08.07.2014, 11:34 Uhr | 0 |

17.600 News pro Jahr Nachrichtenagentur AP lässt Meldungen von Robotern schreiben

Bei der US-amerikanischen Nachrichtenagentur AP haut zukünftig eine Software in die Tasten: Sie schafft pro Quartal 4400 Börsennews, ihre menschlichen Kollegen lediglich 300. Diese sollen dann mehr Zeit haben, kritisch über die Zahlen zu berichten. 

Einen klavierspielenden Roboter konnten Besucher auf der Hannover Messe 2014 bestaunen.
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Einen klavierspielenden Roboter konnten Besucher auf der Hannover Messe 2014 bestaunen. Eine nette Inspiration für die Gestalt eines Roboter-Reporters. Denn bislang ist die schreibende Software bei AP körperlos. 

Foto: dpa/Peter Steffen

„Wir glauben, dass die technologische Automation in vielen Betrieben Einzug halten wird, inklusive der Medien“, sagt Lou Ferrara. Der Vizepräsident und Redaktionsleiter von Associated Press (AP), nach eigenen Angaben die Nachrichtenagentur, der die Welt am stärksten vertraut, weiß wovon er spricht. Bereits seit einigen Jahren arbeitet AP im Sportressort mit automatisierten Daten. So bietet die Nachrichtenagentur im Internet eine Rangliste der amerikanischen Profi-Footballspieler. Wer gegen wen wie viele Yards und Touchdowns gemacht hat, ist hier ausführlich in kurzen Texten nachzulesen.

Die Daten kommen vom Sportstatistikanbieter STATS, die Aufbereitung übernimmt der Computer. Das Programm dazu hat AP gemeinsam mit Automated Insights entwickelt, ein Unternehmen, das auch die patentierte Software Wordsmith entwickelt hat. Sie untersucht mit komplexen Algorithmen das Internet und analysiert Neuigkeiten zu einem bestimmten Thema. Die Texte, die das Programm anhand dieser Informationen schreibt, sind für normale Leser nicht mehr als maschinell erstellt erkennbar.

Software schafft 4400 News pro Quartal

Jetzt will Lou Ferrara bei AP den nächsten Schritt im Roboter-Journalismus tun. Wieder ist Automated Insights mit von der Partie, aber dieses Mal kommen die Daten vom Unternehmen Zacks Investment Research, das sich auf die Analyse von Börsennachrichten spezialisiert hat. Noch im Juli soll es losgehen.

Dann entstehen mit Hilfe der automatisierten Daten Meldungen über die Quartalsberichte amerikanischer Unternehmen. „Über viele Jahre hinweg haben wir viel Zeit damit verbracht, die Informationen, die wir von Unternehmen zu ihren Quartalszahlen bekommen haben, zusammenzufassen“, schreibt Lou Ferrara im Blog seiner Nachrichtenagentur. Etwa 300 Berichte habe man so pro Quartal geschafft. Jetzt werde man kurze Berichte, zwischen 150 und 300 Wörtern, völlig automatisiert erstellen können. Aber nicht 300 wie bisher, sondern bis zu 4400 pro Quartal.

Automatisierte Berichte werden für Leser kenntlich gemacht

Arbeitsplätze werde das nicht kosten, versichert Lou Ferrara. Während das System die Kurzberichte automatisch erstelle, hätten die Reporter mehr Zeit, Geschichten darüber zu schreiben, was die Zahlen bedeuten und welche Trends zu erkennen sind. Beides, der automatisierte Kurztext und die journalistische Analyse, werde dann gleichzeitig erscheinen. „Es geht hier nicht darum, Jobs zu streichen, sondern die Technologie einzusetzen, damit Journalisten freier arbeiten können“, so Ferrara.

Die automatisierten Berichte würden überdies für den Leser kenntlich gemacht. Fürs erste würden bei AP außerdem alle automatisierten Berichte gecheckt, bevor sie im Ticker der Nachrichtenagentur veröffentlicht würden, betont Ferrara. „Später hoffen wir, auf ein völlig automatisiertes System umsteigen zu können, dass wir nur noch stichprobenartig prüfen.“ 

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Von Gudrun von Schoenebeck
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