06.01.2017, 08:12 Uhr | 0 |

Apps gelöscht Apple macht sich zum Helfer chinesischer Zensoren

Apple hat sich zum Helfershelfer der chinesischen Zensur gemacht: Der weltgrößte IT-Konzern hat den „Wunsch“ der chinesischen Behörden erfüllt, die App der New York Times aus dem chinesischen App Store zu löschen. Blöd nur, dass das weltweit Schlagzeilen macht.

Chinesische Ausgabe der New York Times
Á

Die chinesische Ausgabe der New York Times wird seit vier Jahren von den Zensoren blockiert. Nur von außerhalb Chinas ist die Seite erreichbar. Jetzt hat Apple auf Bitte der Zensurbehörde auch die Apps der New York Times für Chinesen aus dem App Store gelöscht.

Foto: New York Times

Wer, wenn nicht Apple, hätte den chinesischen Zensoren die Stirn bieten können? Apple ist der größte Computer- und IT-Konzern der Welt und nicht irgendwer in der Informationstechnik. Und doch hat Apple offenbar ohne großen Widerstand den Wunsch der chinesischen Behörden erfüllt und die Apps der New York Times im chinesischen App Store gelöscht.

Seit vier Jahren wird New York Times in China behindert

Das ist gerade für die chinesischen Internet-User ausgesprochen ärgerlich, weil seit mehreren Jahren unabhängige Nachrichtenseiten von den chinesischen Zensoren blockiert werden. Das betrifft insbesondere auch die chinesisch-sprachige Ausgabe der New York Times, die seit vier Jahren von China aus nicht angewählt werden kann.

Damals hatte die New York Times in mehrere Artikeln über den Reichtum der Familie des damaligen Ministerpräsidenten Wen Jiabao berichtet. Nicht erreichbar sind aus China auch Nachrichtenseiten von Reuters, der Deutschen Welle und der Financial Times. Auch Facebook und Twitter werden in China blockiert.

Auch chinesische App-Version der Times gelöscht

Doch bislang konnten Chinesen wenigstens auf die englische und die chinesische App-Versionen der New York Times zugreifen. Doch das ist jetzt auch vorbei. Wie die New York Times selbst berichtet, hat Apple beide Apps aus dem Store am 23. Dezember 2016 entfernt, weil sie gegen chinesische Vorschriften verstoßen würde.

Die Apps anderer internationaler Zeitungen wie der Financial Times und des Wall Street Journal sind weiterhin im chinesischen App Store verfügbar.

Worin die Verstöße der New York Times bestehen, sagte Apple-Sprecher Fred Sainz nicht. Apple schweigt auch dazu, wann und wie die chinesischen Behörden auf das Unternehmen zugekommen sind und ob es eine gerichtliche Anordnung gibt. Auf seinem Medienportal schweigt Apple ganz zu dem Vorgang. Dort informiert Apple lieber über die meistgekauften Weihnachtsfilme aller Zeiten  – politisch korrekt Holiday Movies genannt – und das Debüt der Spielfigur Super Mario auf iPhone und iPad.

Die chinesische Internet-Regulierungsbehörde Cyberspace Administration hat auf Fragen der New York Times ebenfalls nicht reagiert. Das Times-Büro in Peking wurde ebenfalls nicht informiert. „Der Antrag der chinesischen Behörden, unsere Apps zu entfernen, ist Teil ihres umfassenderen Versuchs, die Leser in China daran zu hindern, auf unabhängige Berichterstattung durch die New York Times in diesem Land zuzugreifen“, sagte Times-Sprecherin Eileen Murphy. Man habe Apple aufgefordert, die Entscheidung zu überdenken.

Den Grund, warum Apple so rasch auf den Wunsch der Zensoren reagiert  hat, könnte ein Blick in die Geschäftszahlen des Konzerns liefern. Er setzt jedes Quartal in China acht Milliarden US-Dollar um. Und das ist keine Kleinigkeit.

Anzeige
Von Axel Mörer-Funk
Zur StartseiteZur Startseite
schlagworte: 
Apple
App
kommentare

Aktuell wurden noch keine Kommentare zu diesem Artikel abgegeben. Loggen Sie ich ein oder melden Sie sich neu an, wenn Sie noch keine Zugangsdaten haben
> Zum Login     > Neu anmelden