30.04.2015, 11:39 Uhr | 0 |

PROBLEME BEI AMERICAN AIRLINES Flugzeuge konnten wegen iPad-Ausfall nicht starten

Statt eines schweren Koffers voller Karten, Wetter-, Passagier- und Crewdaten nehmen Piloten heutzutage oft nur einen Tablet-Computer mit ins Cockpit, der all das enthält. Bei American Airlines mussten aber nun Maschinen am Boden bleiben, weil die Geräte versagten.

Bei American Airlines mussten in den letzten Tagen Maschinen am Boden bleiben.
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Bei American Airlines mussten in den letzten Tagen Maschinen am Boden bleiben, weil die „Electronic Flight Bags“ der Piloten den Dienst verweigerten. 

Foto: Larry W. Smith/dpa

Mehrere Dutzend Flugzeuge von American Airlines konnten in den vergangenen Tagen nicht oder nur mit Verspätung starten, weil die „Electronic Flight Bags“ (EFB) der Piloten den Dienst verweigerten. Zahlreiche notwendige Daten standen damit nicht zur Verfügung: Karten zur Flugroute, Informationen über das Wetter, Daten zum Flugzeug, Berechnungssoftware für Flugparameter etwa zum Treibstoffverbrauch, auch Daten über die Passagiere und die Crew – all das ist in dem elektronischen Pilotenkoffer enthalten. Er ersetzt bei der US-Fluglinie seit zwei Jahren den mit viel Papier gefüllten Koffer, der an die 20 Kilo schwer sein konnte.

Schon wegen des hohen Gewichts und der Papierflut im Cockpit verwenden immer mehr Airlines den EFB. Letztlich ist darauf nichts als spezielle Software, die auf handelsüblichen Tablets mit Betriebssystemen jeder Art funktioniert. American Airlines nutzt ein Programm der Firma Jeppesen, die seit dem Jahr 2000 zum Boeing-Konzern gehört. Und bei eben diesem Programm trat offenbar parallel auf einer Reihe von Geräten ein Fehler auf, der einen Start unmöglich machte, weil die Piloten beispielsweise schon die übliche technische Checkliste vor dem Abheben nicht durchgehen konnten.

Kein Zusammenhang mit Flugzeugtyp

American Airlines bestätigte die Probleme, machte aber keine näheren Angaben dazu. Verschweigen konnte die Fluggesellschaft die Ausfälle nicht, weil Fluggäste von den Piloten informiert worden waren und einige von ihnen die Nachricht über soziale Medien teilten.

Entsprechende Berichte gab es von den Flughäfen in Dallas, New York und Chicago. Betroffen scheinen immer Flugzeuge vom Typ Boeing 737 – die technischen Schwierigkeiten haben aber vermutlich nichts mit den Maschinen zu tun.

1,5 Millionen Liter Treibstoff sparen

Während europäische Fluggesellschaften schon seit längerer Zeit die EFBs benutzen, ziehen die US-Konkurrenten erst langsam nach. American Airlines war hier im Jahr 2013 Vorreiter. Das Unternehmen entschied sich für die Nutzung von iPads, insgesamt 8.000 Stück wurden an die Piloten ausgegeben. Vizepräsident David Campbell feierte die Neuerung damals als erheblichen Gewinn für die Umwelt, der auch eine deutliche Kostenersparnis bedeute: „Das Verschwinden des Papierkoffers bedeutet, dass wir mindestens 1,5 Millionen Liter Treibstoff pro Jahr sparen und damit nach aktuellen Preisen auch rund 1,2 Millionen Dollar.“

Ob das aktuelle Problem mit der Software behoben ist oder wo genau der Fehler liegt, teilte American Airlines bislang nicht mit. Auch beim Hersteller Jeppesen gibt es dazu noch keine Informationen.

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Von Werner Grosch
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