23.09.2016, 08:04 Uhr | 0 |

Erster Prototyp 2017 Autonome Boote sollen Touristen und Waren durch Amsterdam schippern

In den Grachten von Amsterdam wird bald die weltweit erste Flotte autonom fahrender Boote unterwegs sein. Die selbst fahrenden Boote mit Autopilot sollen Personen und Güter befördern, bei Bedarf Brücken bauen und helfen, die 12.000 Fahrräder, die jährlich in den Kanälen landen, zu bergen.

Brücke aus autonomen Booten
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Brücken bauen aus autonomen Booten: Diese Idee haben niederländische Forscher.

Foto: AMS Institute

Wenn das „Amsterdam Institut für fortgeschrittene großstädtische Lösungen“ über selbst fahrende Vehikel forscht, ist es nicht verwunderlich, dass damit keine Autos, sondern Boote gemeint sind. Immerhin beanspruchen Kanäle und Wasserflächen ein Viertel der Fläche Amsterdams. Und das Kanalsystem sieht nicht nur schön aus, sondern hat seit jeher eine wichtige Funktion für den Personen- und Warentransport in der Stadt.

Heute spielen die Grachten vor allem für Tourismus und Erholung eine wesentliche Rolle. Und da kommen nun die autonom fahren Bötchen ins Spiel. Warum soll man die Kanäle nicht nutzen, um Personen durch die Stadt zu kutschieren? Oder Waren auszuliefern?

„Man stelle sich eine Flotte mit autonomen Booten vor, die Güter und Personen befördern“, träumt Carlo Ratti, Professor am Massachusetts Institute of Technology (MIT) und einer der Forscher des Projekts „Reboat“. Darin arbeiten Ingenieure des Amsterdam Institute for Advanced Metropolitan Solutions (AMS), der Uni Wageningen, der TU Delft und des MIT zusammen.

Boote könnten auch kleine Bedarfsbrücken bilden

„Darüber hinaus kann man auch an temporäre schwimmende Infrastruktur denken, zum Beispiel an Brücken oder Bühnen, die innerhalb von wenigen Stunden auf- und abgebaut werden“, schwärmt Prof. Ratti. So könnten Engpässe ausgeglichen werden, die zum Beispiel bei einer Großveranstaltung entstehen.

Wie das gehen kann? Das ist eine der Aufgaben des Forschungsprojektes, das auf fünf Jahre ausgelegt ist und für das 25 Millionen Euro zur Verfügung stehen.

Roboats sammeln Daten zur Wasser- und Luftqualität

Was das Aussehen des Roboats betrifft, so werden die Forscher unterschiedliche Designs testen, um die bestmögliche Form für die verschiedenen Funktionen festzulegen. Ab 2017, versprechen die Wissenschaftler, könne man in Amsterdams Grachten nach dem ersten Prototyp Ausschau halten.

Die autonomen Boote sollen mit Sensoren bestückt werden, um Daten zur Wasser- und Luftqualität sowie zur Lärmbelästigung zu sammeln. Die Wissenschaftler hoffen, auch Krankheiten oder sogar Epidemien in der Stadt frühzeitig erkennen zu können. Dafür würden schwimmende Roboter in die Abwasserkanäle geschickt, die dort Proben entnehmen und die Verbreitung von Krankheitserregern, zum Beispiel der Grippe, verfolgen. Müllbeseitigung ist ebenfalls ein Thema und hier nicht zuletzt die 12.000 Fahrräder, die jährlich in Amsterdams Grachten landen.

Projektpartner Boston ist von steigendem Meeresspiegel bedroht

Falls das Forschungsprojekt den hohen Erwartungen gerecht wird, könnte Roboat als Referenz für andere Städte dienen. Aus diesem Grund hat sich auch Boston als Projektpartner eingeklinkt. Die Metropole mit ihren über 600.000 Einwohnern gehört zu den amerikanischen Städten an der Ostküste, die von einem steigenden Meeresspiegel und gleichzeitig sinkenden Landmassen bedroht sind.

Wie darauf angemessen reagiert werden kann, beschäftigt die Stadtplaner von Boston seit Jahren. Als eine Möglichkeit wurde vor ein paar Jahren sogar in Erwägung gezogen, die Stadt nach dem Vorbild von Venedig oder Amsterdam mit Kanälen zu durchziehen.

Diese würden dann durch das historische Viertel Back Bay gezogen werden, das vor den Landaufschüttungen im 19. Jahrhundert tatsächlich eine Bucht war. Vielleicht ein Einsatzgebiet für Roboats?

In Amsterdam gibt es noch eine ganze Reihe faszinierender Technik-Projekt. Sie können dort beispielsweise in einem alten Kran im Amsterdamer Hafen übernachten. Oder sie steigen in die höchste Schaukel Europas, die hoch auf dem Dach des Bürohochhauses "The Edge" schwingt.

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Von Gudrun von Schoenebeck
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