12.02.2016, 14:11 Uhr | 0 |

Aus für Fehlentscheidungen? Fußball-Bundesliga will Videobeweis testen

Es könnte das Aus für eklatante Fehlentscheidungen bedeuten: Die Fußball-Bundesliga will den Videobeweis testen. Andere Sportarten sind davon längst überzeugt. Im Eishockey, Basketball, Fechten, Tennis und Handball können die Schiedsrichter zum Teil schon lange auf Videotechnik zurückgreifen.

Der Dortmunder Mats Hummels (l) im Zweikampf mit dem Münchener Mario Mandzukic
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Abseits, Foul oder Handspiel: Immer wieder sind solche Entscheidungen spielentscheidend. Und immer wieder liegen Schiedsrichter daneben. Doch das könnte sich bald ändern. 

Foto: Andreas Gebert/dpa

Wie ungerecht Fußball sein kann, zeigte sich am 30. Januar 2016: Im Bundesligaspiel zwischen Borussia Dortmund und dem FC Ingolstadt, das der BVB 2:0 gewann, traf Schiedsrichter Guido Winkmann gleich drei folgenschwere Fehlentscheidungen zugunsten der Dortmunder – unter anderem gab er den Abseitstreffer von Pierre-Emerick Aubameyang zum 1:0, übersah ein Handspiel vor dem 2:0 und erkannte ein blitzsauberes Eigentor der Dortmunder nicht an, das die Ingolstädter 1:0 in Führung gebracht hätte.

Und wieder einmal ist die Empörung der Fußballfans entsprechend groß. Knapp 84 Prozent der deutschen Fußballfans wollen mittlerweile den Videobeweis, zeigt eine Umfrage des unabhängigen Marktforschungsunternehmens SLC Management. Sie könnten ihn bekommen.

DFL und DFB haben sich für Testphase beworben

Die Deutsche Fußball Liga (DFL) und der Deutsche Fußball-Bund (DFB) haben sich bei der Fifa für eine Testphase beworben, teilte die DFL nach einer Sitzung des Ligavorstands in Frankfurt mit. Jetzt muss am 5. März nur noch die International Football Association (Ifab) des Weltverbandes zustimmen. Dann bekommen die Schiedsrichter bei Bundesligaspielen zwei Jahre lang technische Unterstützung: den Video Assistant Referee (VAR).

Dabei handelt es sich um einen Schiedsrichter-Assistenten, der möglicherweise schon ab Sommer kritische Spielszenen in Zeitlupe auf einem Monitor beobachtet. Auf Wunsch bewahrt er dann den Unparteiischen vor Fehlentscheidungen.

Videobeweis in anderen Sportarten längst Alltag 

Andere Sportarten sind beim Thema schon viel weiter. In der amerikanischen Football-Liga NFL beispielsweise können Teamcoaches bei umstrittenen Entscheidungen ganz selbstverständlichen einen Videobeweis verlangen.

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Auch in den Niederlanden laufen Tests mit dem Videobeweis. Der Schiedsrichter-Assistent beobachtet dabei kritische Spielszenen in Zeitlupe. 

Foto: Koen Van Weel/dpa

Die technische Hilfe ist auch fester Bestandteil des Eishockeys. Bei zweifelhaften Entscheidungen sehen sich die Referees der nordamerikanischen Profi-Liga NHL Bilder von Kameras an, die über den Toren installiert sind. Coaches haben zudem einmal pro Spiel die Möglichkeit, Entscheidungen überprüfen zu lassen. Auch in der Deutschen Eishockey-Liga (DEL) arbeiten die Schiedsrichter mit dem Videobeweis – bereits seit 15 Jahren.

Auch Cricket, Ski alpin und Ringen nutzen Videotechnik

Und im Tennis? Dort kommt das Hawk-Eye zum Einsatz, ein computergestütztes System zur Ballverfolgung, das jeder Spieler pro Satz dreimal in Anspruch nehmen darf. Doch es gibt noch viel mehr Sportarten, die den Videobeweis als Instrument bei strittigen Szenen eingeführt haben.

Zum Einsatz kommen Kameras auch im Ringen, Fechten, Cricket und Basketball, im Volleyball, Ski alpin und Handball. Der Fußball wäre also alles andere als Pionier in den Anwendung der Videotechnik, sondern hinkt hinterher. Ob und wann die Videotechnik tatsächlich eingeführt wird und ob auch die Teams bei strittigen Szenen wie in Dortmund den Videobeweis verlangen können, ist noch offen. Schließlich hat auch die Torlinientechnik einen langen Weg hinter sich. 

Skuril: Beim besagten Spiel in Dortmund hatten die Ingolstädter bei einer Wiederholung des Absatztores von Aubameyang auf einem Stadionbildschirm die Abseitsstellung klar gesehen und den Schiedsrichter darauf hingewiesen. Der aber durfte seine Fehlentscheidung nicht zurück nehmen – das wäre der Videobeweis durch die Hintertür gewesen.

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Von Patrick Schroeder
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