25.08.2017, 14:11 Uhr | 0 |

Textalyzer für die Polizei Dieses Gerät weiß genau, wer am Steuer SMS schreibt

Autofahrer, die während der Fahrt am Smartphone herumspielen und gar Textnachrichten tippen, kommen in New York nicht mehr ungeschoren davon. Die Polizei kann künftig feststellen, ob ein Autofahrer Textnachrichten geschrieben hat. Vor allem bei Unfällen ist das ein großer Fortschritt, um die Schuldfrage zu klären.

Jugendlicher schreibt Textnachricht am Steuer
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Am Steuer getippte Textnachrichten fordern in den USA so viele Opfer, dass die Polizei jetzt Geräten erhält, mit denen sie im Fall eines Unfalls nachweisen kann, ob der Fahrer mit dem Smartphone beschäftigt war.

Foto: National Highway Traffic Safety Administration

Im Bundesstaat New York sind binnen vier Jahren 1,2 Millionen Strafbescheide wegen des Gebrauchs von Mobiltelefonen durch Autofahrer am Steuer ergangen. Von 2011 bis 2015 kamen zwölf Menschen bei Unfällen ums Leben, bei denen der Verursacher mit seinem Smartphone beschäftigt war. 2.784 Menschen wurden dabei verletzt.

Deshalb hat Gouverneur Andrew M. Cuomo jetzt entschieden, die Polizei des Bundesstaates mit einer Technik aus Israel auszurüsten, mit der die Polizei bei der Unfallaufnahme feststellen kann, ob und wie ein Smartphone oder Tablet kurz vor dem Unfall benutzt wurde.

Entwickelt hat das Gerät mit dem Namen Textalyzer das israelische Unternehmen Cellebrite Mobile Synchronisation in Petah Tikva. Zunächst werden die Polizeifahrzeuge im Bundesstaat New York mit dem Textalyzer ausgestattet, weitere Bundesstaaten wollen folgen. Möglichweise kommen diese Geräte auch in Europa zum Einsatz, denn das Unternehmen verfügt inzwischen auch über eine Tochtergesellschaft in Paderborn.

Steckverbindung zwischen Textalyzer und Mobiltelefon

Und wie funktioniert der Textalyzer? Die Polizisten verbinden das Mobiltelefon des Autofahrers über ein Kabel mit dem Textalyzer, der nach kurzer Analyse anzeigt, ob und wann das Gerät auf welche Weise genutzt wurde.

Gegen die Einführung des Gerätes gibt es allerdings auch starke Widerstände – aus Datenschutzgründen. Die Gegner des Textalyzers befürchten, dass das Gerät tiefen Einblick in den Datenbestand des Mobiltelefons hat und nicht nur die zeitliche Nutzung überprüft. Deshalb hat Gouverneur Cuomo das staatliche Traffic Safety Committee beauftragt, das Gerät noch einmal auf Datenschutzaspekte zu überprüfen. Dabei soll insbesondere sichergestellt werden, dass keine Passwörter, Bilder oder andere sensiblen Informationen übertragen werden können.

Entschlüsselte Cellebrite das Terror-iPhone in den USA?

Das Misstrauen rührt auch daher, dass Cellebrite im Verdacht steht, das Unternehmen gewesen zu sein, das 2016 dem amerikanischen FBI angeboten hatte, die Daten eines iPhones zu hacken, das einem islamistischen Terroristen gehörte. Monatelang versuchte das FBI vergebens, das iPhone 5 zu entschlüsseln, Apple weigerte sich, den Behörden zu helfen.

Ob Cellebrite das Gerät wirklich gehackt hat oder ob das doch dem FBI gelang, ist bis heute nicht geklärt. In der Zwischenzeit nährt dies die Befürchtung, dass die Cellebrite-Geräte weit mehr können, als nur den Einsatzzeitpunkt eines Smartphones während einer Autofahrt zu bestimmen.

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Von Peter Odrich & Axel Mörer-Funk
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