14.01.2014, 15:13 Uhr | 0 |

Bezahlschranken im Internet Jeder Vierte zahlt für redaktionelle Inhalte im Netz

Ein Viertel aller deutschen Internetnutzer geben Geld für journalistische Inhalte im Netz aus. Nach der neuen repräsentativen Umfrage des Branchenverbandes Bitkom bezahlen die Leser dafür durchschnittlich 13,60 Euro im Monat. Immer mehr Redaktionen bauen Bezahlschranken für ihr Online-Angebot auf.

Kostenpflichtiges Online-Angebot Bild
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Nach einer aktuellen Bitkom-Umfrage bezahlen Internet-Leser redaktioneller Inhalte durchschnittlich 13,60 Euro im Monat. Immer mehr Redaktionen bauen Bezahlschranken für ihr Online-Angebot auf.

Foto: Screenshot ingenieur.de

25 Prozent aller Internetnutzer in Deutschland lassen sich von sogenannten Bezahlschranken nicht abschrecken und geben Geld für journalistische Inhalte im Netz aus. Der Hightech-Verband Bitkom hatte eine repräsentative Umfrage in Auftrag gegeben, für die 766 Internetnutzer ab 14 Jahren befragt worden waren. Der Großteil der zahlenden Leserschaft, 31 Prozent, liegt dabei bei den 30- bis 49-jährigen Nutzern. Ab 65 Jahren sinkt die Bereitschaft, für journalistische Inhalte im Netz zu zahlen auf 13 Prozent.

„Kostenlos-Kultur im Internet weniger stark ausgeprägt“

„Die so genannte Kostenlos-Kultur im Internet ist weniger stark ausgeprägt, als immer wieder angenommen wird“, kommentierte Bitkom-Vizepräsident Achim Berg das Ergebnis der Umfrage. Viele Verbraucher wären bereit, für interessante redaktionelle Inhalte im Web zu bezahlen, wenn sie einen angemessenen Preis hätten und sich bequem abrechnen ließen. Laut Umfrage geben 17 Prozent der Internetnutzer Geld für einzelne journalistische Beiträge aus und ebenfalls 17 Prozent zahlen für ein Monatsabo. Durchschnittlich lassen sich die Leser das Online-Angebot 13,60 Euro im Monat kosten.

Die Zahl der Bezahlschrankenverweigerer ist mit 61 Prozent aber nach wie vor hoch. Sie gaben an, auch in Zukunft kein Geld für redaktionelle Inhalte ausgeben zu wollen. Als Grund dafür nannten 65 Prozent der Nichtzahler, dass ausreichend kostenlose journalistische Inhalte im Internet verfügbar seien. 44 Prozent meinten, dass die Qualität der Angebote keine Bezahlung rechtfertige und jeweils ein Drittel der Nichtzahler fanden Artikel oder Abo entweder zu teuer oder die Abrechnung zu kompliziert. Bitkom sieht dennoch ein hohes, noch nicht ausgeschöpftes, Potenzial für Bezahlmodelle, denn fast ein Drittel derjenigen, die noch kein Geld für journalistische Inhalte ausgeben, würden sich grundsätzlich aber dazu bereit erklären. Das entspräche rund zwölf Millionen potenzieller Kunden.

Die Zahl der Medien, die Bezahlschranken für ihre redaktionellen Inhalte einführen, ist in den letzten Jahren deutlich gestiegen. Immer mehr Redaktionen trauen sich, für das Angebot an Qualität und Orientierung im großen, für viele Leser undurchschaubaren Strom der Nachrichtenflut Geld zu verlangen. Nach Angaben des Bundesverbands Deutscher Zeitungsverleger nutzen derzeit 74 Online-Angebote von Zeitungen entsprechende Abrechnungsmodelle. Im Jahr 2011 hatten dagegen nur zehn Titel ein Bezahlangebot im Netz.

Derzeit 74 Online-Angebote von Medien mit unterschiedlichen Zahlmodellen

Mit rund 70 Prozent am weitesten verbreitet ist das so genannte Freemium-Modell, bei dem die Redaktionen entscheiden, welche Inhalte kostenpflichtig sind und welche nicht. Beim Metered-Modell ist eine bestimmte Anzahl Artikel kostenlos, erst dann wird eine Bezahlschranke eingezogen. Bei der dritten Variante sind sämtliche Inhalte kostenpflichtig und werden erst nach Buchung eines Abos freigeschaltet.

Als einer der ersten überregionalen Medien in Deutschland setzte „Die Welt“ bereits 2012 auf bezahlten Inhalt mit dem Metered-Modell. Mitte 2013 startete auch das Online-Angebot bild.de mit einem eigenen Bezahlangebot. Bei „Bild plus“ findet der zahlungswillige Leser Exklusivberichte, Interviews, Fotos und weite Teile der Sportberichterstattung. Sechs Monate später zeigt sich Bild-Chefredakteur Kai Diekmann mit dem Ergebnis von 150.000 Bild-plus-Abonnenten sehr zufrieden. Das wären mehr als viele Regionalzeitungen in Deutschland überhaupt an Käufern hätten, sagte er in einem Interview mit dem Mediendienst kress.

Das Geschäftsmodell der Bezahlschranke könne erfolgreich werden, so Diekmann, weil die Kosten in der digitalen Welt gegenüber der gedruckten Zeitung wesentlich niedriger seien. Zum publizistischen Erfolg gehöre der wirtschaftliche Erfolg dazu. „Wo kein Geld ist, gibt es auch keinen Journalismus.“ Auf Dauer sei es kein Geschäftsmodell, seine Inhalte kostenlos im Netz zu verschenken. Das funktioniere nicht. Die Zeit sei jetzt außerdem reif für Bezahlmodelle, weil die Technik nun auch soweit sei und der Nutzer heutzutage problemlos im Internet bezahlen könne.

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Von Gudrun von Schoenebeck
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