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22.10.2013, 14:16 Uhr | 0 |

Ölförderung in 7000 m Tiefe Brasilien hat Förderrechte für riesiges Pré-Sal-Feld im Atlantik verkauft

Ein internationales Konsortium hat den Zuschlag für das Ölfeld „Campo de Libra“ vor der Küste Brasiliens erhalten. Dort werden insgesamt zwischen acht und zwölf Milliarden Barrel Öl vermutet. Die Förderung wird technisch sehr schwierig und teuer: Das Ölfeld gehört zu den brasilianischen Pré-Sal-Vorkommen und befindet sich in ungefähr sieben Kilometern Tiefe.

Petrobas-Bohrinsel
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Bohrinsel der brasilianischen Öl-Gesellschaft Petrobras: Ein Konsortium aus Shell, Total, Petrobras und der chinesischen CNPC und CNOOC will aus 7000 Metern Tiefe vor der brasilianischen Küste Öl fördern. Die Förderbedingungen sind ausgesprochen schwierig, die Fördertechnik muss teilweise noch entwickelt werden.

Foto: Keppler

Mit den Bohrungen in dem Pré-Sal-Gebiet stoßen die Konzerne in bisher unerschlossene Tiefen vor. Um das Öl zu erschließen, müssen sie kilometerdicke Schichten von Salz und Gestein überwinden. Die Technologie, mit der das geschehen soll, muss teilweise erst noch entwickelt werden.

Statt der 40 von der brasilianischen Regierung erwarteten Bieter gab es denn auch nur ein Angebot. Zu dem Konsortium, das den Zuschlag für das Mindestgebot bekam, gehören die europäischen Konzerne Shell und Total, die staatlichen Multis CNPC und CNOOC aus China sowie die staatlich kontrollierte Petrobras aus Brasilien. Großkonzerne wie Chevron, Exxon und BP gehörten nicht zu den Bietern.

Schwimmende Plattformen sind brasilianische Erfindung

Die staatliche Petrobras wirbt damit, ab 2017 aus dem Pré-Sal-Feld täglich rund eine Million Barrel Öl – das sind 159 Millionen Liter – zu fördern. Experten gehen aber davon aus, dass die Förderung frühestens 2018/19 startet. Die Technik zum Bohren und Fördern von schwimmenden Plattformen aus, die es überhaupt möglich macht, in diese Tiefe vorzudringen, wurde zwar in Brasilien entwickelt. Aber sieben Kilometer tief hat auch die Petrobras bislang noch nicht gebohrt.

International sind die Tiefseebohrungen umstritten: Bereits vor einigen Jahren hatte die Havarie der BP-Bohrinsel „Deepwater Horizon“ im Golf von Mexiko eine weltweite Diskussion über ihre Risiken ausgelöst. Europa strebt nun eine internationale Sicherheitskonvention über Tiefseebohrungen an, die USA haben ein Moratorium erlassen und Norwegen hat sie bereits vor Jahren verboten.

Experten warnen vor den Schwierigkeiten

„Die Herausforderungen an Technik und Material wachsen sprunghaft, je tiefer gebohrt wird“, sagt Steffen Bukold, Leiter des Forschungsbüros Energy Comment in Hamburg. „Es gibt kaum Erfahrungswerte, was bei solchen Bohrungen passiert. Das Verhalten des Zements, die Stabilität der Fördertechnik, die Tücken der Geologie – alles wird hier zum Experiment“, warnt er.

„Das Wasser in der Tiefe ist um die vier Grad Celsius kalt, und der Wasserdruck ist hoch genug, um ein Unterseeboot zu zerquetschen“, gibt auch die Gesellschaft der Erdölingenieure zu bedenken. Besonders die Druckunterschiede in den Bohrlöchern zu kontrollieren, sei extrem schwierig.

Die Investitionen in die Technologie für Bohrungen in dieser Tiefe liegen voraussichtlich im dreistelligen Milliardenbereich. 41,65 Prozent des geförderten Öls gehen an den brasilianischen Staat – das war die Voraussetzung für den Zuschlag. Die Ausschreibung für „Campo de Libra“ war die erste nach dem sogenannten Teilungsmodell. Danach bekommt der Staat neben den Anteile am geförderten Öl auch Gebühren. Das Modell legt außerdem fest, dass Petrobras mit einem Anteil von 30 Prozent Betreiber der Offshore-Operation in Libra wird. Das Konsortium muss nun zudem einen hohen Bonus an die Regierung in Höhe von 15 Milliarden Reais zahlen. Das entspricht etwa 5 Milliarden Euro.

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Von Andrea Ziech
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