03.09.2014, 15:31 Uhr | 0 |

Zu hoher Kostenaufwand London entscheidet sich gegen Bau des Großflughafens Britannia

Der Flughafen Britannia in der Themsemündung wäre zu teuer und wird nicht gebaut. Für Stararchitekten Sir Norman Foster und viele andere eine große Enttäuschung. Denn das Projekt mit vier parallelen Start- und Landebahnen auf einer künstlichen Themse-Insel galt als Vision eines Super-Flughafens für London. 

So sah der Britannia in der Vorstellung des Architekten Sir Norman Foster aus
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So sah der Britannia in der Vorstellung des Architekten Sir Norman Foster aus: der Großflughafen wäre auf einer künstlichen Themse-Insel entstanden. Die teuren Verkehrsanbindungen haben jetzt einen Strich durch die Rechnung gemacht. 

Foto: Foster and Partners

Die von der britischen Regierung eingesetzte Airport Commission, die eine Vorentscheidung über den Ausbau der Londoner Flughafenkapazität treffen soll, hat den Britannia-Flughafen abgelehnt. Für diese Entscheidung gibt es mehrere Gründe.

Verkehrsanbindung für Britannia wäre zu teuer

Der Flughafen selbst sollte lediglich 48 Milliarden Euro kosten. Einschließlich der aufwändigen Verkehrsanbindung an die künstliche Insel wären die Kosten aber wenigstens auf 120 Milliarden Euro gestiegen – neue Straßen und Schienenwege wäre nötig gewesen. Das ist nach Einschätzung der Airport Commission nicht finanzierbar, da zu viele Mittel von anderen wichtigen Infrastrukturvorhaben abgezogen werden müssten. Das ganze Passagier- und Frachtaufkommen müsste außerdem durch Wohngebiete Londons geleitet werden. 

Eine Rolle spielte bei der Ablehnung auch, dass ein Großteil der Flugzeuge über Frankreich hätte fliegen müssen. Bei der hohen Zahl der Streiks der französischen Fluglotsen wurden entsprechende Störungen für den Britannia-Flughafen befürchtet. Schließlich spielte auch noch eine Rolle, dass der Ärmelkanal, in den die Themse kurz hinter dem Britannia-Flughafen mündet, eine internationale Wasserstraße ist. Das bedeutet, dass hier auch Schiffsverkehr herrscht, der nicht über moderne Funkgeräte verfügt und Flugsicherungseinrichtungen stören könnte. Nicht unwichtig waren auch Umweltschutzbedenken, denn in der Themsemündung gibt es mehrere Vogelschutzgebiete.

Es gibt drei Alternativen für den Londoner Flughafenausbau

Die Airport Commission, die ihre Empfehlung für den Flughafenausbau im Juni nächsten Jahres vorlegen soll, hat nach dem Ausscheiden des Britannia-Projekts noch drei Alternativen. Die erste ist der Bau einer dritten Startbahn für London Heathrow. Gegen dieses Vorhaben gibt es aber massiven Widerstand der Bevölkerung im dicht besiedelten Umfeld von Heathrow.

Die zweite Alternative ist die Verdopplung der Länge einer der beiden vorhandenen Startbahnen in Heathrow. Das würde es erlauben, von dieser Bahn aus zeitgleich Flugzeuge landen und starten zu lassen. Dieser Vorschlag hat nicht das gleiche Maß an Widerstand aus der Bevölkerung ausgelöst, weil die Bahnverlängerung in weitgehend unbebautes Land führen würde. Die dritte Alternative ist schließlich der Bau einer zweiten Startbahn in London-Gatwick.

Airport Commission legt Ausbauvorschlag im Juni 2015 vor

Die Airport Commission soll ihren endgültigen Ausbauvorschlag ganz bewusst erst im Juni 2015 vorlegen, weil im Mai Parlamentswahlen sind. Alle Parteien wollen diese Wahlen so weit wie möglich ungestört von Auseinandersetzungen um den Flughafenausbau ablaufen lassen. Wenn die neue Regierung tatsächlich schon 2015 eine Ausbauentscheidung träfe, dann könnte die geplante weitere Startbahn frühestens 2020 in Betrieb gehen.

Sowohl der britische Industrieverband (CBI) wie auch sämtliche größeren Fluggesellschaften fordern einen schnellen Ausbau von Heathrow, dessen Kapazität gegenwärtig zu knapp 99 Prozent ausgelastet ist. Heathrow weist mehr internationalen Flugverkehr auf als jeder andere Flughafen der Welt. Und so drängen nicht nur immer neue Fluggesellschaften dorthin, sondern auch die bisher schon hier tätigen Luftfahrtunternehmen möchten ihre Verbindungen so rasch wie möglich weiter ausbauen. Das ist derzeit aber so gut wie unmöglich. 

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Von Peter Odrich
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