17.09.2013, 13:26 Uhr | 0 |

Spektakuläre Bergungsaktion Geschafft: Kreuzfahrtschiff Costa Concordia ist aufgerichtet

Am frühen Dienstagmorgen heulten Schiffsirenen, Ingenieure, Zuschauer aus aller Welt und die Bewohner der Insel Giglio lagen sich in den Armen. Sie alle feierten einen Moment, den sie 20 Monate lang herbeigesehnt hatten: Das an einem Felsen der Insel aufgeschlitzte Kreuzfahrtschiff Costa Concordia ist wieder aufgerichtet.

Aufgerichtete Costa Concordia
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Am Dienstagmorgen war das 114 000 Tonnen schwere Wrack der Costa Concordia wieder aufgerichtet. Deutlich zu sehen ist die stark beschädigte Seite, auf der das Kreuzfahrtschiff 20 Monate lang gelegen hat. Im nächsten Jahr soll das Schiff weggeschleppt und verschrottet werden. Die Kosten der Rettungsaktion liegen bei 600 Millionen Euro.

Foto: EPA/Claudio Giovannini

Noch am gestrigen Montag, zu Beginn der spektakulären Bergungsaktion, stand in den Sternen, ob das Wrack den Kraftakt würde überstehen können. „Wir können uns nicht vorstellen, was innerhalb des Schiffs passieren wird“, hieß es seitens Nick Sloane, Bergungsexperte der Firma Titan-Micoperi, in einem Bericht von Tagesschau.de. „Man kann zwar Modelle machen und Berechnungen anstellen, aber was tatsächlich passieren wird, können wir nicht wissen. Alles basiert auf Annahmen.“

A general view of the Costa Concordia cruise ship as it is slowly lifted during salvage works under floodlight off the Giglio island, Italy, 16 September 2013 night. The hull of the Costa Concordia, that has been lying sideways off the Italian coast since a deadly accident last year, is set to be righted from 16 September.
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In der Nacht zu Dienstag wurde das Kreuzfahrtschiff Costa Concordia behutsam gedreht. 150 hydraulische Seilwinden haben das Schiff mit einer Kraft von 6000 Tonnen aufgerichtet.

Foto: EPA/Angelo Carconi

6000 Tonnen Zugkraft wirken auf das 114 000 Tonnen schwere Schiffswrack

150 hydraulische Seilwinden begannen am Montagmorgen, die Costa Concordia mit einer anfänglichen Zugkraft von 200 Tonnen zu drehen. „Wir haben sofort eine Bewegung des Schiffes festgestellt, bis zu zwei Grad“, erklärte Sergio Girotto, Ingenieur im Bergungsteam, auf einer Pressekonferenz. „Das hat gezeigt, dass das Schiff gut reagiert hat.“ Anschließend experimentierten die Experten mit einer weit höheren Zugkraft. „Als wir auf 6000 Tonnen hochgingen, haben wir gemerkt, dass sich das Schiff vom Boden gelöst hat. Das haben wir mit Unterwasserkameras verfolgt.“ Der kritischste Punkt der Bergung, bei dem das 114 000 Tonnen schwere Wrack auch hätte auseinanderbrechen können, schien überstanden.

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150 Hydraulikkräne haben die Costa Cordia aufgerichtet. Sie haben während der Nacht mit einer Zugkraft von 6000 Tonnen über Stahlseile das Schiff gedreht.

Foto: EPA/Claudio Giovannini

Im Schneckentempo von drei Metern pro Stunde arbeiteten die Seilwinden weiter, bis die Concordia gegen Mitternacht um 25 Grad gedreht war. Danach übernahm die Schwerkraft: Denn nun füllten sich riesige Tanks auf der freiliegenden Seite des Schiffes mit Wasser. In den frühen Morgenstunden hieß es dann Aufatmen bei allen Beteiligten der Operation Parbuckling: Das Wrack erreichte die vertikale Position und setzte auf der Plattform auf, welche das Bergungsunternehmen auf dem Meeresboden in 30 Meter Tiefe installiert hatte.

Wrack wird stabilisiert und im Frühjahr 2014 abgeschleppt

Die Zuschauer konnten jetzt einen Anblick genießen, der sich nicht alle Tage bietet: Während die Sonnenseite des Luxusliners nahezu unbeschadet ist, ist die Steuerbordseite des 300 Metern langen Schiffs mit verkrustetem Schlamm überzogen und zudem auf rund 30 Meter Länge drei Meter tief eingedrückt. Danach soll das Schiff in der Vertikalen stabilisiert werden, so dass es wieder schwimmfähig wird. Im Frühjahr 2014 folgt das Abschleppen und Verschrotten. Das Ende einer beispiellosen Bergungsaktion. Kostenpunkt laut Reederei Crociere: rund 600 Millionen Euro.

Weitere technische Informationen zur Bergung finden Sie hier.

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Von Patrick Schroeder
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