09.03.2016, 12:06 Uhr | 0 |

Behörde verweigert Genehmigung Berliner Flughafen wird wohl auch 2017 nicht öffnen können

Die Eröffnung des Berliner Flughafens BER Ende 2017 ist kaum noch zu halten. Grund: Es gibt neue Probleme beim Brandschutz. Das laufende Genehmigungsverfahren für den nötigen Umbau der Brandschutzanlage hängt in der Warteschleife. Der Bauantrag wurde erst vor wenigen Tagen gestellt.

BER: Aktenordner mit Nachträgen zum Bauantrag der Entrauchung
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Aktenordner mit Nachträgen zum Bauantrag der Entrauchung: Sie stehen auf einem Pressetermin am 15. Oktober 2015 im Terminalgebäude des Hauptstadflughafens Berlin Brandenburg Willy Brandt (BER). Die zuständige Behörde will den Antrag so nicht genehmigen und fordert Nachbesserungen. 

Foto: Patrick Pleul/dpa

Zu Erinnerung: Es wäre das fünfte Mal, dass sich die Inbetriebnahme des BER verzögert. Ursprünglich sollte es 2011 losgehen. Vor allem wegen grober Mängel rund um den Brandschutz geriet das ganze Projekt in die Schlagzeilen und aus dem Takt.

Antrag erst Ende Februar eingereicht

Jetzt scheitert die Flughafengesellschaft FBB schon auf dem Papier mit ihren Plänen: Wie der Tagesspiegel berichtet fordert das zuständige Bauordnungsamt des Landkreises Dahme-Spreewald im laufenden Genehmigungsverfahren Nachbesserungen für den nötigen Umbau der Entrauchungsanlage des Hauptterminals. Unglaublich: Den 5. Nachtragsbauantrag für den nötigen Umbau der Entrauchungsanlage hat der Flughafen erst Ende Februar eingereicht. So wie der Antrag vorliegt, kann er aber nicht genehmigt werden.

13 der 188 eingereichten Entrauchungsszenarien, die die Funktionsfähigkeit der Anlage in Brand- und Katastrophenfällen simulieren, entsprechen nicht den Anforderungen. Da muss die Flughafengesellschaft noch mal nachsitzen.

Nachbesserungen gefordert

Dass die Behörde Nachbesserungen von der Flughafengesellschaft fordert, geht aus einem dem Tagesspiegel vorliegenden Schreiben von Technikchef Jörg Marks an Projektbeteiligte hervor. Flughafensprecher Daniel Abbou bestätigte der Nachrichtenagentur dpa, dass es das Schreiben gibt.

ARCHIV - Flughafenchef Karsten Mühlenfeld steht am 15.10.2015 im Terminalgebäude des Hauptstadflughafens Berlin Brandenburg Willy Brandt (BER) in Schönefeld (Brandenburg). Foto: Patrick Pleul/dpa (zu dpa Karsten Mühlenfeld seit einem Jahr Chef der Berliner Flughäfen" vom 09.03.2016) +++(c) dpa - Bildfunk+++
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Auch nicht glücklich: BER-Flughafenchef Karsten Mühlenfeld. Der Antrag für den Umbau der Entrauchungsanlage muss nachgebessert werden, sonst wird er nicht genehmigt. Das kostet mal wieder Zeit und gefährdet den Eröffnungstermin des Flughafens Ende 2017.

Foto: Patrick Pleul/dpa

Danach drohen neue Auflagen der Baubehörde, die zu neuen Verzögerungen führen. Damit wird offenbar der eingebaute Puffer von sechs Monaten, der in den Eröffnungstermin Ende 2017 eingebaut war, mehr als aufgebraucht. „Die FBB prüft diese Hinweise ernsthaft und zuverlässig“, heißt es in dem Schreiben.

ARCHIV  - Vor dem Hauptterminal (l) des neuen Hauptstadtflughafens BER in Schönefeld (Brandenburg) sind Bauarbeiten im Gange, fotografiert am 22.09.2015. Am 28. September findet die Sitzung des Sonderausschusses BER statt. Foto: Ralf Hirschberger/dpa (zu Vorausmeldung lbn vom 27.09.2015) +++(c) dpa - Bildfunk+++
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Vor dem Hauptterminal des unfertigen Hauptstadtflughafens BER gehen im September 2015 die Bauarbeiten weiter, während das Terminal selbst wegen Einsturzgefahr gesperrt ist. Politiker brachten deswegen im vergangenen Jahr sogar entnervt einen Abriss des Neubaus ins Gespräch.

Foto: Ralf Hirschberger/dpa

„Wir werden jetzt im Dialog mit der Bauaufsichtsbehörde zu klären haben, welche dieser Feststellungen zwingend vor der Genehmigung gelöst werden müssen oder aber als Forderungen Teil der Genehmigung sein können“, zitiert der Tagesspiegel aus dem Schreiben und hält eine Verschiebung des BER-Starts auf das Jahr 2018 für unvermeidbar.

Sondersitzung des Aufsichtsrates

Die Situation ist jedenfalls mal wieder brenzlig und wird am Freitag auch den von Berlins Regierenden Bürgermeister Michael Müller (SPD) geführten Aufsichtsrat beschäftigen. Das Gremium trifft sich auf Antrag von Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt (CSU) zu einer Sondersitzung.

ARCHIV - Ein Baustellenschild am Hauptstadtflughafen BER ist am 17.02.2016 in Schönefeld (Brandenburg) hinter einer Warnleuchte zu sehen. Um den Bau des neuen Regierungsterminals am neuen Hauptstadtflughafen BER ist offener Streit zwischen der Flughafengesellschaft und ihrem Miteigentümer, dem Bund, entbrannt. Foto: Ralf Hirschberger/dpa (zu lbn «Konflikt um neues Regierungsterminal spitzt sich zu» vom 24.02.2016) +++(c) dpa - Bildfunk+++
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Er ist und bleibt eine Baustelle: Der Berliner Flughafen BER sollte eigentlich schon 2011 eröffnet werden. Letzter offiziell benannter Termin für die Inbetriebnahme war Ende 2017. Doch aktuell sieht es so aus, als müsste auf 2018 verschoben werden.

Foto: Ralf Hirschberger/dpa

Hintergrund ist ein Konflikt zwischen Dobrindt und Flughafenchef Karsten Mühlenfeld um den geplanten Regierungsflughafen. Laut Tagesspiegel soll auch der Bericht des Bundesrechnungshofs besprochen werden. Die Bonner Behörde hatte in einem neunseitigen Schreiben bereits Anfang Januar vor einer Verschiebung der Flughafeneröffnung ins Jahr 2018 gewarnt. Das Schreiben war am gestrigen Dienstag bekannt geworden. In dem Schreiben heißt es, „dass Grundlage für die derzeit geplante BER-Inbetriebnahme im zweiten Halbjahr 2017 der Abschluss der Abnahme- und Inbetriebnahmeprozesse bis Juni 2017 ist – ausgehend von einer baulichen Fertigstellung im März 2016.“ Das wäre also – jetzt.

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Von Martina Kefer
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