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22.11.2014, 08:11 Uhr | 0 |

278 km lang An Weihnachten beginnt der Bau des Nicaraguakanals

Zwei Tage vor Weihnachten, am 22. Dezember 2014, beginnt das chinesische Unternehmen HKND mit dem Bau des Nicaraguakanals. Der Kanal soll in Konkurrenz zum Panamakanal gehen und schon in fünf Jahren fertiggestellt sein.

Containerschiff im Panamakanal
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Ein Containerschiff passiert den Panamakanal bei den Pedro Miguel-Schleusen in Panama-Stadt: Am 22. Dezember 2014 beginnt der Bau des Nicaraguakanals, über den künftig auch Containerschiffe der Post-Panamax-Klasse zwischen Atlantik und Pazifik pendeln können.

Foto: Alejandro Bolivar/dpa

Früher als erwartet beginnt das chinesische Unternehmen Hongkong Nicaragua Canal Development Investment (HKND) mit dem Bau des umstrittenen Nicaraguakanals. Am 22. Dezember sollen die ersten Bagger zum Start des weltgrößten Infrastrukturprojekts anrücken.

Die Wasserstraße soll dem Panamakanal als Verbindung zwischen dem Atlantik und dem Pazifik Konkurrenz machen. Die Idee einer Verbindung der beiden Meere quer durch Nicaragua zu ist schon alt: Die erste Kanallizenz wurde 1825 vergeben. Geschehen ist – nichts.

Nicaraguakanal wird 278 Kilometer lang

Bewegung geriet in das Projekt, als sich der chinesische Unternehmen Wang Jing mit Laureano Ortega anfreundete, den Sohn des nicaraguanischen Präsidenten Daniel Ortega. Wang kleckert nicht, er klotzte und sagte die Finanzierung des Nicaraguakanals in Höhe von 50 Milliarden Dollar zu. Der Staat Nicaragua wird mit 51 Prozent Mehrheitseigentümer, HKND übernimmt 49 Prozent der Anteile.

Schon 2019 soll das Megaprojekt fertig sein. Die Wasserstraße wird 278 Kilometer lang sein, 230 Meter breit und bis zu 30 Meter tief. Damit ist der Nicaraguakanal viel gewaltiger als sein Konkurrent. Der Panamakanal, der in diesem Jahr seinen 100. Geburtstag feiern durfte, ist nur 82 Kilometer lang und knapp 20 Meter tief.

Der Nicaraguakanal wird so groß, weil er die Riesenschiffe der sogenannten Post-Panamax-Klasse aufnehmen kann, die mehr als 18.000 Standardcontainer an Bord haben.

Passage dauert nur 30 Stunden

15 Stunden brauchen die Containerschiffe für die Durchfahrt durch den Panamakanal, die Passage durch den Nicaraguakanal soll – trotz der fast dreieinhalbfachen Länge nur 30 Stunden an Zeit kosten. Allerdings quetschen sich im Panamakanal die Schiffe dreimal in enge Schleusen, um die Niveauunterschiede zu bewältigen. Der Nicaraguakanal kommt mit zwei Schleusen aus.

Sein Weg führt auch auf 90 Kilometer durch den Nicaraguasee. „Verlandung und Versalzung würden ein fließendes Süßwasser-Ökosystem in ein künstliches Stauwasserreservoir mit Salzwasser verwandeln“, warnt der Professor für Zoologie und Evolutionsbiologie Axel Meyer von der Universität Konstanz. „Der Nicaraguasee ist das größte Süßwasserreservoir Zentralamerikas – der Unfall eines Tankers könnte gravierende Folgen haben.“

Auf jeder Seite Sicherheitszone von 500 Metern

Zudem verläuft seine Schneise durch das Cerro Silva Naturreservat, Heimat zahlreicher Pflanzen- und Tierarten und Lebensraum unterschiedlicher indigener Völker. 400.000 Hektar Regenwald und Feuchtgebiete werden für den Kanal auf seinem Weg vom Atlantik zum Pazifik geopfert.

Schneise ist beim Nicaraguakanal einmal wörtlich zu verstehen. Auf jeder Seite der Wasserstraße ist eine Sicherheitszone von 500 Metern geplant.

Das Projekt ist mehr als nur eine Wasserstraße

Nicaragua erhofft sich durch den Kanalbau einen wirtschaftlichen Aufschwung, den das bettelarme Land dringend gebrauchen könnte. Denn das gesamte Kanalprojekt ist mehr als nur eine Wasserstraße. Dazu gehören auch eine Eisenbahnlinie, eine Ölpipeline, Häfen, ein internationaler Flughafen und Freihandelszonen an beiden Enden des Kanals. HKND hat sich für dieses Investitionsversprechen die Lizenz für den Betrieb des Kanals für zunächst 50 Jahre gesichert, mit der Option auf eine gleichlange Verlängerung.

HKND hat die Regierung Nicaraguas vor gut einem Monat darüber informiert, welche Mengen an Lebensmittel sie für die 5000 Arbeiter auf der Kanalbaustelle braucht: Es sind gut 12 Tonnen Fleisch, 37 Tonnen Reis und 25 Tonnen Gemüse – Tag für Tag.

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Von Detlef Stoller
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