30.05.2014, 12:48 Uhr | 0 |

Technikchef ist beurlaubt Korruptionsverdacht bedroht Fertigstellung des BER-Flughafens

Der frisch gekürte Technikchef Jochen Großmann ist nach zwei Monaten im Amt nach Korruptionsvorwürfen beurlaubt worden. Somit ist das Sorgenkind Entrauchungsanlage wieder ohne Aufpasser. Damit sich die Fertigstellung des Flughafens nicht verzögert, bietet jetzt ausgerechnet der gefeuerte Planer der umstrittenen Anlage seine Hilfe an. 

Schlechte Nachrichten für Flughafenchef Hartmut Mehdorn: Ausgerechnet der neue Technikchef Jochen Großmann ist im Zwangsurlaub
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Schlechte Nachrichten für Flughafenchef Hartmut Mehdorn: Ausgerechnet der neue Technikchef Jochen Großmann ist im Zwangsurlaub. Eigentlich sollte er die Entrauchungsanlage in Schuss bringen, die mittlerweile intern nur noch "das Monster" genannt wird.

Foto: dpa/Ralf Hirschberger

Bisher ist es nur ein Verdacht, wenngleich ein massiver: Jochen Großmann, seit April Technikchef des Berliner Hauptstadtflughafens BER und Teil von Hartmut Mehdorns Sprint-Team, soll sich bei der Vergabe der Planungsaufträge bestechen lassen haben. Derzeit wird der Verdacht gegen den ursprünglich als Retter in der Entrauchungsanlagen-Misere eingestellten Dresdener geprüft.

Am Dienstag hatten Ermittler die Wohnung und Büros Großmanns in Dresden und Berlin durchsucht. Dabei beschlagnahmten sie ein halbes Dutzend Umzugskartons voller Unterlagen aus der Zeit zwischen Oktober 2013 und Februar 2014 sowie eine Reihe von Datenträgern.

Technikchef Großmann droht die fristlose Entlassung

In diesem Zeitraum war der spätere Technikchef Großmann noch mit seiner Firma Gicon als Berater für den Flughafen tätig und hatte sich um die Vergabe von Planungsaufträgen gekümmert, um die Entrauchungsanlage funktionsfähig zu machen. Dabei ging es um Millionenbeträge. Eigentlich ist für Aufträge wie diesen eine europaweite Ausschreibung zwingend vorgeschrieben. Nach Angaben des Berliner Tagesspiegels gab es diese allerdings nicht, der Flughafen habe dies mit Zeitdruck begründet.

Jetzt durchforsten die Ermittler die Daten nach Beweisen dafür, dass Großmann für die Vergabe des Planungsauftrags 500.000 Euro verlangt habe. Allerdings sei das Geld nicht geflossen, so der Neuruppiner Oberstaatsanwalt Frank Winter. Großmanns Firma Gicon betonte, sie arbeite eng mit der Staatsanwaltschaft zusammen, um die Vorwürfe so schnell wie möglich zu entkräften.

Flughafenchef Mehdorn gibt sich optimistisch

Sollte sich der Verdacht stattdessen erhärten, muss der beurlaubte Technikchef – neben juristischer Unbill – mit seiner fristlosen Entlassung rechnen. Aber wie auch immer die Sache ausgeht: Für den Flughafen BER bedeutet das sehr wahrscheinlich eine weitere Verzögerung, die sich nahtlos in eine Reihe von Fehlplanungen, Missgeschicken und Fehlern einfügt. Viele davon haben mittelbar oder unmittelbar mit der Entrauchungsanlage zu tun, die intern nur noch „das Monster“ genannt wird.

Experten glauben, dass Flughafenchef Hartmut Mehdorn mit seinen Bemühungen, den halbfertigen Flughafen zu Ende zu bauen, bei Null anfangen müsse, falls sich der Verdacht erhärte. Schon jetzt bedeuten die massiven Verzögerungen aufgrund von Technikproblemen, Fehlplanungen und Baumängeln extreme finanzielle Verluste – der Flughafen hätte eigentlich seit mehr als zwei Jahren in Betrieb sein müssen.

Flughafenchef Hartmut Mehdorn sieht dagegen keine Gefahr für den Zeitplan: Das Inbetriebnahmeprojekt stehe und falle nicht mit einem einzigen Mitarbeiter, erklärte er. Trotz der Ermittlungen will Mehdorn an Großmanns Plänen für einen Umbau der Entrauchungsanlage festhalten: „Wir werden auch in neuer personeller Besetzung den beschrittenen Weg weitergehen“, betonte er. Die Aufgaben des beurlaubten Technikchefs übernimmt vorübergehend Oberbauleiter Frank Röbbelen.

Gefeuerter Planer der Entrauchungsanlage bietet Hilfe an 

Dem Flughafen helfen will jetzt ausgerechnet Alfredo Di Mauro. Der hatte die Entrauchungsanlage ursprünglich geplant und war vor wenigen Wochen gefeuert worden – von Jochen Großmann, der seine Pläne für fehlerhaft hielt und sie dem Reißwolf überantwortete. Ob der Flughafen die dargereichte Hand nehmen will, behält das Unternehmen noch für sich: Ein Sprecher wollte diese Angebot bisher nicht kommentieren. Di Mauro gibt sich aber optimistisch: "Ich werde die Anlage, die ich kenne, in Betrieb bringen", sagte er dem Rundfunk Berlin-Brandenburg. 

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Von Judith Bexten
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