09.04.2013, 09:00 Uhr | 0 |

Rekordumsatz von 6 Mrd. Euro RTL will mit TV und Internet weiter wachsen

Mit einem Rekordumsatz von über 6 Mrd. € gehört die RTL Group zu den Kronjuwelen im Hause Bertelsmann. Doch um Investitionen stemmen zu können, erwägt Bertelsmann-Chef Thomas Rabe, die Beteiligung an der Sendergruppe zu reduzieren. Dort setzt man noch stärker auf nonlineare TV-Angebote: Verpasstes online abrufen – durch Werbung finanziert.

RTL-Show "Wer wird Millionär"
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"Wer wird Millionär" mit Günther Jauch ist einer der Quotenbringer des Kölner Privatsenders RTL. Jetzt will die Bertelsmann-Tochter auch durch Internet-Angebote wie werbefinanzierte Video-Downloads wachsen.

Foto: dpa/Henning Kaiser

"Wir haben im Jahr 2012 so wenig investiert wie kaum in einem Jahr zuvor", musste Thomas Rabe, Vorstandsvorsitzender von Bertelsmann, kürzlich während der Bilanzpressekonferenz eingestehen. Aber im Buch- und Musikgeschäft wurde doch noch Geld ausgegeben, vor allem mit dem Kauf von Penguin und der vollständigen Übernahme des Musikverlags BMG. "Wir können diese vollständig aus vorhandener Liquidität finanzieren", so die neue Finanzchefin Judith Hartmann.

Für beliebig weitere Investitionen reicht es aber dann doch wohl nicht so ganz. "Wir prüfen, unsere Beteiligung an der RTL Group auf bis zu 75,1 % zu reduzieren. Dies würde uns die nötige Kapitalbasis für den weiteren Konzernumbau geben – ohne dass wir unseren Führungsanspruch bei der RTL Group aufgeben müssten", ist Rabe zuversichtlich. Der Verkauf des 17 %-Anteils soll möglichst bald in Form von 25 Mio. Aktien erfolgen. Insider gehen davon aus, dass damit rund 1,5 Mrd. € in die Kassen der Bertelsmänner gespült werden könnten.

Umsatz stieg um 3,2 %

Dass der Bertelsmann-Chef "von der langfristigen Attraktivität des Fernseh- und TV-Produktionsgeschäfts" überzeugt ist, verwundert nicht, konnte die RTL Group doch im vergangenen Jahr den Umsatz um 3,2 % erstmals auf über 6 Mrd. € steigern und somit "das erfolgreichste Jahr ihrer Geschichte" feiern. Das lag vor allem an der Mediengruppe RTL Deutschland unter dem Führungsduo Anke Schäferkordt und Gui-
llaume de Posch sowie der Produktionstochter Fremantle Media. Verlustbringer waren die Fernsehwerbemärkte in Frankreich, den Niederlanden und Spanien. So sank denn auch das operative Ergebnis (Ebit) von 1,121 Mrd. € auf 1,065 Mrd. €, die Umsatzrendite fiel von 19,3 % auf 17,7 %. Immerhin wurde damit im dritten Jahr in Folge ein Milliardenergebnis eingefahren.

Die RTL Group startete 2012 fünf neue Sender, darunter RTL Nitro in Deutschland und 6ter in Frankreich. Die Video-on-Demand-Angebote wurden insgesamt 2,4 Mrd. Mal abgerufen – ein Zuwachs von 25 % zum Vorjahr. Den Anteil der nicht-linearen TV-Nutzung in Westeuropa vermutet Anke Schäferkordt mittelfristig bei rund 10 %, "auch wenn die Zahlen heute noch deutlich kleiner sind". Dennoch sei die lineare Nutzung in Europa auch 2012 in vielen Ländern weiter gestiegen oder auf hohem Niveau stabil geblieben – mit der non-linearen Nutzung "on top".

Videoabrufe per Internet werden immer wichtiger

In Deutschland hätte sich die Verbreitung von Smartphones und Tablets zwischen 2011 und 2012 verdoppelt und der Anteil der mobilen Videoabrufe mache mit über 300 Mio. bereits mehr als 10 % der nichtlinearen Nutzung aus. Die Senderfamilien setzen also aufs Internet, bieten Non-lineares über die RTL-Now-Familie.

"Unser Fokus liegt damit klar auf den sogenannten Catch-Up-TV-Angeboten, bei denen Nutzer verpasste Sendungen kostenlos abrufen können – finanziert durch Werbung", so Schäferkordt. "Unser Ziel ist es, im Bereich der Onlinevideowerbung eine führende Marktposition in Europa einzunehmen."

Parallel zu den Angeboten der Fernsehsender seien andere "Bewegtbild-Ökosysteme" entstanden, "nämlich Online-Videonetzwerke, die den Begriff des Nischensenders neu besetzen und weltweit über Youtube oder Dailymotion abrufbar sind", so Schäferkordt. "Mehr als 4,5 Mrd. Videos wurden im Jahr 2012 über die rund 100 Youtube-Kanäle von Fremantle Media abgerufen."

Zudem würden mit "Second-Screen-Angeboten" wie RTL Inside die Zuschauer enger an die Sender- und Format-Marken gebunden. RTL will nun neue, ergänzende Onlinemarken aufbauen, um weitere wachstumsstarke Märkte zu erschließen und Erlösquellen weiter zu diversifizieren. Für Schäferkordt ist wichtig, "dass die nonlineare Nutzung auch adäquat gemessen wird, ist doch der Ausweis die Basis für die Kapitalisierung". In Deutschland sei schon 2013 mit ersten Zahlen zu rechnen.

Übertragung per DVB-T wird aufgegeben

Auch wenn die Mediengruppe RTL Deutschland in den vergangenen Jahren die Präsenz ihrer TV- und Radio-Sender im Online- und Mobile-Markt ausgebaut hat, so wird dennoch der terrestrische Ast, die Übertragung via DVB-T Ende nächsten Jahres zur Amputation freigegeben. Eine Entscheidung, "die wir uns nicht leicht gemacht haben", wie Anke Schäferkordt auf Nachfrage der VDI nachrichten erklärte.

Sie begründet es mit einem "Wechsel in der Verbreitungsform von DVB-T1 auf DVB-T2", wobei die Zuschauer sich neue Endgeräte anschaffen müssten. Dieser Wechsel ist jedoch längst noch keine beschlossene Sache. "Diese Investitionen hätten wir nur getätigt auf der Grundlage einer verlässlichen Entscheidung, dass die Frequenzen auch langfristig für den Rundfunk zur Verfügung gestanden hätten." Vor allem vor dem Hintergrund der Diskussionen über die "digitale Agenda" habe die Politik keine klare Investitionsgrundlage geben und diese Frequenzen langfristig für den Rundfunk sichern können. "So macht es weder für uns Sinn, deutlich zweistellige Millionenbeträge in diesen Verbreitungsweg zu investieren, noch für den Verbraucher, neue Endgeräte anzuschaffen, die nicht nachhaltig bedient werden." Dass dies auch anders bewertet kann, macht die Entscheidung von ProSiebenSat.1 deutlich, mindestens bis 2018 DVB-T weiter zu unterstützen.

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Von Rainer Bücken | Präsentiert von VDI Logo
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