11.12.2014, 15:55 Uhr | 0 |

Gesichtserkennung bei Verkaufsmaschinen Wenn der Getränkeautomat zum elektronischen Türsteher wird

Ein Verkaufsautomat mit Gesichtserkennung passt sein Angebot individuell dem Kunden an: Auf dem 22-Zoll-Bildschirm erscheinen Vorschläge zu gerne gekauften Snacks oder Getränken, Ernährungstipps und mehr. Manches lässt sich auch gar nicht erwerben – dann, wenn der jeweilige Kunde für spezielle Produkte gesperrt ist. 

Luce X2 Touch TV: Getränkeautomat mit Gesichtserkennung
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Na, ob der Automat das gewünschte Produkt wohl ausspuckt? Nicht, dass er klemmen würde. Aber der neue Luce X2 Touch TV des britischen Herstellers Smart Vend Solutions mit Gesichtserkennung spricht halt ein Wörtchen mit, wenn seine Kunden zu oft bei ungesunden Produkten schwach werden. 

Foto: Smard Vent Solutions

„Ach, so ein kleiner Snack, schön süß und schokoladig, und die Arbeit geht gleich viel besser… Klar, gesund geht anders, aber der letzte Schokoriegel ist doch schon mindestens drei Tage her!“ Wer kennt das nicht, den beschwichtigenden Dialog mit sich selbst, bevor der Snackautomat um eine nennenswerte Anzahl von Kalorien erleichtert wird. Sieht ja außerdem keiner.

Doch – der Verkaufsautomat. Und wenn es der neue Luce X2 Touch TV des britischen Herstellers Smart Vend Solutions mit Gesichtserkennung ist, verweigert der möglicherweise sogar die Herausgabe der so dringend ersehnten Süßigkeit – oder in diesem Fall des Getränks, denn bei dem kürzlich vorgestellten Modell handelt es sich um einen Getränkeautomat mit immerhin bis zu 64 verschiedenen Angeboten.

Der Automat begrüßt seine Kunden persönlich

Ganz nebenbei weist er seinen Kunden gnadenlos darauf hin, dass der letzte Einkauf nicht drei Tage, sondern eher drei Stunden her ist, denn dank seiner technischen Ausstattung entgeht ihm nichts: Da ist er mit einem aufmerksamer Kioskbesitzer auf Augenhöhe; der Automat begrüßt seine Kunden sogar persönlich, wenn er sie erkennt.

Sein Wissen nutzt der Automat – laut Hersteller der erste seiner Art – anschließend konsequent aus: Sofort gräbt er in seiner Datenbank und fördert die Einkäufe der vergangenen Tage ans Tageslicht. Auf dieser Grundlage stellt er auf seinem 22-Zoll-Touchscreen eine Vorschlagsliste zusammen – einerseits praktisch, dass man nicht jedes Mal aufs Neue die drei Zucker und zwei Milch beim Espresso mit extra Koffein eingeben muss. Andererseits wird man gegebenenfalls daran erinnert, dass die Ernährung vielleicht etwas, nun ja, einseitig ist – und alle Wartenden hinter einem gleich mit.

Lektionen in gesunder Ernährung 

Diese Erkenntnis wird je nach Modell und Programmierung mit einem kleinen Hinweis auf die ideale Ernährungspyramide, in der Schokolade und Espresso definitiv nicht die Basis bilden, ergänzt. Bei einigen Automaten gipfelt sie sogar in der Verweigerung des gewünschten Produkts: dann nämlich, wenn der Automat so eingestellt wurde, bestimmte Personen in ihrer Diät zu unterstützen oder ihnen manche Produkte aus irgendeinem anderen Grund schlicht und einfach nicht zu verkaufen.

Denkbare Szenarien, die Smart Vend Solutions vorschlägt, sind zum Beispiel Schulen, in denen Minderjährige keine Zigaretten bekommen, Fitness-Studios, in denen Hochkalorisches nicht an Abnehmwillige herausgeht und Krankenhäuser, in denen die Maschinen zwischen Personal und Patienten unterscheiden.

Die Snack-Spione sind untereinander vernetzt

Einfach zu einem anderen Automaten, der einen noch nicht kennt, zu gehen, bringt nichts: Die Dinger sind miteinander vernetzt. Damit kann der Betreiber sie zudem aus der Ferne warten, Updates aufspielen, Verkaufserfolge beobachten und mehr. Auch den Energieverbrauch kann er so beobachten, obwohl dieser laut Hersteller sehr gering ist: Die Wasserkocher seien aus Kupfer und damit sehr effizient, und das benötige Licht stammt von LEDs und nicht von Glühbirnen. Wenn er nicht benutzt wird, geht der Automat auf Stand-By oder schaltet sich je nach Programmierung zum Beispiel über Nacht ganz aus.

Wieweit die Daten der Kunden, ihre Getränkevorlieben und ihre Pausenfrequenz ausgewertet und gegebenenfalls weitergeleitet werden, ist derzeit nicht bekannt: Dazu hat sich Smart Vend Solutions nicht explizit geäußert.

Datensammeln im Akkord

Potenzial ist auf jeden Fall vorhanden: Auch im Laufe des Verkaufsvorgangs an sich hört der allwissende Verkaufsroboter nicht auf, Daten zu sammeln. Während der Kunde die Anweisungen liest, seine Wahl trifft und nach Kleingeld sucht, checkt der Automat permanent die Laune seines Gegenübers – zumindest, soweit sie am Gesichtsausdruck abzulesen ist.

Dabei kann auch die Kleingeldsuche demnächst abgekürzt werden. Beim Luce X2 soll sich in näherer Zukunft auch per Smartphone bezahlen lassen: bargeld- und kontaktlos. Dabei können die Nutzer auch gleich die von der Maschine generierten QR-Codes scannen, die zum Beispiel zu Gutscheinen, Informationen oder anderen Aktionen führen.

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Von Judith Bexten
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