29.09.2014, 15:43 Uhr | 0 |

180.000 Arbeitsplätze in Gefahr Voestalpine-Chef Eder: Jeder zweite Job in Europas Stahlbranche auf der Kippe

Voestalpine-CEO Wolfgang Eder, designierter Präsident des Weltstahlverbands, sieht jeden zweiten Arbeitsplatz in der europäischen Stahlindustrie in Gefahr. „Europaweit sind derzeit rund 360.000 Mitarbeiter in der Stahlindustrie beschäftigt, rund die Hälfte davon dürfte gefährdet sein“, sagte Eder der Online-Ausgabe der VDI nachrichten.

Stahlwerk der Voestalpine in Linz in Österreich
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Stahlwerk der Voestalpine in Linz in Österreich: Konzernchef Eder rechnet damit, dass vor allem im Massenstahlbereich durch die hohen Energiekosten in Europa massiv Kapazitäten abgebaut werden. 

Foto: Voestalpine

Dieser Personalabbau werde in den nächsten 15 bis 20 Jahren erfolgen. Als Hauptgrund nannte er zu hohe Energiepreise. „Ein entscheidendes Problem für die Wettbewerbsfähigkeit der europäischen Industrie sind die im globalen Vergleich enorm hohen Strom- und Gaspreise. Hier kostet die Megawattstunde Gas 25 bis 35 Euro, in den USA 8,50 Euro. Bei Strom liegen wir etwa in Österreich bei 60 Euro pro Megawattstunde, in den USA bei 40 Euro.“

Personalkosten 30 Prozent höher als in den USA

Eder sieht die Zukunft der europäischen Stahlbranche auch durch hohe Personalkosten gefährdet. In Europa lägen die Brutto-Personalkosten „im Schnitt um 30 Prozent höher als in Amerika“. Zudem würden die ständig wechselnden Umwelt- und Klimavorgaben der EU „aus Sicht der Industrie zu einer immer größeren Belastung“.

Deshalb habe die Stahlindustrie „gar keine andere Wahl als forciert in Nordamerika und Asien neue Werke zu bauen“, so Eder auch mit Blick auf sein eigenes Unternehmen. „Vergleichbare Fabriken in Europa würden uns im laufenden Betrieb um mindestens 15 Prozent teurer kommen. Deshalb entsteht gegenwärtig auch die neue Direktreduktionsanlage – mit 550 Millionen Euro bisher die größte Auslandsinvestition unseres Konzerns – in Texas und nicht in Europa.“

Unterm Strich führe das dazu, dass die Stahlproduktion in Europa drastisch zurückgefahren werde. „Die Produktion wird mangels Kostenkonkurrenzfähigkeit im Massenstahlbereich wohl von 160 bis 170 Millionen Tonnen Stahl auf die Hälfte bis ein Drittel im Jahr 2030 zurückgehen“, sagte Eder, der der EU eine verfehlte Standortpolitik vorwarf. „Es gibt bisher von politischer Seite bestenfalls Lippenbekenntnisse, wenn es um die Industrie geht, es fehlen die Taten“, kritisierte Eder.

Die Stahlproduktion stehe am Anfang vieler Wertschöpfungsketten. „Fehlt einer Kette die Basis, so funktioniert sie insgesamt nicht mehr.“

Eine Kurzfassung des Wortlaut-Interviews lesen Sie in der Online-Ausgabe der VDI nachrichten.

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Von Markus Henrichs
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