19.06.2013, 11:42 Uhr | 0 |

Neuer Wasserweg Nicaragua will dem Panamakanal Konkurrenz machen

Nicaragua will seinen lang gehegten Plan Wirklichkeit werden lassen und einen 280 Kilometer langen Kanal zwischen dem Atlantik und dem Pazifik bauen. Die Regierung hat bereits grünes Licht für den Bau gegeben. Das Parlament will mit dem Megaprojekt das verarmte Land aus der Misere holen.

Kreuzfahrtschiff auf dem Panamakanal
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Konkurrenz für Panama: Mit chinesischer Hilfe will Nicaragua einen Kanal zwischen Atlantik und Pazifik bauen. Die Nationalversammlung des mittelamerikanischen Landes billigte mit großer Mehrheit die Erteilung einer Konzession zum Bau und Betrieb des Kanals an das Unternehmen HKND Group in Hongkong. 

Foto: dpa/Klaus Blume

Die Idee ist nicht neu. Schon vor 200 Jahren unternahm Nicaragua den Versuch eine eigene Wasserstraße zu bauen, die eine Verbindung zwischen dem Pazifik und dem Atlantik herstellen soll. 1825 wurde die erste Kanallizenz vergeben – der Bau konnte damals jedoch nicht realisiert werden. Diesmal soll China bei der Umsetzung der Pläne helfen: Die Konzession für das auf 40 Milliarden Dollar geschätzte Bauvorhaben soll nach dem Beschluss der nicaraguanischen Nationalversammlung an den Hongkonger Unternehmer Wang Jing gehen.

Die von dem Chinesen gegründete HKND (Hong Kong Nicaragua Canal Development Group) erhält auf mindestens 50 Jahre hinaus das exklusive Recht, den Kanal zu bauen, zu betreiben und die Konditionen zu bestimmen. Sie hat freie Hand für Enteignungen und genießt strafrechtliche Immunität. Finanziert wird dieses Projekt durch die HKND Group mit 49 Prozent und den Staat Nicaragua mit 51 Prozent.

286 Kilometer Verbindung

Der Verlauf des Kanals steht derzeit noch nicht fest. Vier Routen stehen zur Auswahl für die künstliche Wasserstraße. Favorisiert wird derzeit die Route zwischen dem Nicaraguasee und der östlichen Karibikküste sowie einem Durchstich der Landenge zwischen dem See und dem Pazifischen westlichen Ozean. Die mögliche längste Route erstreckt sich über 286 Kilometer. Mit einem Tiefgang 28 Metern liegt der Wasserweg tiefer als der Panama-Kanal mit 12,3 Metern und auf etwa gleicher Tiefe mit dem Suez-Kanal.

Vorgesehen sind zwei Tiefwasserhäfen an den Stellen, wo die Route in die karibische See und den Pazifik mündet. Sie sollen zwei Freihandelszonen bilden. Und noch nicht genug: eine Ölpipeline, eine Eisenbahn und ein internationaler Flughafen sind auch in der Planung.

Zum Vergleich: Der im Jahr 1914 eröffnete Panamakanal führt 82 Kilometer durch die Landenge von Panama in Mittelamerika und verbindet den Atlantik mit dem Pazifik. Schiffe brauchen seitdem nicht mehr das Kap Hoorn an der Südspitze des südamerikanischen Kontinents umfahren. Der neue nicaraguanische Kanal wäre ungefähr dreimal so lang, könnte aber deutlich größere Schiffe als derzeit der Panama-Kanal aufnehmen.

2015 soll mit der Realisierung des Bauvorhabens begonnen werden

Die Bauarbeiten für den großen Kanal sollen 2015 starten. Allerdings liegt bislang keine Machbarkeitsstudie vor, ob sich der Kanal überhaupt rentiert. Auch Studien, um den optimalen Wasserweg herauszufinden, müssen noch erhoben werden. Geschätzt wird, dass der Bau selbst fünf Jahre dauern wird.

Das Land hofft mit dieser Investition aus der Armut herauszukommen. Es sollen neue Arbeitsplätze entstehen und die Wirtschaft soll angekurbelt werden, in dem der Nicaraguakanal zum Drehkreuz des Welthandels wird. Schon im nächsten Jahr wird mit einem Anstieg des Bruttoinlandsprodukts um 15 Prozent gerechnet. Die Nutzungsgebühren für den Kanal sollen Millionen in die Staatskasse spülen. Um das Projekt zu realisieren wird sich die Infrastruktur in dem Land mehr als verdoppeln müssen.

Kritik an Konzessionsvergabe

Nicht alle sind begeistert von dieser Idee: Die nicaraguanische Opposition mit weniger als halb so vielen Parlamentarier ist geschlossen gegen das Projekt. „Sie haben das als Allheilmittel gegen die Krankheiten des Landes verkauft", sagte der Demokrat Eliseo Nuñez. Er stimmte gegen die Konzessionsvergabe.

Und während die einen auf ein besseres Leben in dem armen Land hoffen, kritisiert die Opposition, dass ein ausländisches Unternehmen mit der Konzession beauftragt wurde. Insbesondere sei nicht klar, wer tatsächlich hinter der HKND Group sitze, so Wilfredo Navarro, liberaler Parlamentarier.

Und auch der Oppositionsführer Eduardo Montealegre hält das neue Gesetz zur Konzessionsvergabe für verfassungswidrig und schädlich für das Land. „Ohne vorherige Prüfung und nach eintägiger Beratung will die Regierung einer ausländischen und unbekannten Firma die Konzession erteilen", beklagt Montealegre.

Der Eigentümer der HKND Group, der 40-jährige Wang Jing, kaufte bereits letztes Jahr eine Mobilfunkkonzession für Nicaragua. Er war jedoch nicht in der Lage eine Mobilfunkfirma aufzubauen.

Daher stellt sich die Frage, ob Wang überhaupt in der Lage sein wird, einen Kanal zu bauen. Die Menschen in dem mittelamerikanischen Land demonstrierten gegen den Bau des Kanals und die Politik von Präsident Daniel Ortega. Sie zogen vor die Nationalversammlung mit Transparenten, die sagten „Ortega verkauft das Vaterland" und „Freies Nicaragua". Ortega hingegen betont: „Der globale Handel verlangt, dass dieser Kanal gebaut wird.“ Eines der größten Reichtümer Nicaraguas sei seine geographische Lage. Jetzt gelte es, das Vermögen zu nutzen.

Konkurrenz für den Panamakanal

Der Nicaraguakanal soll etwa 600 Kilometer nördlich des Panamakanals verlaufen und würde somit eine direkte Konkurrenz zum Panamakanal werden.

Vor fünf Jahren erst wurde mit dem Ausbau des Panamakanals für fünf Milliarden Dollar begonnen. Etwa 14.000 Schiffe durchfahren diese Wasserstraße in Mittelamerika. Jedoch passen durch diese nur Containerschiffe mit maximal 4600 Standortcontainern (TEU).  Mit dem  Ausbau, der im Jahr 2015 fertiggestellt sein soll, können dann auch Schiffe mit 12.000 TEU den Panamakanal passieren. 

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Von Petra Funk
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