19.07.2016, 13:27 Uhr | 0 |

Faun Trackway Dieser Truck hat seine Straße dabei: ausrollen und drüberfahren

Faun? Ja, das sind die Müllautos, die durch die Straßen rollen. Doch Faun kann auch Straßen legen, wenn nach Überflutungen oder Erdbeben kein Durchkommen mehr ist. Faun Trackway kann das und ist bei Katastropheneinsätzen der UN und 30 Armeen weltweit gefragt. Nur 10 min brauchen die Ingenieure für 50 m Straße.

Gerade erst hat die Armee des kleinen Singapur bei Faun einen mobilen Straßenleger bestellt. Einen was? Ingenieur.de wollte deshalb wissen, was denn diese eigenartigen Lkw mit aufgerollten Aluminiumelementen können.

Die eigene Fahrbahn im Gepäck

Wer ins Feld zieht oder bei einem Katastropheneinsatz hilft, kann muss davon ausgehen, dass ganze Straßenabschnitte unpassierbar sind. Nach einem Erdbeben, Erdrutschen und Überschwemmungen sind viele Straßen mindestens kaputt oder gleich gar nicht mehr vorhanden. Gerade dann müssen aber die Hilfskonvois voran kommen.

Nach der Taifun-Katastrophe auf den Philippinen im Jahr 2013 half das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt den Konvois mit Satellitenaufnahmen, um Straßen zu entdecken, die nicht zerstört sind. Ein riesen Aufwand. Zudem müssen die Hilfstruppen riesige Umwege in Kauf nehmen. Wohl dem Konvoi, der in einer solchen Situation seine eigene Straße dabei hat.

Genau das bietet Faun Trackway, die britische Tochter des deutschen Entsorgungsfahrzeugherstellers Faun, an.

An ihrem walisischen Standort Llangefni produziert das zur Kirchhoff Gruppe gehörende Unternehmen seit vier Jahrzehnten Trucks für den militärischen und den zivilen Einsatz, die ihre Fahrbahn quasi Huckepack mitnehmen. Die mobile Straße wird einfach ausgerollt – und wieder aufgerollt.

Traglast der Fahrbahn von bis zu 70 t

Damit sind diese Trackway-Trucks unverzichtbare Helfer für Konvois, die sich außerhalb befestigter Straßen bewegen. Ist ein Streckenabschnitt zu matschig, zu sehr von Schlaglöchern oder Rissen durchzogen, zu sandig oder zu vereist, kann einfach die portable Straße ausgerollt werden. Hat es das letzte Fahrzeug des Konvois über die kritische Stelle geschafft, wird die Fahrbahn einfach wieder eingerollt, aufgeladen – und weiter geht’s.

Die Straßen zum Mitnehmen bestehen aus aneinandergereihten Aluminiumprofillatten, die relativ leicht, aber sehr stabil sind. In der mittleren Größe, dem sogenannten Heavy Ground Mobility System (HGMS), ist die Fahrbahn 50 m lang und trägt Fahrzeuge mit einem Gesamtgewicht von bis zu 70 t. In der Ausgabe „Medium“ (MGMS) sind es 32 m Straße, die bis zu 30 t verkraften kann. Muss es doch etwas mehr sein, kann ein Anhänger mit einer zusätzlichen „Straße“ von weiteren 50 m Länge mitgeführt werden, die bei Bedarf ganz einfach angeclippt wird.

In maximal zehn Minuten liegt die Fahrbahn bereit

Je nach Größe dauert es für zwei erfahrene Leute gerade einmal sechs bis zehn Minuten, bis der Behelfsuntergrund aus Aluminium-Paneelen liegt. Dabei rollen sie die Bahn natürlich nicht per Hand aus, sondern werden von dem speziellen Rollensystems des Trackway-Lastwagens unterstützt.

30 Armeen weltweit sowie die Vereinigten Nationen nutzen das Konzept schon. Je nach Verwendungszweck gibt es natürlich Modifikationen: Die Ingenieure des Unternehmens, so heißt es bei Faun, würden stetig arbeiteten an neuen Erfindungen und Verbesserungen, indem sie sich eng mit den Forschungsabteilungen der jeweiligen Armee austauschen.

Plattformen und mobile Untergründe für jeden Bedarf

Außer den portablen Straßen gibt es Helikopter-Landematten, Flickstücke für beschädigte Jet-Landebahnen und nicht zuletzt leicht verlegbare Hilfen, um festgefahrene Fahrzeuge vom Matsch, Sand, Eis oder was auch immer wieder zurück auf sicheres Terrain zu bugsieren. Was es nicht alles gibt.

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Von Judith Bexten
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