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14.07.2014, 13:32 Uhr | 0 |

Kreuzfahrtschiff wird verschrottet Costa Concordia schwimmt wieder: Letzte Fahrt nach Genua kann beginnen

Zweieinhalb Jahre lag das Kreuzfahrtschiff Costa Concordia vor der Küste der kleinen italienischen Ferieninsel Giglio. Am heutigen Montag hat nun die letzte Etappe zum Abtransport des schwer beschädigten Wracks begonnen: Eine ganze Woche dauert das sogenannte Aufschwimmen, bevor die letzte Fahrt zum Abwracken in Genua startet.

Costa Concordia mit Schwimmtanks
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An den Seiten der Costa Concordia wurden 30 Schwimmkästen montiert. In diese wird Luft hineingepumpt, um das stark beschädigte Schiff zu tragen. 

Foto: dpa/Claudio Giovannini

Am heutigen Montag hat das sogenannte Aufschwimmen für das am 13. Januar 2012 spektakulär vor der Küste der kleinen italienischen Ferieninsel Giglio gekenterten Luxus-Kreuzfahrtschiffes begonnen. Bei diesem Prozess des Aufschwimmens, der insgesamt rund eine Woche dauert, soll die Costa Concordia um rund 12 Meter angehoben werden.

Mit zwei Knoten in Richtung Genua

Dann wird der schwimmende Schrotthaufen von Schlepperbooten langsam mit einer Geschwindigkeit von 2 Knoten in den Hafen der gut 350 Kilometer entfernt liegende ligurischen Metropole Genua abtransportiert, wo er dann verschrottet wird. „Wir haben die vernünftige Sicherheit, dass alles so funktioniert wie es soll“, sagte Franco Porcellaccia, Projektleiter der Reederei Costa Crociere. 100 Millionen Euro soll die eigentliche Verschrottung im Hafen von Genua kosten.

Am Samstag erst hatte die zuständige Aufsichtsbehörde in Rom das Aufschwimmen des Kreuzfahrtriesen genehmigt. Dafür sind an den Seiten des Schiffes 30 Schwimmkästen montiert worden, mit dem der 290 Meter lange Koloss Auftrieb bekommen und so wieder schwimmen soll. Gelingt dieses Aufschwimmen, hat die Costa Concordia einen Tiefgang von 18,5 Metern.

Dieser Prozess des Aufschwimmens lässt sich grob in vier Phasen einteilen. Zu Beginn der Phase eins ruht das Wrack auf den Plattformen und dem eigens errichteten künstlichen Meeresboden in einer Tiefe von 31 Metern. Am ersten Tag des Manövers wird das Schiff etwa zwei Meter hochgehoben und mit Hilfe von Schleppern etwa 30 Meter in östliche Richtung bewegt. Sechs bis acht Stunden kalkulierten die Bergungsexperten für diese Phase. Schon am Mittag hatten die Techniker das Schiff angehoben. Zahlreiche Schaulustige bestaunten die spannende Aktion.

Phase drei ist das eigentliche Aufschwimmen

In der zweiten Phase werden die letzten vier Ketten und sieben Kabel an den Schwimmkästen befestigt und gespannt. 13 der 15 Steuerbord-Schwimmkästen kommen endgültig auf ihre finale Position. Diese Phase dauert zwei Tage und geht fließend in Phase drei über – das eigentliche Aufschwimmen. Komprimierte Luft wird schrittweise in die 30 Schwimmkästen gepumpt, um das darin enthaltene Wasser zu verdrängen. Laut Plan wird sich die Costa Concordia langsam aus dem Wasser emporheben. Zuerst wird Deck 6 sichtbar, bis nach drei Tagen endlich Deck 3 aus dem Wasser ragt.

Dann kann Phase vier beginnen: Zwei Schlepper werden dann von der Backbordseite das Wrack ziehen, zwei Hilfsschlepper werden am Schiffsrumpf eingesetzt, einer an jeder Seite. „Ein Schiff dieser Größe wurde noch nie auf diese Art und Weise transportiert, aber wir sind sehr zuversichtlich“ sagte der Vorstandschef der Reederei, Michael Thamm.

Ein Mensch gilt immer noch als vermisst

Es waren 3200 Passagiere an Bord, als Kapitän Francesco Schettino vor der kleinen Ferieninsel Giglio eine Kursänderung vollführte, die die Costa Concordia am 13. Januar 2012 gegen 21:45 Uhr mit einem der Insel vorgelagerten Felsen kollidieren ließ. 32 Menschen ließen an diesem Tag ihr Leben im Meer, ein Mensch gilt immer noch als vermisst. Möglicherweise werden seine sterblichen Überreste jetzt gefunden, wenn praktisch alle Decks der Concordia zugänglich sind.

Die Sicherung des Wracks und das Aufrichten ist die aufwendigste Rettungsaktion in der Geschichte der Seefahrt. Allein zwischen dem Kentern und dem Aufrichten im Herbst 2013 vergingen mehr als anderthalb Jahre.

Nachfolgeschiff der Costa Concordia wird noch größer

Es werden künftig 5000 Passagiere sein, die auf dem Nachfolgerschiff der Concordia Luxus pur genießen können. Die Costa Diadema wird das größte Kreuzfahrtschiff der italienischen Reederei Costa Conciere. Der Neubau soll die Familie der Costa-Kreuzfahrtschiffe nicht nur namentlich schmücken, sie ist nach Perlendiademen römischer Göttinnen benannt, sie soll auch von absolut erstklassigem Standard sein. Am 1. November 2014 wird die Diadema zu ihrer Jungfernfahrt von Triest nach Genua aufbrechen, um dann am 7. November 2014 ihre Taufe zu erleben.

In der Costa Diadema wird ein bayerischer Bierkeller blau-weiße Lebensart bieten

306 Meter lang und 37 Meter breit wird die Diadema sein und 1862 Gästekabinen haben. Es werden mehr als 1250 Crew-Mitglieder an Bord alles dafür geben, dass es den Passagieren an nichts mangelt. Sieben Restaurants an Bord verwöhnen die Reisenden, ein bayerischer Bierkeller bietet zünftige blau-weiße Lebensart. Es sind insgesamt 15 Bars an Bord, dazu gesellen sich drei Pools, es wird ein 4-D-Kino geben und eine 500 Meter lange Freiluftpromenade.

Shopping-Freaks werden auf 1100 Quadratmetern Designerläden und Qutlet-Geschäften auf ihre Kosten kommen. 550 Millionen Euro investiert der Weltmarktführer für Kreuzfahrten in die Diadema. Dabei stand nach dem Unfall der Costa Concordia die Existenz der Reederei auf dem Spiel. „Wirtschaftlich stehen wir heute wieder da, wo wir vor dem Unfall waren“, sagt Vorstandschef Michael Thamm. Alles auf Anfang also.

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Von Detlef Stoller
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