16.12.2016, 13:01 Uhr | 0 |

Algorithmen und Faktenchecker So geht Facebook gegen Fake-News vor

Falschnachrichten schiebt Facebook-Chef Mark Zuckerberg zukünftig den Riegel vor – mit Hilfe der User, Faktencheckern und Algorithmen. Man konzentriere sich auf „die Schlimmsten der Schlimmen".

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Facebook-Chef Mark Zuckerberg schiebt Falschmeldungen einen Riegel vor: "Wir sind eine neue Art des öffentlichen Diskurses."

Foto: Kay Nietfeld/dpa

Zukünftig wird es auf Facebook neue Funktionen geben, um Fake-News zu unterbinden. Derzeit testet Facebook mit einer kleinen Nutzergruppe ein Feature, mit dem sie vermeintliche Falschnachrichten markieren, teilte Vize-Chef Adam Mosseri in einem Blog mit. Die User dürfen auch weitere Maßnahmen vorschlagen – etwa eine Kennzeichnung oder eine Sperrung des Absenders. Man wolle „den Leuten eine Stimme geben“, könne aber nicht selbst „über die Wahrheit entscheiden“.

Facebook arbeitet mit Faktencheckern zusammen

Die Meinung der Facebook-User reicht aber nicht aus, um eine Meldung als falsch zu deklarieren. Das übernimmt zukünftig ein Verbund von Faktenprüfern namens Poynter´s International Fact Checking Code of Principles, zu dem auch Factcheck.org und ABC News gehören.

Kommt der Verbund zur Überzeugung, dass die Tatsachen nicht stimmen, erhält der Beitrag einen Hinweis inklusive Argumentation. Facebook löscht die Meldung dann aber nicht. Sie erfährt durch die Algorithmen aber eine niedrigere Gewichtung, sodass sie seltener in der Timeline der Nutzer auftaucht.

Facebook: Konzentration auf die Schlimmsten der Schlimmen

Facebook geht zudem gegen kriminelle Spammer vor, die Falschnachrichten nutzen, um Facebook-Mitglieder auf ihre Seiten zu locken und Werbegelder einzusacken. Das Unternehmen untersucht die Webseiten und verhindert bei Auffälligkeiten das Verlinken. Mosseri: „Wir konzentrieren unsere Bemühungen auf die Schlimmsten der Schlimmen, auf die klaren Fälschungen, die von Spammern verbreitet werden, um daran zu verdienen, und darauf, unsere Community und externe Organisationen in diesen Kampf einzubinden.“

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Auch er ist Opfer einer Falschmeldung: Papst Franziskus hat einer Fake-News zufolge die Wahl von Donald Trump befürwortet. 

Foto: Giorgio Onorati/dpa

Mark Zuckerberg, der gerade im Sturm einer Datenschutzdebatte steht, hält all diese Maßnahmen für gerechtfertigt. „Wir sind eine neue Art des öffentlichen Diskurses. Das bedeutet, dass wir ebenso auch eine neue Art der Verantwortung haben, dass die Menschen sinnvolle Konversation führen können“, sagt der Facebook-Chef. „Wir müssen einen Ort schaffen, an dem sie sich informieren können.“

Prominente Opfer: Renate Künast und Papst Franziskus

Was falsche Nachrichtenmeldungen anrichten, hat Renate Künast am eigenen Leib erfahren. In der Debatte um den Mord an einer Freiburger Studentin musste die Grünen-Politikerin zusehen, wie sich ein gefälschtes Zitat von ihr im Sozialen Netzwerk wie ein Lauffeuer verbreitete: „Der traumatisierte junge Flüchtling hat zwar getötet, man muss ihm aber jetzt trotzdem helfen“, hat sie laut Falschmeldung der Süddeutschen Zeitung gesagt.

Mittlerweile hat die Politikerin Strafanzeige gestellt. Eine Fake News machte auch die Runde während der US-Präsidentenwahl. Angeblich hatte Papst Franziskus die Wahl von Donald Trump befürwortet. 

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Von Patrick Schroeder
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