13.10.2015, 15:38 Uhr | 0 |

Aus für Anti-Reklame-Programm Warum Bild.de mit Adblocker nicht mehr nutzbar ist

Der Verlag Axel Springer hat die Nase voll von Anti-Reklame-Software: Internet-User, die Adblocker nutzen, können deswegen keine Artikel mehr auf Bild.de lesen. Denn ohne Werbeeinnahmen lassen sich die Internetredaktionen nicht finanzieren. Usern bleiben zwei Möglichkeiten. 

Adblocker bei BILD
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Internet-User, die einen Adblocker zur Unterdrückung von Werbung nutzen, können ab sofort das Online-Angebot von Bild.de nicht mehr nutzen.

Foto: Bild.de

Pantoffeln und Morgenmantel anziehen, Kaffee einschenken, an den Schreibtisch setzen und sehen, was es auf Bild.de Neues gibt. Natürlich mit Adblocker, damit keine nervige Werbung aufpoppt. Der gewohnte Luxus ist jetzt vorbei. Denn der Verlag Axel Springer sperrt seit heute Werbeblocker-User von der Website aus. Sie lesen stattdessen die Einblendung: „Mit aktiviertem Adblocker können Sie Bild.de nicht mehr besuchen.“

Lösung: Adblocker ausschalten oder 2,99 € zahlen

Nach kurzem Stirnrunzeln bleiben dem User zwei Möglichkeiten: Entweder er deaktiviert den Adblocker im Browser und kann sofort wieder gratis auf der Website surfen. Oder er greift ins Portemonnaie und abonniert Bildsmart für 2,99 €. Axel Springer garantiert dann nicht nur den gewohnten Content nahezu werbefrei, sondern auch bis zu 50 % schnellere Ladezeiten.

23 % der Bild.de-Leser benutzen Adblocker

Warum hat sich der Verlag als erster großer Publisher für diesen radikalen Weg entschieden? Weil immer mehr Bild.de-Nutzer Werbeblocker nutzen – mittlerweile sind es 23 % – und zunehmend mehr Werbeeinnahmen als finanzielle Basis wegbröseln. Allgemein sind derzeit 25 % der Internet-User mit Adblockern im Netz unterwegs.

Unter dem Problem leiden alle Verlage: Sie leisten sich Online-Redaktionen, die sich oft nur teilweise über Werbung refinanzieren lassen. Und wenn immer mehr User Werbeblocker einsetzen, verschlechtert sich die Ertragslage zusätzlich. Auch Ingenieur.de ist auf Werbung angewiesen.

Dass immer mehr Internetleser die Werbung mit Software unterdrücken, ist auf Dauer nicht tragbar, erklärt Donata Hopfen, Vorsitzende der Verlagsgeschäftsführung der Bild-Gruppe: „Auch im Netz müssen sich journalistische Angebote über die beiden bekannten Erlössäulen, nämlich Werbe- und Vertriebseinnahmen, finanzieren, um weiterhin unabhängigen Journalismus zu bieten.“

Axel Springer streitet mit Adblocker-Anbieter Eyeo vor Gericht

Um Einnahmen zu retten, hat der Verlag auch den juristischen Weg beschritten. Und zwar gegen den Werbeblocker-Anbieter Eyeo aus Köln. Bislang erfolglos. Das Kölner Landgericht sieht im Geschäft von Eyeo kein illegales Treiben. Ein Urteil, gegen das der Verlag in Berufung gehen will.

„Axel Springer hält das Geschäftsmodell von Adblock-Anbietern für rechtswidrig“, schreibt der Verlag. „Dies gilt sowohl für das Unterdrücken von Werbung auf Verlagswebseiten als auch für das Angebot des Whitelistings, bei dem sich Publisher von der Werbeblockade freikaufen können, ein aus Sicht von Axel Springer erpresserisches Vorgehen.“

Eyeo gibt sich gelassen: „Wir begrüßen den Schritt von Bild.de, mit den Nutzern von Adblockern in einen Dialog zu treten“, teilte das Unternehmen auf Anfrage von Golem.de mit. „Jeder Nutzer kann mit Adblock Plus immer selbst entscheiden, ob er eine Website aufgrund ihrer guten Inhalte unterstützen möchte, und ob er ihre Werbung für akzeptabel hält.“ Ob dies im Falle von Bild.de der Fall sei, könne jeder Nutzer für sich selbst entscheiden.

Interessant übrigens: Das hochwertige Angebot von Welt.de gibt es derzeit auch noch mit eingeschaltetem Adblocker. Aber sicher nicht mehr lange.

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Von Patrick Schroeder
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