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25.11.2013, 16:26 Uhr | 0 |

Grube fürchtet Bahnchaos Deutsche Bahn: 1400 Brücken müssen saniert werden

Bahnchef Rüdiger Grube warnt vor den Folgen eines gigantischen Sanierungsstaus bei der Deutschen Bahn. Falls nicht deutlich mehr investiert werde, drohten Brückensperrungen mit Bahnchaos, mehr Verspätungen und Fahrpreiserhöhungen.

Gleisarbeiten in der Nähe von Bad Kleinen
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Gleisarbeiten bei Nacht: Auf 30 Milliarden Euro schätzt Bahn-Chef Grube den aktuellen Sanierungsstau der Bahn. 1400 Brücken sind so marode, dass Grube selbst Brückensperrungen nicht mehr ausschließt.

Foto: Jens Büttner/dpa

Die Prognose von Bahnchef Rüdiger Grube für das aktuelle Geschäftsjahr ist düster. Nach einem guten Jahr 2012 werde sich das angestrebte Gewinnziel von 2,6 Milliarden Euro in 2013 nicht halten lassen. Zwar habe sich der Umsatz auf Vorjahresniveau gehalten, aber unterm Strich würden nicht viel mehr als zwei Milliarden Euro herauskommen, sagte Grube in einem Interview mit der WirtschaftsWoche. Schuld seien die Unwetter in diesem Jahr wie Elbehochwasser und die Strüme ebenso wie höhere Personal- und Energiekosten sowie schärfere Regulierungen.

Eisenbahnbrücken sind marode – Investitionen zu gering

Aktuell beklagt Grube einen gigantischen Sanierungsstau, der sich auf die Infrastruktur verheerend auswirken werde, wenn die Investitionen nicht deutlich erhöht werden. Von den 25.000 Eisenbahnbrücken in Deutschland müssten rund 1400 dringend saniert werden, sagte Grube der WirtschaftsWoche. Eine Brücke halte im Schnitt 100 Jahre, fast jede dritte Eisenbahnbrücke sei aber inzwischen älter.

Was es bedeutet, wenn eine Brücke aus Sicherheitsgründen gesperrt werden muss, habe die Bahn an einem Beispiel durchgespielt, sagte Grube. Falls eine wichtige Brücke im Frankfurter Hauptbahnhof gesperrt würde, wäre das gesamte Netz in Deutschland betroffen, weil Züge aus Hamburg, Berlin und Dresden umgeleitet werden müssten. „Wir würden auf einen Schlag pro Tag 33.000 Verspätungsminuten ansammeln. Das wären rund 130 Prozent mehr als an einem durchschnittlichen Tag“, so Grube. Mit der derzeitigen Finanzausstattung könne die Bahn pro Jahr nur 125 Brücken sanieren. Von ersten Sperrungen, droht der Bahnchef, „sind wir nicht mehr weit entfernt“.

Ein Drittel der Stellwerke stammen noch aus der Kaiserzeit

Nicht nur für die Brücken, auch für die Stellwerke sieht Grube Sanierungsbedarf. „Allein ein Drittel unserer 3397 Stellwerke stammt noch aus Kaiserzeiten. Das Durchschnittsalter liegt bei 47 Jahren.“ Insgesamt habe sich bei der Deutschen Bahn ein Investitionsstau von 30 Milliarden Euro angesammelt. Zwar würden Bund und Bahn jedes Jahr drei Milliarden Euro in das Netz investieren, doch um die heutige Qualität zu sichern, seien mehr als vier Milliarden Euro pro Jahr nötig. Falls nichts geschehe, werde die Qualität der Bahn deutlich nachlassen: Die Unpünktlichkeit der Züge werde steigen oder Strecken müssten gesperrt werden.

Höhere Fahrpreise stehen im Übrigen ebenfalls auf der Agenda von Grube, denn die Energiewende koste die Bahn jährlich schon jetzt fast 100 Millionen Euro. Wenn für die Eisenbahn in Deutschland ein hoher dreistelliger Millionenbetrag dazukäme, wie manche forderten, würde sich das „sofort in deutlich höheren Ticketpreisen niederschlagen“, sagte Grube. Regulär steigen die Preise im Dezember bereits um 2,7 Prozent im Nahverkehr und 1,3 Prozent im Fernverkehr.

Kritik an Siemens und Bombardier: Bestellte Züge kommen einfach nicht

Ärger hat Grube zudem mit Fernverkehrszügen, deren Lieferung sich deutlich verspätet hat. Für Ende des Jahres hatte die Bahn 27 Doppelstockzüge von Bombardier bestellt, die jetzt wahrscheinlich erst Mitte oder Ende 2015 geliefert werden. Seit 2011 wartet die Bahn außerdem auf 17 ICEs von Siemens, die bisher noch keine Zulassung für den Passagiertransport erhalten haben. Eine große Mitschuld an den Verzögerungen habe das Eisenbahnbundesamt, reklamiert Grube.

„Entwicklung und Bau eines Zuges dauern rund fünf Jahre, zwei Jahre davon benötigt allein die Zulassung“, kritisiert Grube in der Wirtschaftswoche. „In Deutschland stehen zurzeit fertig produzierte Züge mit einem Wert von rund einer Milliarde Euro in den Produktionshallen und warten auf das Okay der Behörde.“

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Von Gudrun von Schoenebeck
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