20.06.2014, 14:58 Uhr | 0 |

Ziel ist der Smart Port Der Hamburger Hafen hat eine neue Nautische Zentrale

Der Hamburger Hafen hat eine neue Nautische Zentrale. Nach zwei Jahren Umbau ist damit eine der modernsten Verkehrszentralen der Welt entstanden. Wo früher auf Magnettafeln von Hand die Schiffsbewegungen nachverfolgt wurde, steht fünf Nautikern nun rund um die Uhr eine riesige Videowand zur Verfügung. Das sorgt für mehr Sicherheit. Denn jetzt entgeht ihnen nicht mehr die kleinste Jolle.

Containerschiffe im Hamburger Hafen
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Containerschiffe im Hamburger Hafen: In Echtzeit können die Mitarbeiter der neuen Nautischen Zentrale künftig jede Schiffsbewegung verfolgen. 150 Videokameras und 13 Radarstationen liefern rund um die Uhr Informationen. 

Foto: dpa/Maurizio Gambarini

Gestern wurde die neue Nautische Zentrale am Bubendey-Ufer offiziell eingeweiht. Der Standort ist derselbe, ein Gebäude aus den 1970er-Jahren. Aber hinter den unscheinbaren Mauern ist jetzt alles anders. Alles ist modern und vollgestopft mit Technik. „Wir haben jetzt eine der modernsten Hafen-Leitstellen Europas, wenn nicht sogar weltweit“, sagte Jens Meier, Chef der Hamburger Hafenbehörde (HPA) stolz.

Die Nautische Zentrale ist so etwas wie der Tower auf einem Flughafen. Im Hafen sind es Nautiker, die über die Routen wachen. Und oft schaut es eng aus, wenn im Hamburger Hafen Riesenpötte von über 300 Metern Länge aneinander vorbei schippern. Es sind 30.000 Schiffsbewegungen, die dort im Laufe eines Jahres zusammen kommen. Es ist daher kaum zu glauben, dass die Mitarbeiter in der Nautischen Zentrale bis vor kurzem einzig mit einer handbetriebenen Magnettafel all die Schiffsbewegungen kontrollierten.

„Da dachte ich, da muss sich mal etwas tun“

Jens Meier, der Chef der Hamburger Hafenbehörde (HPA) erzählt von seinem Erstaunen, als er dieses anachronistische Logistikkonzept vor rund sechs Jahren bei seinem Amtsantritt zum ersten Mal sah: „Da dachte ich, da muss sich mal etwas tun.“

Die neue Nautische Zentrale im Hamburger Hafen kommt auf den ersten Blick unspektakulär daher, zählt aber zu den modernsten der Welt. Hier laufen die Bilder von 150 Videokameras zusammen. Zudem liefern 13 Radarstationen im Hafengebiet Informationen. 

6,5 Millionen Euro hat der Umbau gekostet. Kernstück der neuen Schaltzentrale für den Hamburger Hafen ist eine riesige Videoleinwand, auf der alle, wirklich alle Schiffsbewegungen in Echtzeit abzulesen sind. "Die Nautische Zentrale ist eines der zentralen Elemente auf unserem Weg, die Vision vom "Smart Port" Realität werden zu lassen", so Meier. Die alte Magnetwand steht inzwischen im Hafenmuseum.

Wegweisende Energietechnik mit Eisspeicher

Auch energetisch ist die zentrale modernisiert worden. Ein Eisspeicher mit Wärmepumpe sorgt auf dem Seemannshöft für effiziente Abwärmenutzung. Unterirdische Wasserleitungen nehmen die überschüssige Wärmeenergie auf, durch die relativ konstante Umgebungstemperatur der Erde kann sie dort knapp über dem Gefrierpunkt gespeichert und mit Beginn der Heizperiode wieder dem Heizsystem zugeführt werden. Wird dem Eisspeicher auf diese Weise Wärmeenergie entzogen, gefriert die Flüssigkeit in den Wasserleitungen. Dabei wird Kristallisationsenergie frei, die zur Kühlung der Technik in der Nautischen Zentrale verwendet wird.

13 Radarstationen im Hafengebiet liefern Informationen

Es hat zwei Jahre gedauert, die neue Nautische Zentrale zu bauen, am 1. Juli wird die Hightech-Zentrale ihren Regelbetrieb aufnehmen. Rund um die Uhr überwachen schon jetzt jeweils fünf Nautiker das Ein- und Auslaufen der Seeschiffe. 13 Radarstationen im Hafengebiet liefern ihnen wertvolle Informationen. Die den Hafen anlaufenden Schiffe werden ab der Position Elbe in der deutschen Bucht über eine Radarkette entlang der Elbe erfasst und bis zum jeweils zugewiesenen Liegeplatz elektronisch begleitet.

150 Kameras haben den Hafen im Blick

Der Hafen ist zudem videoüberwacht: Es sind inzwischen 150 Kameras, die das Hafengelände rund um die Uhr im Blick haben. Diese immense Videoüberwachung gehört zum Konzept „Smart Port“. Betrieben werden die Kameras von der Polizei und der HPA. Letzere sammelt nicht nur die Bilder. In einem Leitstand, dem Port Monitor, erfasst sie Daten wie die Pegelstände der Elbe, die Positionen der Schiffe und die Baustellen auf dem Wasser.

Und die ändern sich laufend: So fahren einige Schiffe im Liniendienst, andere schauen nur selten vorbei. Da gibt es die Baustellen an den Kaimauern, hier wird eine Fahrrinne ausgebaggert, dort arbeiten Taucher im trüben Hafenwasser. Durch die wechselnden Pegelunterschiede ändert sich ständig die Durchfahrthöhe unter den Brücken. In nicht allzu ferner Zukunft soll der Hamburger Hafen der perfekte Smart Port sein. Ein Hafen, in dem Schwenkbrücken mit Verkehrstafeln sprechen und Baustellen mit Leitzentralen.

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Von Detlef Stoller
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