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12.11.2014, 14:25 Uhr | 0 |

Audi Urban Future Award 2014 Autos der Zukunft sollen Daten für besseren Verkehrsfluss sammeln

Der diesjährige Audi Urban Future Award hatte die Frage nach der Zukunft urbaner Mobilität gestellt – ein Team aus Mexiko hat sie in den Augen der Jury am besten beantwortet. Für ihr „Betriebssystem für urbane Mobilität“ nahm es jetzt den mit 100.000 Euro dotierten Preis entgegen. Im Finalisten-Rennen waren noch drei weitere Konzepte. Ein spannender Vorschlag stammt aus Berlin. 

Über die Zukunft urbaner Mobilität haben sich Teams aus aller Welt Gedanken gemacht.
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Über die Zukunft urbaner Mobilität haben sich Teams aus aller Welt Gedanken gemacht. 

Foto: Audi (Screenshot Ingenieur.de)

Was wird die Zukunft bringen? Wie werden die Menschen in Zukunft leben, arbeiten, sich fortbewegen? Wie sieht die Welt in 30, 40 Jahren aus? In einem sind sich viele Zukunftsforscher einig: Große Städte werden in den kommenden Jahren noch größer, so genannte Megacities entstehen. Zwei Drittel aller Menschen werden 2050 in solchen Riesenstädten leben, prophezeien sie. Im Rahmen des dritten „Audi Future Award“, dotiert mit 100.000 Euro, hatte der deutsche Autobauer Audi die Frage gestellt, wie die Zukunft urbaner Mobilität aussieht: „Auto findet Stadt“, hieß das Motto passend zweideutig.

Team aus Mexico City setzte sich durch

Vier Teams aus aller Welt sind dieser Frage mit Vorschlägen, Visionen und Konzepten unterschiedlichster Art nachgegangen. Jetzt steht fest: Die Teilnehmer aus Mexiko City haben diese Frage nach Ansicht der Jury am überzeugendsten beantwortet. Das Team um den Architekt und Städteplaner Jose Castillo hat ein „Betriebssystem für urbane Mobilität“ entwickelt – eine Datenplattform, mit der die Verkehrssituation in bereits jetzt überlasteten Städten entschärft werden soll, indem die Städte ihre Verkehrsplanung bedarfsgerecht steuern und Autofahrer ihr Verhalten der Situation entsprechend anpassen können. Das kann von der Wahl einer anderen Strecke bis zum Umsteigen auf ein anderes Verkehrsmittel oder der Fahrt zu einer anderen Tageszeit reichen.

Eine erste Version des Siegerkonzepts existiert bereits

Gesammelt und bereitgestellt werden sollen die Daten von den Autos selbst, die tagtäglich auf den Straßen unterwegs sind. So könne „das Automobil genau die Probleme lösen, die es selbst verursacht hat“, erläutert Castillo. Eine erste Version der Datenplattform ist bereits online: Pendler können in Mexico City über eine App ihre Bewegungsdaten mit anderen Nutzern teilen.

Mit der Zeit entsteht dadurch eine verlässliche Basis für Stadt- und Verkehrsplanung – bitter nötig in einer Stadt, die jetzt schon ganz oben in der Liste der „schlimmsten Pendler-Städte der Welt“ steht. Das Team setzt auf die Zusammenarbeit mit Unternehmen, Mobilitätsanbietern und städtischen Institutionen. Zu den Firmen, die bereits im Boot sind, gehört auch Audi.

Innovationskraft, Umsetzungsfähigkeit, Nachhaltigkeit und Übertragbarkeit

Für den Entwurf der Mexikaner hatte sich die Jury entschieden, „weil das Projekt bereits in die Umsetzung geht und konkrete und vor allem auch bezahlbare Lösungen für die drängenden Mobilitätsprobleme in den Megacities der Schwellenländer liefert“, wie Prof. John Urry, Direktor des Zentrums für Mobilitätsforschung an der Lancaster University und Leiter der neunköpfigen interdisziplinären Jury erklärte.

Die Experten aus China, Deutschland, Großbritannien, Kolumbien und den USA hatten die Konzepte nach Kriterien wie Innovationskraft, Umsetzungsfähigkeit, Nachhaltigkeit und Übertragbarkeit auf andere Städte bewertet.

Spannende Konzepte aus aller Welt

Das Rennen war knapp: Auch die anderen Teams lieferten spannende Beiträge ab. Das Team aus Boston zum Beispiel hatte einen „multimodalen Marktplatz für Mobilität“ konzipiert. Der Vorschlag basiert auf einer hochkomplexen Simulationssoftware, die die Chancen neuer Technologien für Städte berechnet. Dadurch werden Investitionsentscheidungen leichter: Der Bauherr eines Parkhauses etwa könne damit erkennen, wie viel kleiner die Immobilie dank selbstparkender Autos ausfallen müsse, gibt das Team ein Beispiel.

Die Teilnehmer aus dem koreanischen Seoul dagegen konzentrierten sich auf autonom fahrende Autos und die Möglichkeiten, die dadurch entstehen. Stichwörter in diesem Zusammenhang sind „rollendes Interface zur Stadt“, „virtueller Erlebnisraum“ und „Social Urban Device“, mit dem Fahrer für umweltfreundliches oder soziales Verhalten belohnt werden könnten.

Berliner Team will Autos und Stadt wie Nervenbahnen vernetzen

Ein weiterer Entwurf stammt aus Berlin: Das Team um den Architekten Max Schwitalla setzt ebenfalls auf eine stärkere Vernetzung des Autos mit der Stadt. „Unsere Vision ist es, durch Zielsteuerung die Mobilität in der Stadt in ein flexibles System zu verwandeln, in dem alle Transportmittel nahtlos ineinandergreifen“, erklärt Schwitalla. „Die Bewohner erhalten damit stets das für sie individuell beste Angebot.“

Gemeinsam mit dem Aufzugexperten Paul Friedeli und Neurowissenschaftler Arndt Pechstein hatte der Architekt ein Konzept entwickelt, das die Prinzipien intelligenter Aufzugsysteme auf den Stadtraum überträgt. Dabei wissen moderne Aufzüge vor Fahrtantritt, wohin die Fahrgäste wollen, und autonom fahrende Autos harmonieren in einem Just-in-Time-System nahtlos mit öffentlichen Verkehrsmitteln – alles synchronisiert und vernetzt wie menschliche Nervenbahnen, die auch in Zeiten großer Belastung unmittelbar, zuverlässig und flüssig funktionieren.

Testprojekt soll 2018 in Tegel starten

Umsetzen will das Team seine Ideen mit einem Testprojekt ab 2018, bei dem es den Technologiepark „Urban Tech Republic“, der ab 2015 auf dem Gelände des Flughafens Tegel entstehen soll, an die Stadt anbindet. Herzstück dieser Überlegungen zum Autonomen Fahren ist die vier Kilometer lange frühere Siemens-Hochbahn-Trasse. Audi werde sich wohl nicht an diesem Projekt beteiligen, heißt es; die Planer seien aber offen für andere Partner aus der Automobilbranche. 

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Von Judith Bexten
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