03.09.2014, 13:55 Uhr | 0 |

Menüs online bestellen Gemeinsames Projekt Air Food One: Lufthansa kocht, Post liefert

Die Deutsche Post will gemeinsam mit der Lufthansa in das Online-Geschäft mit Fertigessen einsteigen. Der Postableger und Berliner Online-Lebensmittel-Händler Allyouneed startet mit der Lufthansa-Tochter LSG in Düsseldorf heute den Lieferservice „Air Food One“

Lufthansa-Köche
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Lufthansa-Köche: Ihre Kreationen können Kölner und Düsseldorfer sich in den nächsten Wochen im Rahmen eines Pilotprojekts nach Hause liefern lassen. 

Foto: LSG

Da wird Harrison Ford schmunzeln: „Air Food One“ heißt in ironischer Anspielung an den Hollywood-Reißer „Air Force One“ ein neuer Lieferdienst für Essen vom Post-Ableger Allyouneed und der Lufthansa-Service-Gesellschaft (LSG). Im Film von Wolfgang Peterson aus dem Jahre 1997 kämpfte Harrison Ford als US-Präsident in seiner Boeing 747 gegen Terroristen, die das Regierungsflugzeug kaperten. An Essen war da wohl kaum zu denken. „Air Food One“ mag es kulinarischer: Heute am Starttag der Testphase gibt es Rinderfilet mit Karamel-Zwiebel-Sauce für 9,99 Euro und für Vegetarier die eher biederen Tortellini mit Tomatensauce für einen Euro weniger. „Ihre Menüs fliegen in gekühlten Behältern bei Ihnen ein, sodass Sie die Mahlzeiten nach Erwärmung frisch genießen können“, so die Werbung.

Pilotprojekt in Köln und Düsseldorf

„Air Food One“ ist ein Pilotprojekt im Testraum Köln und Düsseldorf. Gekocht wird bei der LSG in Düsseldorf, dort wo auch die Bordmahlzeiten für die Langstreckenflüge der Lufthansa zubereitet werden. Im Testraum verfügt der Post-Ableger DHL über ein recht dichtes Verteilernetz. Die Menüs werden konventionell mit dem Transporter zum Kunden gebracht, landende DHL-Flugzeuge im Vorgarten sind somit nicht zu befürchten.

Per Kreditkarte bezahlen

Die neue Convenience-Idee funktioniert so: Bis Sonntagabend müssen hungrige Kunden ihren Menüwunsch, also aktuell das Rinderfilet oder die Tortellini angeben. Dabei können sie zwischen zwei Zeitfenstern wählen: 18 bis 20 Uhr oder 20 bis 22 Uhr. Das per Kreditkarte bezahlte Menü kommt dann per Post in gekühlten Behältern ins Haus. Es ist – da frisch gekocht – nur 24 Stunden haltbar.

Ein DHL-Paketzusteller der Deutschen Post liefert am 26.05.2014 in Königswinter (Nordrhein-Westfalen) ein Paket an einen Paketkasten vor einem Haus aus. Die Hauptversammlung der Deutschen Post für das Geschäftsjahr 2013 findet am 27. Mai 2014 in Frankfurt/Main statt. Foto: Oliver Berg/dpa +++(c) dpa - Bildfunk+++
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DHL-Paketzusteller: In Köln und Düsseldorf bringen Mitarbeiter der Posttochter in den nächsten Wochen im Rahmen eines Pilotprojekts auch online bestellte Menüs     an die Haustür.

Foto: dpa/Oliver Berg

Acht Wochen lang testen die beiden Beförderungsprofis nun die Lieferung von Fertiggerichten. Zunächst allerdings auf Sparflamme: „Wir starten im Rheinland und es gibt anfangs auch nur eine Lieferung in der Woche“, erklärte ein Postsprecher, „aber wenn das Vorhaben gut läuft, ist ein breiterer Start im nächsten Jahr denkbar.“

Berufstätige und Senioren im Fokus

Zielgruppe des neuen Lieferservices sind zum einen Berufstätige, die keine Zeit zum Kochen haben und sich deshalb gerne ein frisches Essen nach Hause bestellen, aber andererseits auch Senioren, die die Lust auf das Kochen schon lange verloren haben. „Wir machen viele solche Projekte und testen die Wünsche unserer Kunden auf Machbarkeit“, erklärt Allyouneed-Sprecher Max Thinius.

Ein „Vor-vor-vor-Pilotprojekt“

Der Allyouneed-Sprecher betont, dass es sich bei dem neuen Lieferservice um ein „Vor-vor-vor-Pilotprojekt“ handelt. Fakt ist: Der Onlinehandel mit Lebensmitteln steckt noch in den Kinderschuhen, bietet aber enormes Potential. Der Anteil gelieferter Lebensmittel am gesamten E-Commerce-Geschäft lag beispielsweise 2012 gerade einmal bei 0,3 Prozent. Eine Studie der Unternehmensberatung Ernst & Young prognostiziert, dass bis 2020 Lebensmittel im Wert von 20 Milliarden Euro im Jahr online gekauft werden. Das entspricht einem Marktanteil von zehn Prozent.

Ein Markt mit Zukunft also. Allyouneed, seit 2011 am Markt, ist ein Online-Supermarkt mit mehr als 20.000 Produkten im Sortiment – vom Haarshampoo über den Babybrei bis zu frischem Obst und Gemüse. „Mit unserer Tochter Allyouneed.com bieten wir online inzwischen ein Sortiment an, das dreimal so groß ist wie das eines normalen Supermarktes. Ein besonderer Fokus liegt auf Marken- und Bioprodukten sowie auf regionalen Unternehmen“, sagt DHL-Sprecherin Dunja Kuhlmann.

Turbo-Lieferung in 50 Städten in zwölf Regionen

Das Berliner Start-up ist durch die Vernetzung mit DHL in der Lage, schnell auf Bestellungen zu reagieren. Wer bis 20 Uhr bestellt, erhält seine Waren am nächsten Tag vom Kurier geliefert. In vielen Ballungsgebieten gibt es den Turbo-Lieferservice namens Same-Day ohne Aufpreis. „Insgesamt bieten wir die Same-Day-Lieferung sowie die Abendzustellung in über 50 Städten in zwölf Regionen an“, so Kuhlmann. Das sind Hamburg, Bremen, Hannover, Köln und Umgebung, das Ruhrgebiet, Düsseldorf, Bonn, Frankfurt, Stuttgart, Nürnberg, München und natürlich die Hauptstadt Berlin.

Ein Lieferwagen von Rewe Online fährt am 04.07.2013 auf einer Straße in Köln (Nordrhein-Westfalen. Die Rewe Group bietet einen Lieferservice für Lebensmittel an. Bestellt wird vorher auf www.rewe-online.de. Foto: Rolf Vennenbernd/dpa (zu dpa-KORR: "Der Supermarkt macht Hausbesuch" vom 11.07.2013) +++(c) dpa - Bildfunk+++
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Auch die Rewe Group bietet einen Lieferservice für Lebensmittel an. Bestellt wird vorher online.

Foto: dpa/Rolf Vennenbernd

Bis Ende 2014 soll der Service noch weiter ausgebaut werden und weitere Regionen hinzukommen. „Dieser Service ist für Händler aller Branchen zugänglich und wird zunehmend stärker genutzt“, weiß Kuhlmann. Gemeint sind Lebensmittelversender wie Mytime.de, Rewe online, aber auch Online-Apotheken wie Aponeo oder Medplex. Nun also auch noch Air Food One. „Wir testen das Erlebnis für die Kunden, die Erfahrung für die Zusteller, die Erkenntnisse für die Logistik“, sagt Allyouneed-Sprecher Max Thinius. „Dann sehen wir weiter.“

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Von Detlef Stoller
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