17.12.2013, 12:54 Uhr | 0 |

Druckmaschinenhersteller in der Krise Koenig & Bauer richtet sich neu aus und baut bis zu 1500 Stellen ab

Der Druckmaschinenhersteller Koenig & Bauer (KBA) hat nach einem verlustreichen Jahr die strategische Neuausrichtung des Konzerns bekannt gegeben. Bis zu 1500 Arbeitsplätze sollen gestrichen werden. Auch die Aufgabe von Standorten schließt das börsennotierte Unternehmen nicht aus.

Walzen von Druckmaschinen in einer Würzburger Montagehalle von Koenig & Bauer
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Der fränkische Druckmaschinenhersteller Koenig & Bauer baut massiv Stellen ab, um aus den roten Zahlen zu kommen. Das Unternehmen will in Zukunft vor allem profitable Spezialmärkte besetzen.  

Foto: dpa/Karl-Josef Hildenbrand

Der nach eigenen Angaben zweitgrößte Druckmaschinenhersteller der Welt hat in den ersten neun Monaten dieses Jahres einen Verlust von 20,2 Millionen Euro gemacht. Nach einem Gewinn im Vorjahr war der Umsatz um 20 Prozent auf 729,9 Millionen Euro eingebrochen. Bereits in den vergangenen Jahren baute das 1817 gegründete Unternehmen mit Sitz in Würzburg etwa 2000 Stellen ab, aktuell sind rund 6200 Mitarbeiter im Konzern beschäftigt.

Druckmaschinenbranche wächst nur in einzelnen Spezialmärkten

Konzentrationstendenzen bei Verlagen und in der Printbranche hätten zur anhaltenden Investitionszurückhaltung und damit zu Überkapazitäten geführt, erklärte der Konzern. „So hat sich der Weltmarkt für Bogendruckmaschinen in den letzten Jahren halbiert, der Markt für Rollendruckmaschinen ist um rund 70 Prozent eingebrochen.“ Eine Erholung sei nicht in Sicht. Nur im Digital- und Verpackungsdruck sowie in einzelnen Spezialmärkten sei ein nachhaltiges Wachstum zu erkennen.

Vor diesem Hintergrund habe KBA in den letzten Monaten das Programm „fit@all“ entwickelt, von dem man sich eine langfristige Stärkung der Wettbewerbsfähigkeit und Profitabilität verspreche. „Wir wollen uns durch einen schnellen und radikalen Wandel hin zu einem dezentral organisierten und hochflexiblen Druckmaschinenkonzern entwickeln, der neben seinem Kerngeschäft vor allem profitable Spezialmärkte besetzt. Damit schaffen wir die Grundlage für eine nachhaltige Neuausrichtung und interessante Zukunftsperspektiven. Basis dafür ist aber zunächst die Konsolidierung unseres Kerngeschäfts“, so KBA-Chef Claus Bolza-Schünemann.

Spätestens 2016 will Koenig & Bauer wieder profitabel arbeiten

Zu den profitablen Wachstumsgebieten zählen zum Beispiel der Blechdruck (MetalPrint) und das Wertpapiermaschinengeschäft. In den Bereichen Bogenoffsetmaschinen und Rollenmaschinen stehen laut KBA „Kapazitäts- und Personalanpassungen sowie die Lösung defizitärer Produktbereiche und Vertriebseinheiten“ an.

Ein neues Standortkonzept bedeutet für einige Standorte die Verlagerung von Fertigungsaufgaben und den Abbau von Personal. Betroffen sind die fünf europäischen Standorte Würzburg, Radebeul (Sachsen), Frankenthal (Rheinland-Pfalz), Mödling (Österreich) und Dobruška (Tschechien). Die KBA rechnet damit, dass von den verabschiedeten Maßnahmen zwischen 1100 und 1500 Arbeitsplätze betroffen sind.

„Wir haben heute weitreichende Entscheidungen für KBA getroffen. Sie sind auch mit schmerzlichen Einschnitten für die Mitarbeiter verbunden. Diese Entscheidungen sind uns nicht leicht gefallen. Aber sie sind leider für die nachhaltige Zukunftssicherung unseres Unternehmens zwingend erforderlich“, unterstrich Bolza-Schünemann. Der Aufsichtsrat stimmte dem Umstrukturierungsprogramm jetzt zu. Der KBA-Chef: „Wir sollten in 2015 die ersten Früchte dieser Veränderungen sehen und spätestens in 2016 wieder nachhaltig profitabel sein.“

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Von Gudrun von Schoenebeck
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