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31.03.2014, 11:24 Uhr | 0 |

Fußball-WM 2014 in Brasilien Engpässe an brasilianischen Flughäfen während der Weltmeisterschaft

Fußballfans die zur Weltmeisterschaft nach Brasilien reisen, müssen sich auf teilweise chaotische Zustände an den Flughäfen einstellen. Denn der Ausbau der Flughafen-Kapazitäten wird an einigen Orten nicht pünktlich zur WM fertig. Das Problem ist seit Jahren bekannt, was aber nichts an den massiven Bauverzögerungen ändert. Jetzt warnen auch die südamerikanischen Airlines vor einer Überlastung.

Architektenentwurf für Terminal 3 am Flughafen in Saõ Paulo
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Seit anderthalb Jahren wird am Flughafen in Saõ Paulo am Terminal am Terminal 3 (re.) gebaut. Er soll eine Jahreskapazität für zwölf Millionen Passagiere haben, was einer Erhöhung um 38 Prozent entspricht. Ob er zum Beginn der Fußball-WM fertig sein wird, ist unsicher. 

Foto: Biselli Katchborian

Die besorgten Blicke in Richtung Brasilien, das vom 12. Juni bis 13. Juli Gastgeber für die Fußball-Weltmeisterschaft ist, nehmen zu. Der FIFA-Generalsekretär Jerome Valcke sieht auf seiner Inspektionsreise angesichts der Situation der Stadien „einen kritischen Punkt erreicht“. Der Stadienbau sei stark in Verzug und definitiv außerhalb der vereinbarten Fristen.

Die Zeit läuft aber nicht nur beim Bau der Stadien davon, auch beim rechtzeitigen Aus- und Umbau der Flughäfen wird es reichlich eng. Jetzt haben die größten südamerikanischen Fluggesellschaften vor einem Chaos im Flugverkehr während der Fußball-Weltmeisterschaft gewarnt. Verständlich, denn wenn es zu Verspätungen kommt, wird der Passagier zuerst die Schuld bei der Airline suchen, auch wenn diese die Probleme nicht verursacht hat.

Es muss improvisiert werden

Im schlimmsten Fall, befürchten die Airlines, würden die Maschinen wegen fehlender Kapazitäten keine Landeerlaubnis bekommen und Stunden damit verbringen, im Kreis zu fliegen oder sie müssten gar in eine Hunderte Kilometer entfernt liegende Stadt ausweichen. Das Fußballspiel wäre dann vorbei, wenn die Passagiere das Stadion erreicht hätten.

Improvisiert werden muss auf alle Fälle. So ist der neue zweite Terminal in Manaus, wo am 14. Juni das Spiel zwischen England und Italien ausgetragen wird , bis jetzt noch nicht fertig. Ins Stadion der Amazonas-Stadt passen 42.000 Menschen. Und alle Fans, die mit dem Flieger kommen, erwarten längere Wartezeiten bei der Abfertigung.

Auch deutsche Fußballbegeisterte müssen sich darauf einstellen, dass ihre Leidensfähigkeit im heißen brasilianischen Fußballsommer getestet werden wird.

Am Flughafen in Fortaleza wird die Abfertigung im Zelt stattfinden

In Fortaleza, im Norden des Landes, finden sechs WM-Spiele statt, darunter auch das zweite Gruppenspiel der deutschen Nationalmannschaft gegen Ghana am 21. Juni. Das Stadion ist zwar fertig, aber fest steht auch, dass die Renovierung des Flughafens bis dahin nicht abgeschlossen sein wird. Für die Dauer des Turniers werden die zusätzlichen Abfertigungen in einem provisorischen Zelt stattfinden.

Saõ Paulo im Januar unter den Top Ten der schlimmsten Flughäfen 

Schwierig wird es ebenfalls am größten Flughafen des Landes in Saõ Paulo. Dort wird seit anderthalb Jahren fieberhaft am Terminal 3 gebaut. Der neue Terminal soll eine Jahreskapazität für zwölf Millionen Passagiere haben, was einer Erhöhung um 38 Prozent entspricht. Bleibt zu hoffen, dass die Fußballfans in den Genuss der neuen Infrastruktur kommen.

Den jetzigen Flughafen in Saõ Paulo hat das amerikanische Wirtschaftsmagazin Wall St. Cheat Sheet erst im Januar 2014 unter die Top Ten der schlimmsten Flughäfen der Welt eingeordnet. Minuspunkte bekam der veraltete Flughafen vor allem für lange Schlangen bei der Einreise, plötzliche Wechsel im Gate, teures Essen und Trinken und große Unpünktlichkeit.

Brasiliens Sportminister warnte schon 2010 vor einem Flughafen-Chaos

Dass die Situation an Brasiliens Flughäfen äußerst problematisch werden könnte, ist schon seit Jahren bekannt. 2010 warnte Brasiliens Sportminister vor einem Flughafen-Chaos und erklärte, dass die Flughäfen das Hauptrisiko für 2014 seien. Ein halbes Jahr später legte das Institut für Angewandte Wirtschaftsforschung (IPEA), das der brasilianischen Regierung angeschlossen ist, eine Studie zum Thema Flughafenausbau vor. Die IPEA hatte sich auf die Daten der staatlichen Flughafenbetreibergesellschaft Infraero gestützt und festgestellt, dass die Erweiterungsbauten an neun von 13 WM-Flughäfen bis zum ersten Anpfiff nicht abgeschlossen würden.

Bauliche Verzögerungen gebe es vor allem an den Terminals in Manaus, Fortaleza, Brasília, Guarulhos in São Paulo, Salvador, Campinas und Cuiabá. Die kritische Situation wird generell dadurch verschärft, dass 14 der 20 größten nationalen Flughäfen in Brasilien auch ohne den zusätzlichen Ansturm von Fußball-Fans ihre Kapazitäten überschritten haben. Einerseits hat der brasilianische Wirtschaftsboom der vergangenen Jahre das Passagieraufkommen in die Höhe getrieben, andererseits wurde der Ausbau der Infrastruktur von staatlicher Seite vernachlässigt. 

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Von Gudrun von Schoenebeck
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