02.01.2017, 11:10 Uhr | 0 |

Drohnen im Team Dieser Hubschrauber ohne Pilot löscht Großbrände

Ist das die Zukunft zur Bekämpfung großer Waldbrände? Kleine Drohnen spüren Glutnester auf, Hubschrauber-Drohnen schaffen Wasser heran und eine Groß-Drohne behält den Überblick. Der amerikanische Hubschrauberhersteller Sikorsky hat vier autonome Drohnen gemeinsam ein Feuer löschen lassen. Ob das Wasser wirklich das Feuer getroffen hat, lesen Sie hier.

Sikorsky-Drohne in Form eines Hubschraubers
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Das ist eine Drohne in Form eines Hubschraubers, der ein Feuer löscht. Künftig könnte verschiedene Drohnentypen koordiniert zur Feuerbekämpfung eingesetzt werden.

Foto: Lockheed Martin

Dass Flugzeuge mit einem Autopiloten selbstständig fliegen können, ist nun lange keine Sensation mehr. Und Drohnen, die sich ihr Ziel selbst suchen, gehören inzwischen zum Alltag moderner Kriegsführung. Der Hubschrauber-Hersteller Sikorsky hat 2014 sogar einen Kampfhubschrauber Black Hawk mit autonomer Flugtechnik ausgestattet, der dann erfolgreich seinen Erstflug absolvierte.

Autonom fliegende Drohnen, die jedoch im Team agieren, um beispielsweise ein Feuer zu löschen oder in Seenot geratene Matrosen und Soldaten zu retten, ist allerdings eine enorme technische Herausforderung. Und diese ist der Hubschrauberhersteller Sikorsky angegangen, der seit 2015 eine Tochter des Rüstungskonzerns Lockheed Martin ist.

Im November ließ Sikorsky Feuer legen auf der Drohnentestbasis am Griffiss International Airport im Bundesstaat New York. Und dieses Feuer sollten vier verschiedene, autonom fliegende Fluggeräte löschen. Das ging aber nur, wenn sie optimal zusammen arbeiten. Eingesetzt wurden der Sikorksky Hubschrauber S76 SARA, ein Hubschrauber des Typs Kaman K-Max, der auch schon in Afghanistan eingesetzt wurde, ein kleiner Lockheed Indigo-Quadcopter und eine kleine Drohne vom Typ Desert Hawk 3.1.

Vier Drohnen arbeiteten im Team

Der Indigo-Quadcopter, ein nur 2,26 kg schweres Gerät, suchte den Wald des Testgeländes nach Feuer und Glutnestern ab. Als er diese fand, meldete er sie an die Einsatzzentrale, den automatisierten Hubschrauber SARA. Dieser wies nun den Kaman-Hubschrauber an, Wasser aus einem Teich aufzunehmen und die Flammen damit zu löschen.

Zugleich wurde die kleine, aus der Hand gestartete Drohne Desert  Hawk angewiesen, einen Vermissten im Zielgebiet zu suchen. Dazu nutzte die Drohne Infrarotsensoren sowie optoelektronische Sensoren. Überwacht und gesteuert wurde all das aus der Luft von dem ohne Pilot fliegenden SARA-Hubschrauber. Im Zuge dieser Aktion wies SARA automatisiert den Kaman-Hubschrauber an, eine geeignete Landestelle für SARA zu suchen, um die verletzte Person aufzunehmen.

Drohnen übernehmen gefährliche Einsätze

Eine Woche lang wurde das Testszenario durchgespielt, bis das Zusammenspiel so optimiert war, dass die Maschinen reibungslos zusammen arbeiten konnten. „Unser Ziel ist es, durch den Verbund autonom fliegender Systeme die Möglichkeiten und die Sicherheit militärischer und kommerzieller Missionen zu erhöhen“, sagte Mark Miller, Vice President für Engineering and Technology bei Sikorsky. Solche Systeme seien ideal, um besonders gefährliche Einsätze durchzuführen, ohne weitere Menschenleben zu gefährden.

SARA steht für Sikorsky Autonomy Research Aircraft. Dieser Prototyp für besatzungslose Hubschrauber verfügt an Bord über eine aufwändige Software, die die Daten verschiedenster Quellen parallel auswerten und die Ergebnisse weiterverarbeitet. SARA kann daraus Befehle und Handlungsmöglichkeiten entwickeln, die der autonome Hubschrauber weitergeben kann an andere Drohnen und Maschinen, oder die er selbst ausführt.

Für die Suche nach einem Landeplatz, beispielsweise in einem Katastrophengebiet, kann SARA den Kaman-Hubschrauber einsetzen, der über vier Kameras und drei Sensoren verfügt, wie Igor Cherepinsky erläutert,  Sikorskys Programmchef für autonom operierende Hubschrauber.

Hinzu kommt ein Radargerät, dessen Aufgabe es auch ist, die aktuellen Bilder mit früher gespeicherten oder von Dritten übermittelten Bilder abzustimmen. Das kann wichtig sein, wenn sich das aktuelle Bild durch Rauch, Nebel oder Dunkelheit plötzlich verändert.

Für die gleiche Aufgabe wurde zusätzlich auch noch ein Kurzwellen-Infrarotsensor eingesetzt. Cherepinsky erläutert, dass das gesamte System so aufgebaut ist, dass die für den einzelnen Einsatz erforderlichen Sensoren besonders schnell ausgetauscht werden können. Damit soll ein hohes Maß an Flexibilität während der Einsätze gesichert werden.

Hauptziel sind automatisierte Rettungseinsätze

Lockheed Martin sieht für das autonom agierende System Einsatzmöglichkeinen und zivilen und militärischen Bereich. Hubschrauber ohne Piloten bedeuten aber nicht, dass niemand mehr an Bord ist. Wenn es zum Beispiel darum geht, Menschen aus Seenot zu retten oder Verwundete aus Frontgebieten zu bergen, dann kann ein solcher autonom fliegender Hubschrauber mit Rettungspersonal besetzt sein.

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Von Peter Odrich
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