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29.10.2013, 11:06 Uhr | 0 |

Trotz höherer Kosten Chinesen steigen lieber in schnelle Züge als in Flieger

Der Hochgeschwindigkeitsverkehr auf den chinesischen Bahnstrecken erweist sich als ein immer erfolgreicherer Konkurrent für die Fluggesellschaften im innerchinesischen Verkehr. Für 2014 wird derzeit mit einer Beförderungsleistung von 54 Millionen Bahn-Fahrgästen im Monat gerechnet. Das wäre bereits das Doppelte des Luftverkehrsvolumens innerhalb von China.

Seit dem schweren Unglück in Wenzhou, das im Jahre 2011 in China mehr als 40 Fahrgäste das Leben kostete, hat  sich das Sicherheitsniveau des chinesischen Hochgeschwindigkeitsverkehrs ganz erheblich verbessert. Seit Wenzhou ist kein Fahrgast mehr ums Leben gekommen. Das amerikanische Massachusetts Institute of Technology (MIT) hat eine Unfallquote errechnet, die bezogen auf die 1,8 Milliarden Fahrgäste seitdem in China der Hochgeschwindigkeitsverkehr auf der Schiene im Jahre 2009 in größerem Stil aufgenommen worden ist, dem hohen Sicherheitsstandard des Weltluftverkehrs durchaus ebenbürtig ist.

Vorteile der Bahn für die Reisenden

Zum Erfolg der chinesischen Bahnen im Hochgeschwindigkeitsverkehr haben eine Reihe von Umständen gesorgt, die allesamt nach wie vor gültig sind. Erstens sind die Züge bemerkenswert pünktlich, was sich vom Luftverkehr weit weniger behaupten lässt. Zweitens dürften in den Zügen die Mobiltelefone benutzt werden, was ein ganz großer Anreiz ist. Drittens können aus dem Zug auch Emails versandt oder umgekehrt im Zug empfangen werden. Bei all dem ist zu berücksichtigen, dass die chinesische Bahn den Nachteil hat, dass ihre Tarife über jenen der Fluggesellschaften liegen. Ein Bahn-Ticket auf der Rennstrecke von Beijing nach Shanghai kostet derzeit 553 Renmimbi oder umgerechnet 91 US-Dollar. Die Fluggesellschaften berechnen gegenwärtig  für die gleiche Strecke 390 Renmimbi oder knapp ein Drittel weniger. Trotzdem haben im ersten Halbjahr 2013 die drei größten chinesischen Fluggesellschaften auf ihren innerchinesischen Strecken durch Einbußen an Reisenden, die auf die Züge abwanderten, deutliche finanzielle Verluste ausweisen müssen.

Neue Verkehrsstrukturen zeichnen sich ab

Für die Zukunft haben sich in China allerdings neue Verkehrsstrukturen abzuzeichnen begonnen. Die Bahn scheint früher als erwartet an ihre Grenzen zu stoßen, weil das Verkehrsaufkommen so rasch gewachsen ist. Obwohl auf den Hauptstrecken die Züge in ganz kurzen Zeitabständen verkehren sind die meisten Waggons voll besetzt. Eine weitere Verkehrssteigerung wird infolge der dichten Zugfolge schwieriger.

Hinzu kommt, dass der beträchtliche Strombedarf der schnellen Bahnen in einigen Landesteilen zu Engpässen geführt hat. Da die chinesische Stromversorgung zugleich hauptsächlich auf Kohle basiert, ist letztlich auch die Umweltbelastung durch die schnellen Züge höher als das vielfach zunächst angenommen wurde.

Die Konsequenz dieser Engpässe für die Bahnen und die Abwanderung vieler Passagiere aus dem Flugverkehr führt bei beiden Verkehrsmitteln zu einer inzwischen deutlich wachsenden Kooperationsbereitschaft. Die Bahnen konzentrieren sich immer mehr auf die Rennstrecken des Personenverkehrs. Die Fluggesellschaften bauen dagegen Verbindungen zwischen kleineren „Großstädten“ auf. Das sind Städte, für die einstweilen der Anschluss an das Hochgeschwindigkeitsnetz der Bahn noch viel zu teuer ist. Um den Flugverkehr in diese kleineren Großstädte rentabel zu gestalten, bemühen sich die Luftvekehrsgesellschaften um den Aufbau von so genannten Drehkreuzen, die Umsteigeverbindungen erleichtern. Bahn wie Luftverkehr sind im Übrigen mittlerweile bemüht, die Schienenverkehrsanschlüsse der Flughäfen deutlich zu verbessern. Das bedeutet, dass immer mehr Hochgeschwindigkeitszüge auch Flughäfen anfahren.

China setzt stark auf den Bahn-Export

Zu den Nebeneffekten der Erfolge im chinesischen Hochgeschwindigkeits-Bahnverkehr zählt, dass sich mehr und mehr Länder für chinesische Lieferanten von Bahnstrecken und sonstigen Bahnanlagen interessieren. Ein jüngstes Abkommen der chinesischen mit der thailändischen Regierung sieht vor, dass die Chinesen in Thailand ein Schnellbahnnetz aufbauen, das die Thais allein mit Reis bezahlen.

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Von Peter Odrich
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