21.10.2013, 14:46 Uhr | 0 |

Schiefergasförderung verboten Französisches Verfassungsgericht sagt endgültig „Non“ zum Fracking

Das französische Verfassungsgericht hat entschieden, dass Frankreichs gesetzliches Frackingverbot vom 13. Juli 2011 gültig ist. Somit hat Fracking in Frankreich auf sehr lange Sicht keine Realisierungschance. Frankreich ist damit das einzige europäische Land mit einem totalen Verbot der umstrittenen Gasförderung.

Demonstration gegen Fracking vor dem Triumphbogen in Bukarest
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Demonstration gegen Fracking in Bukarest: Frankreich ist das erste Land Europas, das Fracking im gesamten Land verbietet. Das französische Verfassungsgericht hat endgültig entschieden, dass das französische Frackingverbot zulässig ist. 

Foto: dpa/Robert Ghement

Frankreich setzt in Europa ein deutliches Zeichen: Fracking ist und bleibt in Frankreich verboten. Das allgemeine Interesse des Umweltschutzes ist höher einzuschätzen, als die Unternehmensfreiheit. So lautet der Tenor, mit dem der Conseil Constitutionnel, das ist das französische Verfassungsgericht, jetzt die Gültigkeit des am 13. Juli 2011 verabschiedeten Gesetzes bestätigt hat, das das Fracking zur Erschließung und Förderung von Schiefergas verbietet.

Texanische Firma Schuepbach energy klagte gegen das Gesetz

Grundlage dieses jetzt wohl endgültigen Verbots des umstrittenen Verfahrens zur Gas- oder Ölgewinnung ist eine Klage des texanischen Energieunternehmens Schuepbach energy, das in Nant im Departement Averyon und in Villeneuve-de-Berg im Departement Ardéche seit dem 1. März 2010 Konzessionen für Sondierungsbohrungen besaß, die im September 2011 aufgrund des Gesetzes annulliert wurden. Schuepbach vertrat in dieser Klage die Position, dass ein absolutes Frackingverbot eine unverhältnismäßige Vorsichtsmaßnahme sei. Dieser Argumentation schob das Gericht nun, angesichts der Gefahren, die Fracking für das Grundwasser und für die Landwirtschaftsgebiete darstelle, einen Riegel vor.

Energieunternehmen fordert 1 Milliarde Euro Schadensersatz

Dieser Riegel kann dem französischen Staat noch viel Geld kosten. Denn die Firma Schuepbach energy hat angekündigt, für den Fall einer Bestätigung des Frackingverbots gegenüber dem Staat Schadensersatzforderungen von über 1 Milliarde Euro geltend zu machen. Zwei andere texanische Frackingspezialisten, Hess Oil und Tereador Energy, die vorab im Pariser Becken östlich der Hauptstadt weitflächige Sondierungen vornahmen, dürften sich anschließen und ebenfalls Klage auf Schadensersatz einreichen.

Der Minister für Ökologie, nachhaltige Entwicklung und Energie, Philippe Martin, betonte anlässlich des Urteils: „Wir wurden durch diese bedeutende Entscheidung bestärkt. Die Umsetzung meines Maßnahmenplans wird dringender denn je: Herbeiführung des ökologischen und energiepolitischen Wandels, vor allem um Frankreichs Abhängigkeit von fossilen Brennstoffen durch eine Reduzierung des Verbrauchs an fossiler Energie bis 2030 um 30 % zu senken.“

Hollande bekräftigte das Frackingverbot

Im Sommer erst hatte Frankreichs Industrieminister Arnauld Montebourg laut über das große Potential der fossilen Energieträger nachgedacht, die nach Einschätzung von Fachleuten unter Frankreichs Erde schlummern. Staatschef François Hollande hatte danach am 14. Juli 2013 allerdings öffentlich betont, dass das Verbot während seiner Amtszeit als Präsident nicht angetastet werde.

Frankreich ist das bislang einzige europäische Land, das sich auf ein generelles Frackingverbot festgelegt hat. In Deutschland hingegen wird eine leidenschaftliche Debatte um Fracking geführt. Im Mai 2013 erst sprach sich der Sachverständigenrat für Umweltfragen gegen Fracking in Deutschland aus, weil es weder die Gaspreise hierzulande senken, noch die Versorgungssicherheit erhöhen werde. Ein Gesetzesvorhaben, das Fracking unter bestimmten Auflagen in Deutschland zulassen sollte, ist von den Politikern wegen des Widerstandes erst einmal auf die lange Bank geschoben worden und hat es in der nun abgelaufenen Legislaturperiode nicht in das Gesetzesblatt geschafft. Die offizielle Haltung des Staates zum Fracking ist noch offen.

Fracking erzeugt Risse im Speichergestein tief in der Erde

Fracking kommt vom englischen Begriff „to fracture“, was so viel wie aufbrechen oder aufreißen bedeutet. Und das trifft es ja auch. Denn genau das passiert beim Fracking: Es werden Risse im Speichergestein tief in der Erde erzeugt. Grundsätzlich geht es darum, Erdgas aus zumeist großen geologischen Tiefen zu fördern. Dieses Gas lagert zum Teil in mehreren Tausend Metern Tiefe zum Beispiel in Schiefergestein. Im Gegensatz zu den konventionellen Gasfeldern im Nahen Osten werden diese Schiefergasvorkommen auch unkonventionelle Lagerstätten genannt. Und es ist nicht ganz einfach, dieses Gas zu fördern.

Im Gegenteil: Die Fracking-Technologie kann durchaus als brachial bezeichnet werden. Eine senkrechte Tiefenbohrung wird zunächst in die gewünschte Tiefe gebracht. Unten verschwenkt der Bohrkopf in die Horizontale und läuft so mitten durch das Schiefergestein mit dem geologisch gebundenen Erdgas. Sodann pumpt man ein so genanntes Frackfluid unter hohem Druck in die Tiefe. Dort bricht das Fluid das Gestein auseinander. Danach pumpt man die eingepresste Flüssigkeit wieder nach oben. Dem Frackfluid beigesetzter Sand verbleibt in den Rissen und hält sie so offen. Dann werden weitere Bohrungen gesetzt, um das nun aus dem Gestein herausgelöste Gas zu fördern.

Das eingesetzte Frackfluid ist ein brisanter Giftcocktail

Die spannende Frage bei diesem Verfahren ist, ob sicher ausgeschlossen werden kann, dass das Frackfluid in das Grundwasser gelangen kann. Denn das eingesetzte Frackfluid ist ein brisanter Giftcocktail. Säuren zur Auflösung von Mineralien finden sich in dem Gemisch genauso wie Biozide, um Bakterienwachstum an organischen Bestandteil zu verhindern. Lösungsmittel, Korrosionsschutzmittel, Tenside, Schäume und Kettenbrecher runden den Giftcocktail ab.

Das geschätzte Fördervolumen aus diesen unkonventionellen Lagerstätten ist beträchtlich. Nach einer Schätzung des Umweltbundesamtes könnte mit den im Untergrund vermuteten Schiefergasvorkommen der deutsche Gasbedarf für 13 Jahre gedeckt werden. Allerdings nur in der Theorie: Denn das Fracking in Wasserschutzgebieten ist definitiv ausgeschlossen. Das bedeutet, dass rund 14 Prozent der Landesfläche mit einem grundsätzlichen  Fracking-Verbot belegt sind. Entsprechend geringer ist das mögliche Potential an zu fördernder Gasmenge.

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Von Detlef Stoller
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