23.02.2015, 14:10 Uhr | 0 |

Anthem of the Seas Größtes deutsches Kreuzfahrtschiff hat Baudock der Meyer Werft verlassen

Ein neuer Meeresgigant hat am Wochenende das Baudock der Meyer Werft in Papenburg verlassen: die Anthem of the Seas – mit 168.600 Tonnen Gewicht und 348 Meter Länge das größte in Deutschland gebaute Kreuzfahrtschiff.

Anthem of the Seas
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Das Kreuzfahrtschiff Anthem of the Seas hat Samstagnacht das Baudock der Meyer Werft in Papenburg verlassen. Das 347,75 Meter lange und 41,4 Meter breite Schiff ist mit der baugleichen Quantum of the Seas das größte je in Deutschland gebaute Kreuzfahrtschiff. 

Foto: Ingo Wagner/dpa

Es war schon 20 Uhr und stockdunkel, als sich nach mehrfachen Verzögerungen am Samstag, 21. Februar 2015, das gigantische Tor des Baudocks II der Papenburger Meyer Werft öffnete. Vor den Augen hunderter Schaulustiger fuhren zwei Boote im Schritttempo heraus, im Schlepptau die Anthem of the Seas – mit dem ebenfalls in Papenburg gebauten Schwesterschiff Quantum of the Seas das bislang größte in Deutschland gebaute Kreuzfahrtschiff.

Ein beeindruckender Koloss: Der Stahlgigant ist 348 Meter lang und 168.600 Tonnen schwer. Auf 18 Decks bietet er 4188 Passagieren Platz. Zum Vergleich: Das derzeit größte Kreuzfahrtschiff auf den Weltmeeren ist die Allure of the Seas. Das Gefährt der US-amerikanischen Royal Carribean International Reederei ist 366 Meter lang, wiegt 225.282 Tonnen und kann rund 6000 Passagiere befördern.

Autokräne setzen Schornstein auf den Luxusliner

Doch auf dem Weg in die Weltmeere ist die Anthem of the Seas noch nicht. Nach dem Herausholen aus dem Baudock hat es die Werft zunächst im eigenen Hafen festgemacht, um weitere Arbeiten durchzuführen: Zwei Autokräne setzen den Schornstein auf den Luxusliner, ebenso die Aussichtsgondel North Star, die Passagieren in 90 Metern Höhen einen spektakulären Ausblick bietet. Anschließend drehen Schlepper das Schiff im Hafenbecken, damit es Querstrahler und Stabilisatoren testen kann.

Der Kreuzfahrtschiff-Neubau "Anthem of the Seas" liegt am 22.02.2015 an der Ausrüstungspier der Meyer-Werft in Papenburg (Niedersachsen). Mit Kränen wird hier gerade der sogenannte Northstar, eine Glasgondel für Passagiere an einem neunzig Meter langen Hebelarm montiert. Der mit 168.600 BRZ vermessene, 347,75 Meter lange und 41,4 Meter breite Ozeanriese für die amerikanische Reederei Royal Caribbean International bietet 4188 Passagieren Platz und ist am Vortag ausgedockt worden. Bei der "Anthem" handelt es sich um eines der beiden größten, jemals in Deutschland gebauten Passagierschiffe. Foto: Ingo Wagner/dpa +++(c) dpa - Bildfunk+++
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Zwei Autokräne installieren im Hafen der Meyer Werft Schornsteine und die 90 Meter hohe Aussichtsgondel North Star. Im März 2015 soll die Anthems of the Sea dann startklar sein und Richtung Nordsee aufbrechen.

Foto: Ingo Wagner/dpa

Auch im Inneren gibt es noch einiges zu testen. Schließlich hält die Anthem für ihre Passagiere einige Attraktionen bereit – unter anderem einen Autoscooter, virtuelle Balkone mit Displays statt Fenstern in den Kabinen und eine Anlage zum simulierten Fallschirmspringen. Dabei können sich Passagiere von einem kräftigen Luftstrahl in die Luft heben lassen und so die Illusion des freien Falls erleben.

Acht Millionen Euro Baggerkosten für jede Ems-Fahrt

Im März 2015 soll der Luxusliner dann über die Ems Richtung Nordsee fahren und den Dienst für seinen neuen Chef antreten: die Reederei Royal Carribean International, die auch die Quantum of the Seas ihr eigen nennt. Ein drittes Schiff der Quantum-Klasse steht bereits im Auftragsbuch der Werft und soll 2016 fertiggestellt sein.

Der Kreuzfahrtschiff-Neubau «Anthem of the Seas» verlässt am 21.02.2015 das überdachte Baudock der Meyer-Werft in Papenburg (Niedersachsen). Der mit 168600 BRZ vermessene, 347,75 Meter lange und 41,4 Meter breite Ozeanriese für die amerikanische Reederei Royal Caribbean International bietet 4188 Passagieren Platz und soll im März über die Ems in die Nordsee überführt werden. Bei der «Anthem» handelt es sich um eines der beiden größten, jemals in Deutschland gebauten Passagierschiffe. Foto: Ingo Wagner/dpa +++(c) dpa - Bildfunk+++
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Die Anthem of the Seas bleibt zunächst in Papenburg, bevor sie im März über die Ems in Richtung Nordsee weiter fährt. Das Schiff bietet 4188 Passagieren Platz.

Foto: Ingo Wagner/dpa

Bei allem bejubelten Gigantismus der deutschen Ingenieurskunst bleibt ein Streitpunkt: die Überfahrt über die Ems von Papenburg nach Emden in die Nordsee. Die funktioniert nur dann, wenn man die Wasserstraße regelmäßig von Schlick befreit, um sie tief genug für die Ozeanriesen zu machen. Und das kostet laut Schiffsverwaltung des Bundes (WSV) für jede Fahrt eines Luxusliners der Meyer Werft rund acht Millionen Euro.

Kosten, an denen sich die Werft nicht beteiligt und auf denen der Steuerzahler sitzenbleibt. Werftsprecher Peter Hackmann erklärt dazu in einem Bericht des NDR: „Das Wasser- und Schifffahrtsamt ist verpflichtet, die Bundeswasserstraße Ems durch Unterhaltsbaggerungen das ganze Jahr schiffbar zu halten – völlig unabhängig von uns.“

Masterplan Ems: Ökologisch intakte Flusslandschaft als Ziel

Weiterer Streitpunkt ist der sogenannten Masterplan Ems, auf den sich die Landesregierung, Umweltverbände, Kommunen und die Meyer Werft geeinigt haben. Er sieht vor, bis 2050 um die Ems eine ökologisch intakte Flusslandschaft entstehen zu lassen. Bislang gilt die Bundeswasserstraße unter Umweltschützern und Landwirten als toter Fluss.

Der Kreuzfahrtschiff-Neubau «Anthem of the Seas» liegt am 22.02.2015 an der Ausrüstungspier der Meyer-Werft in Papenburg (Niedersachsen). Der mit 168.600 BRZ vermessene, 347,75 Meter lange und 41,4 Meter breite Ozeanriese für die amerikanische Reederei Royal Caribbean International bietet 4188 Passagieren Platz und ist am Vortag ausgedockt worden. Bei der «Anthem» handelt es sich um eines der beiden größten, jemals in Deutschland gebauten Passagierschiffe. Foto: Ingo Wagner/dpa +++(c) dpa - Bildfunk+++
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Am Morgen danach: Die Anthem of the Seas nach dem Ausdocken in Papenburg.

Foto: Ingo Wagner/dpa

Die aufgewendeten zweistelligen Millionenbeträge halten viele Naturschützer aus der Emsregion allerdings für Verschwendung von Steuermitteln. „Wir haben das komplexe System des Flusses und die großen Zusammenhänge noch nicht verstanden“, sagt der Oldenburger Meereswissenschaftler Thomas Badewien gegenüber der Nachrichtenagentur dpa. 

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Von Patrick Schroeder
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