05.08.2014, 13:27 Uhr | 0 |

Kein Personalabbau Meyer Werft kauft Konkurrenten STX Finnland

Die niedersächsische Meyer Werft übernimmt ihren Konkurrenten STX Finnland. Damit sichert sich der Spezialist für Luxusliner einen weiteren Standort im finnischen Turku. Zudem zwei anstehende Aufträge der Kreuzfahrtgesellschaft TUI Cruises über zwei 295 Meter lange Kreuzfahrtschiffe. 

Der Luxusliner Norwegian Breakaway im März 2013 die Werft im niedersächsischen Papenburg
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Meyer Werft ist spezialisiert auf den Bau von Kreuzfahrtschiffen: Hier verlässt der Luxusliner Norwegian Breakaway im März 2013 die Werft im niedersächsischen Papenburg – nach 17 Monaten Bauzeit. Der Gigant ist 324 Meter lang, fast 40 Meter breit und im Besitz der US-amerikanischen Reederei Norwegian Cruise.

Foto: dpa

Die Schiffe mit dem charakteristischen Kussmund kennt man in Papenburg bereits – ein großer Teil der Aida-Flotte stammt aus der Meyer Werft in Papenburg, ebenso wie viele andere Ozeanriesen. Jetzt bekommt die Werft Zuwachs: Meyer Werft übernimmt 70 Prozent des bisherigen Konkurrenten STX Finnland in Turku, der gerade an „Mein Schiff 4“ baut, einem Kreuzfahrtschiff für Tui Cruises – vorausgesetzt, das Bundeskartellamt der Übernahme stimmt zu.

Die restlichen 30 Prozent übernimmt der finnische Staat vom bisherigen Betreiber STX Europe aus Südkorea, der die traditionsreiche Turku Werft erst 2008 gekauft hatte und inzwischen als finanziell angeschlagen gilt. Zum Kaufpreis haben sich die Beteiligten bisher nicht geäußert, die Neue Osnabrücker Zeitung schreibt jedoch von einem symbolischen Kaufpreis, den die Meyer Werft für den neuen Standort in Finnland habe zahlen müssen. 

Personalabbau ist nicht vorgesehen

Damit bekommt die Meyer Werft nach Papenburg und der 1997 zugekauften Neptun Werft in Rostock einen dritten Standort hinzu. An allen drei Standorten will das Management auch festhalten. „Wir stärken alle Standorte gleichermaßen“, betont Geschäftsführer Jan Meyer: Ein Personalabbau sei weder in Niedersachsen, Mecklenburg-Vorpommern noch in Turku ein Thema. Vielmehr hoffe man auf gegenseitige Lerneffekte bei den Arbeitsabläufen und eine höhere Flexibilität bei den Kunden. Zudem setzt Meyer auf ein stärkeres gemeinsames Vorgehen in den Bereichen Forschung und Entwicklung im Kreuzfahrtmarkt.

Die Meyer Werft wurde 1795 gegründet und befindet sich seit sieben Generationen im Besitz der Familie Meyer. Im Portfolio hat das Familienunternehmen unter anderem Gastanker, Forschungsschiffe, Fähren und Containerschiffe sowie Schiffe speziell für Tiertransporte. Stark ist das Unternehmen vor allem im Bau von Kreuzfahrtschiffen: 37 dieser Ozeanriesen haben die Werft seit 1980 verlassen.

Derzeit arbeiten rund 3000 Mitarbeiter direkt beim Mutterkonzern in Papenburg, dazu kommen knapp 500 Kollegen in Rostock, die vor allem Flusskreuzfahrtschiffe bauen. Mit STX Finnland kommen jetzt noch einmal etwa 1350 Beschäftigte hinzu.

Auslieferung von Schiffen im Emsland ist immer ein Publikumsmagnet

Gegenüber Papenburg haben die Finnen einen großen Standortvorteil: Sie liegen direkt an der Ostsee und können fertige Schiffe unkompliziert auf die Reise schicken – ganz im Gegensatz zum Mutterkonzern in Niedersachsen. Hier gerät eine Schiffsauslieferung jedes Mal zu einem publikumswirksamen Spektakel, weil die riesigen Kreuzfahrtschiffe erst aufwändig 40 Kilometer über die ja doch schmale Ems zur Nordsee manövriert werden müssen.

Eine komplette Verlagerung des lukrativen Baus der schwimmenden Hotelkomplexe in den hohen Norden ist dennoch zumindest zunächst nicht zu befürchten. Zeitgleich mit dem Kauf von STX Finnland wurde bekannt, dass TUI Cruises bei den Finnen noch zwei weitere Schiffe für seine Kreuzfahrtflotte bestellen will, womit die 1350 neuen Kollegen im Meyer-Konzern erst einmal ausgelastet sein dürften. „Mein Schiff 5“ und „Mein Schiff 6“ sollen wie auch ihre bisherigen Schwesterschiffe eine Länge von 295 Metern haben, über 15 Decks verfügen und mehr als 1250 Kabinen bereithalten. Ausgeliefert werden sollen sie in den Jahren 2016 und 2017.

Auftragsbücher der Meyer Werft sind voll

Auch in Papenburg stehen die Maschinen nicht still – ganz im Gegenteil: Bereits jetzt liegen neun Aufträge aus Asien und den USA vor, die die Werft bis mindestens 2019 beschäftigen werden. Zurzeit wird gerade am Feinschliff für die Quantum of the Seas für die US-Reederei Royal Caribbean International gearbeitet, die in den nächsten Tagen ausgedockt und voraussichtlich Mitte September ausgeliefert werden soll.

Mit einer Größe von 167.800 Bruttoregistertonnen wird sie das drittgrößte Kreuzfahrtschiff der Welt sein – die beiden Spitzenreiter Allure of the Seas und Oasis of the Seas wurden 2009 und 2010 übrigens in Turku gebaut, ebenfalls für Royal Caribbean. Die Bevölkerung entlang der Ems kann sich also wieder auf ein spannendes Schauspiel einstellen. Das nächste steht auch schon in den Startlöchern: Die Anthem of the Seas, Schwesterschiff der Quantum, soll im Frühjahr 2015 folgen. 

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Von Judith Bexten
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