23.10.2013, 13:31 Uhr | 0 |

BEITRÄGE GEKAUFT Wikipedia sperrt hunderte Einträge wegen Manipulation

Unternehmen bezahlen Autoren für freundliche Einträge im Internet-Lexikon Wikipedia – diesen Verdacht gibt es schon länger. Jetzt geht die Wikimedia-Stiftung offensiv gegen solche Manipulationen vor und hat 250 Nutzerkonten gesperrt.

Wikipedia
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Wikipedia steht auf Platz sechs der weltweit meistbesuchten Webseite. Jetzt kämpft das Internet-Lexikon gegen manipulierte und gekaufte Beiträge und hat 250 Benutzerkonten gesperrt.

Foto: Boris Roessler/dpa

„Sock puppetry“ klingt niedlich. Im Internetjargon verbirgt sich dahinter allerdings der Versuch, durch Einsatz mehrerer Nutzerkonten die Identität eines Autors zu verschleiern. Die „Sockenpupperei“ ist also ein Trick, der oft dazu dient, Manipulationen schwer durchschaubar zu machen. Im Fall von Wikipedia ist der Zweck klar: Tendenziöse Artikel, die zum Beispiel eine Organisation in besonders gutem Licht erscheinen lassen, sollen nicht zurückverfolgt werden können. Auch direkte Produktwerbung wird auf diese Weise platziert.

Dass es solche Versuche gibt, liegt nahe. Wikipedia hat nach eigenen Angaben rund eine halbe Milliarde Nutzer und liegt auf Platz sechs der meistbesuchten Webseiten weltweit. Da ist es schon von Bedeutung, wie ein Unternehmen, eine Ware oder auch eine Partei in der Darstellung wegkommt. Andererseits lebt das Internet-Lexikon von seinem guten Image, das vor allem durch tausende ehrenamtlich engagierte Autoren und Redakteure geprägt ist.

Deutschland nicht betroffen

In verschiedenen Tests hat Wikipedia in den vergangenen Jahren teils kaum schlechter, teils sogar besser als der Brockhaus abgeschnitten. Zuverlässigkeit und vor allem Aktualität sind das große Plus der Online-Enzyklopädie. Um diesen Status zu wahren, will der Träger, die Wikimedia-Stiftung, nun aktiv Manipulationen ausbremsen. Rund 250 Nutzerkonten wurden jetzt gesperrt, weil ihnen einseitige Darstellungen nachgewiesen wurden.

Nach Angaben von Wikipedia Deutschland sind hierzulande keine Konten betroffen. Die Kommentare im Netz zu dieser Nachricht sind indes eindeutig: Warum sollte ausgerechnet Deutschland ausgenommen sein?

Appell an Unternehmen

Die Wikimedia-Stiftung lebt von freiwilligen Spenden und sieht ihre Finanzgrundlage durch solche image-schädigenden Eingriffe gefährdet. Exekutiv-Direktorin Sue Gardner kündigte deshalb weitere Untersuchungen an. Vorerst appelliert sie vor allem an Unternehmen: „Firmen, die auf Wikipedia Eigenwerbung betreiben, stehen in der Presse und in der ganzen Öffentlichkeit in der Kritik. Sie sollten sich ethisch und transparent verhalten.“ Letztlich würden sich die Unternehmen selbst schaden, meint Gardner. Sie kündigte schon an, dass es bei der einmaligen Sperraktion nicht bleiben werde: „In den nächsten Wochen werden wir noch mehr mitzuteilen haben.“

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Von Werner Grosch
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