachtenbörsen tritt Cargonexx als haftender Spediteur auf und übernimmt die Verantwortung für die tatsächliche Durchführung der eingestellten und gebuchten Frachten. Das Hamburger Start-up hat sich entsprechenden Versicherungsschutz gesichert.

Kostenlos aber nicht für schwarze Schafe offen

„Cargonexx kombiniert die Vorteile der Frachtenbörsen mit ihren tagesaktuellen Preisen und schnellen Zugriffsmöglichkeiten mit denen der Spedition, die für eine verlässliche Qualität steht“, sagt Lafrenz. Das Cargonexx-System ist zwar kostenlos, aber nicht für jeden offen. „Wir prüfen jeden Frachtführer, bevor er in das Netzwerk aufgenommen wird“, versichert Lafrenz. Zudem gibt es – wie bei Online-Handelsplattformen auch – die Möglichkeit, die Frachtführer nach jeder Tour zu bewerten. „Schwarze Schafe können wir auf diese Weise sofort ausschließen“, betont Lafrenz.

Rein rechnerisch fährt jeder dritte Lkw leer durchs Land

Die Idee hinter dem Hamburger Start-up scheint anzukommen in einer Branche, die damit zu kämpfen hat, dass rein rechnerisch jeder dritte Lkw leer über Land fährt und Geld so verbrennt. Die Webseite mit der Vermittlung von Fracht und Transport wird in der kommenden Woche freigeschaltet.

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Schon jetzt ist der Ansturm auf Cargonexx riesig. „Mehr als 620 Unternehmen haben sich bereits als Frachtführer registriert, jede Woche kommen mehr als 50 neue hinzu“, erzählt Lafrenz. „Sowohl das Registrieren als auch das Nutzen an sich sind kostenlos. Wir verdienen lediglich an der Marge zwischen An- und Verkauf eines Transportauftrags.“

Sehr einfache Handhabung 

Der Nutzer muss seine Anschrift und ein paar Daten zum Lkw-Typ, zum Aufbau, Gewicht oder Lademeter des Trucks angeben. Angaben zum Zoll oder ein Umladeverbot können im System hinterlegt werden. „Das Ganze dauert für einen geübten Nutzer etwas mehr als eine Minute“, verspricht der Caronexx-Chef. Es kann auch ein Suchagent eingeschaltet werden. Ein Spediteur, der eigentlich immer in einer bestimmten Region ausfährt und noch Laderaum zur Verfügung hat, kann diese Information dauerhaft im System hinterlegen, um Beiladung zu generieren. Es lässt sich sogar der Umkreis des Umwegs definieren, den der Spediteur für diese Beiladung in Kauf nimmt.

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Und so stellt sich Bosch das Trasportwesen der Zukunft vor: Der Lkw fährt 2016 auf der Autobahn automatisch im Konvoi und wacht über die Ruhezeiten des Fahrers. Der wird aber keineswegs arbeitslos. Vielmehr mutiert er vom Fahrer zum Logistikmanager, plant die nächste Route und bearbeitet Frachtpapiere. Details zur Studie Vision X von Bosch finden Sie hier.

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Von Detlef Stoller
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