08.12.2014, 12:34 Uhr | 0 |

Eskalation am BER Flughafen-Chef Mehdorn wirft Anteilseignern Inquisition vor

Hartmut Mehdorn schaltet auf Angriff: In einem Schreiben an den Bund vergleicht der BER-Geschäftsführer externe Kontrolleure mit der Inquisition. Er fordert Vertrauen vom Aufsichtsrat –ansonsten müsse er sich eine neue Geschäftsleitung suchen. Mehdorn könnte mit dem Angriff seine Ende als Flughafenchef eingeleitet haben.

Noch nicht fertiggestelltes Gebäude auf dem Flughafen Berlin-Brandenburg (BER)
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Noch nicht fertiggestelltes Gebäude auf dem Flughafen Berlin-Brandenburg (BER): Flughafenchef Hartmut Mehdorn macht den Eigentümern schwere Vorwürfe und könnte damit seinen Abgang vorbereiten.

Foto: Ralf Hirschberger/dpa

„Ein Aufsichtsrat muss Vertrauen in seine Geschäftsführung haben. Entweder er traut seiner Geschäftsleitung, oder er sucht sich eine neue. Dazwischen gibt es nichts“, mit diesen deutlichen Worten forderte Flughafenchef Hartmut Mehdorn in einem Interview mit dem Berliner Tagesspiegel mehr Rückhalt von den Miteigentümern – von den Ländern Berlin und Brandenburg sowie vom Bund. Doch damit nicht genug.

Mehdorn vergleicht Kontrolleure mit Inquisition

In einem Brief an das Bundesverkehrsministerium vom 5. Dezember geht Mehdorn noch einen Schritt weiter und wirft den Gesellschaftern nach einem Bericht der Bild am Sonntag wegen der angeordneten Kontrollen durch externe Experten vor, „in unserem Haus eine Inquisition der Jahre 2013 und 2014 durchzuführen“, so Mehdorn. „Das Ganze passt zu der von uns erlebten und beklagten Misstrauenskultur rund um den BER.“ Mehdorn verbietet sich in dem Brief unnötige Belehrungen und wirft dem Verkehrsministerium „völlige Unkenntnis des Unternehmens und seiner angespannten Lage“ vor.

Schon im Februar hatte Mehdorn mangelnde Unterstützung beklagt, jetzt legt er mächtig nach.

Setzt Flughafengesellschaft Mehdorn vor die Tür?

Mit diesen scharfen Worten könnte Mehdorn seinen Abgang als Flughafenchef eingeleitet haben: Nach Informationen des Tagesspiegel neigen die BER-Gesellschafter dazu, die Zusammenarbeit mit dem glück- und erfolglosen Mehdorn zu beenden. Allen voran Brandenburg und der Bund haben keine Geduld mehr. Mehdorns Vertrag laufe 2016 nach drei Jahren aus. Und üblicherweise werde Betroffenen ein Jahr vorher signalisiert, ob eine Verlängerung geplant ist. Das scheint noch nicht der Fall gewesen zu sein.

ARCHIV - Flughafen-Chef Hartmut Mehdorn am 30.06.2014 während seiner Rede auf einer Pressekonferenz am neuen Hauptstadtflughafen BER in Schönefeld (Brandenburg). Foto: Patrick Pleul/dpa
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BER-Chef Hartmut Mehdorn greift die Eigentümer an und wirft ihnen Inquisition vor.

Foto: Patrick Pleul/dpa

Kritik an Mehdorn kommt auch von BER-Architekt Meinhard von Gerkan. „Die Entrauchungsanlage funktioniert, der Flughafen funktioniert. Es braucht nur ein Management, das den Bau entschlossen zu Ende führt und die in den Jahren gewachsenen Strukturen verlässt“, sagt Gerkan in einem Bericht der Frankfurter Rundschau. Dann könne der Flughafen in spätestens zwölf Monaten baulich fertiggestellt werden.

Mehdorns Status quo klingt im Interview mit dem Tagesspiegel optimistischer: „Wir haben die Baustelle technisch im Griff. Die zentralen Probleme sind gelöst. 39 von 40 Gebäuden sind baulich fertig und gehen nach und nach in Betrieb.“ Der Eröffnungstermin stehe und falle mit dem Brandschutz.

Termin für Flughafeneröffnung steht weiter in den Sternen

Ein Datum für die Eröffnung des Flughafens steht immer noch in den Sternen. Mehdorn äußerte im Tagesspiegel Zweifel, dass sich der Aufsichtsrat nach seiner Sitzung am 12. Dezember aus dem Schneckenhaus traut. „Ich habe Sorge, dass es Ängstlichkeiten gibt – so nach der Devise: bloß nicht noch einmal eine Verschiebung.“

Doch ein konkreter Termin ist für Mehdorn unerlässlich: „Ohne Termin werden wir keine Flughafeneröffnung hinkriegen, denn sonst schaffen wir nicht den Anreiz und klaren Rahmen für Bau, Planung und behördliche Abnahme.“

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Von Patrick Schroeder
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