17.07.2013, 09:30 Uhr | 0 |

Erst am Anfang TV: Verloren in den Weiten des Netzes

Sämtliche Fernsehsender haben ihre Netzpräsenz in den letzten Jahren massiv ausgebaut. Auch Produktionsunternehmen wie Endemol oder die Ufa starteten eigene Youtube-Kanäle. Doch wie finden diese Angebote im Netz ihr Publikum?

TV: Verloren in den Weiten des Netzes - Teaser
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Etablierte Netzangebote der TV-Sender, hier die Mediathek des ZDF, erfreuen sich großer Beliebtheit. Doch ohne bekannte Marke im Rücken tun sich TV-Angebote im Word Wide Web schwer, überhaupt gefunden zu werden. 

Foto: Screenshot

Darüber sind sich alle einig: Die Zukunft von TV liegt im Internet. Sämtliche Fernsehsender haben ihre Netzpräsenz ausgebaut, Produktionsunternehmen wie Endemol oder die Ufa starteten über Youtube eigene Kanäle. Aber: Die Nutzerzahlen sind gemessen am Fernsehmaßstab noch verschwindend gering.

Was für Anbieter audiovisueller Inhalte zunächst wie ein weiteres Geschäftsmodell aussah, ist eine Herausforderung: Wie bekommen die Nutzer überhaupt mit, dass es diese Angebote im unendlichen Web gibt? Und wie können sie gefunden werden? Mit diesen Fragen beschäftigte sich in Köln die Internationale Konferenz für Design, Promotion und Marketing des Branchenverbandes Eyes & Ears of Europe.

Promotion, Marketing und Design spielen wichtigere Rolle

Das Resümee: Wer einen großen Sender im Rücken hat, der hat es leichter. "Ohne ein Leuchtturmelement wird es natürlich schwieriger, Aufmerksamkeit in den neuen Medien zu erzeugen", bestätigt Sebastian Krüger von ProSiebenSat.1. Promotion, Marketing und Design spielen für und in der neuen Medienwelt eine größere Rolle als je zuvor. Diese drei Elemente, so die Geschäftsführerin von Eyes & Ears, Corinna Kamphausen, würden gemeinsam den Markenkern der einzelnen Formate und Sendungen formen. "Und dieser Markenkern und die gesamte Markenwelt müssen erlebt und wieder erkannt werden, damit eine Geschichte über mehrere Medien getragen und verstanden werden kann."

Doch "normale" Fernsehinhalte ins Netz zu stellen, ist "wohl kaum die Lösung, wenn es um funktionierende Modelle gehen soll", mahnt Andrea Bednarz. Die Geschäftsführerin der Agentur Luxlotusliner erklärt: Zunächst "ist es wichtig, die richtigen audiovisuellen Inhalte, die im Internet gezeigt werden sollen, auszuwählen." Serien mit zwei bis dreiminütigen Minifolgen wären z. B. Inhalte, die originär in den neuen Medien funktionieren könnten. Dazu müssten aber Blogs und Communities, die eine Verbindung zum Thema haben könnten, gezielt angesprochen werden.

Alleinstellungsmerkmal gegenüber dem Fernsehen muss sein

Das sieht der Geschäftsführer des Produktionsunternehmens Eyeworks Germany, René Jamm, ähnlich: "Bei Netzpublikationen spielen die Peergroups natürlich eine große Rolle. Die betreffende Peergroup muss zu dem jeweiligen Thema über verschiedene soziale Netzwerke erreicht werden, am besten gleich über mehrere Kanäle wie Facebook, Twitter, Youtube, Instagram etc." Inhalte, die nur über das Netz veröffentlicht werden, müssten zudem unbedingt ein Alleinstellungsmerkmal gegenüber dem Fernsehen haben.

Wie der Sprung in die neuen Medien gelingen kann, hat gerade die Gebrüder Beetz Filmproduktion erfahren. Die Dokumentarfilmer haben zu ihrer Produktion "Wagnerwahn" über den Komponisten Richard Wagner eine App entwickelt. Sie stellt, so Geschäftsführer Christian Beetz, eine Verschmelzung von Animationen, Musik, historischen Briefen, Dokumenten, Fotografien und der Musikvisualisierung des ‚Fliegenden Holländers‘ dar.

"Die Herausforderung bei der Gestaltung einer App ist nicht alleine die Umsetzung, sondern auch die Einreichung im App Store, bei der viele Apple-Richtlinien einzuhalten sind", beschreibt Beetz seine Erfahrungen. Nachdem man die App am Geburtstag des Meisters umsonst angeboten hatte, hielt sie sich über eine Woche in den Top-Drei-Charts der Kategorie Bücher im App Store.

Die Hoffnung jedenfalls, dass es möglich wird, für das Internet Inhalte zu produzieren, die Fernsehqualität besitzen und die sich selbst refinanzieren, wird sich noch lange nicht erfüllen. "Das ist zurzeit nur durch Kooperationen mit großen Marken möglich", sagt Jens-Uwe Bornemann von der UFA Film & TV Produktion. 

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Von Wilfried Urbe | Präsentiert von VDI Logo
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