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04.05.2013, 07:59 Uhr | 0 |

Branche erwartet Wachstum US-Schiefergas ist ein lockendes Ziel für deutsche Großanlagenbauer

Der US-Schiefergasboom bietet lukrative Marktchancen für die Spezialisten im deutschen Anlagenbau: Das erhebliche Investitionspotenzial des nordamerikanischen Marktes könnte die derzeit nicht rosige Wirtschaftssituation der Schlüsselbranche deutlich verbessern.

Großanlage von ThyssenKrupp Uhde
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Der Rohstoff-Boom in den USA etwa durch die Förderung von Schiefergas wird den deutschen Großanlagenbau beleben. EU-Mitglieder sollen in eigener Regie entscheiden, ob sie Schiefergas ausbeuten wollen.

Foto: ThyssenKrupp Uhde

"Die Mitgliedsfirmen der Arbeitsgemeinschaft Großanlagenbau erzielten 2012 Bestellungen in Höhe von 20,5 Mrd. €, das sind 18 % weniger als im Vorjahr", so Helmut Knauthe, Sprecher der AG Großanlagenbau im Verband Deutscher Maschinen und Anlagenbau (VDMA) in Frankfurt und Geschäftsführungsmitglied der ThyssenKrupp Uhde GmbH. Die Branche habe damit nicht an die positive Geschäftsentwicklung der beiden vorangegangenen Jahre anknüpfen können.

Die Förderung von Schiefergas in den USA und die damit einhergehenden sinkenden Gaspreise verursachen laut Knauthe tiefgreifende Veränderungen im Anlagenbau, die auch den deutschen Unternehmen Marktchancen bieten. In den Vereinigten Staaten werden neue Großprojekte geplant oder bereits realisiert, die in anderen Weltregionen immer schlechter umsetzbar sind. Zu den Möglichkeiten, die sich daraus für deutsche Anbieter ergeben, sagte Knauthe: "Der Auf- und Ausbau von Vertriebs- und Planungskapazitäten in den Vereinigten Staaten sowie die Suche nach Kooperationspartnern sind Herausforderungen, denen sich die Branche verstärkt stellt." Für den deutschen Anlagenbau habe sich 2012 besonders der US-Markt – getrieben durch Schiefergas – als überaus wichtig erwiesen, und hier würden auch künftig Perspektiven für den deutschen Anlagenbau gesehen.

Leichte Belebung des Großanlagenbaus

Denn auf diesem Markt ist die Projektpipeline des Großanlagenbaus mit Aufträgen – etwa für den Bau von Düngemittelanlagen und von Anlagen zur Herstellung von Rohren in den USA – gut gefüllt. "Gleichzeitig müssen die Unternehmen die Schiefergasmärkte der Zukunft wie Argentinien, China und Polen beobachten, um rasch auf die sich dort bietenden Marktchancen reagieren zu können", so Knauthe. Das sei essenziell für die Branche, denn der Großanlagenbau könne 2013 nur eine leichte Belebung der Auftragseingänge im einstelligen Prozentbereich erwarten. Das Ausbleiben eines umfassenden Aufschwungs beruhe darauf, dass die Perspektiven für Westeuropa trübe bleiben und auch aus Südamerika, Nordafrika sowie dem Mittleren Osten derzeit nur wenige positive Signale kommen.

Günstig sind die Aussichten vor allem in den USA, in Osteuropa und in Asien mit den Kernmärkten China und Indien. Allerdings nimmt der Wettbewerbsdruck für die deutschen Industrieanlagenbauer spürbar zu, wobei die Konkurrenten traditionell aus Westeuropa, Nordamerika und Japan kommen. "Aber mittlerweile befinden sich China und Südkorea weit oben auf der Liste der Wettbewerber", stellte Knauthe fest. Die Technologiekompetenz des deutschen Anlagenbaus müsse als wesentlicher Faktor eingebracht werden, um diesem Wettbewerb begegnen zu können, wenn es etwa um Aufträge aus Nordamerika geht.

Der Schiefergasboom in den USA ist laut VDMA schließlich der Anlass dafür, dass es zahlreiche große Investitionen geben wird. "Die ersten werden auch schon getätigt, und die betreffen eine ganze Reihe von Grundstoffindustrien", präzisierte Knauthe. Über Methanol- und Ammoniak-Anlagen sowie Ethan-Cracker-Anlagen und Erdgaskraftwerke werde in den USA nicht mehr nur diskutiert, sondern erste Vergaben seien schon erfolgt. Andere Weltregionen würden aber aufgrund dieser Entwicklung deutlich mit der Auftragsvergabe beispielsweise für Anlagen zur Verflüssigung von Gas zögern.

Schiefergas-Boom in den USA gut für den Anlagenbau

Umso mehr knüpft Knauthe seine Hoffnungen für 2013 nicht nur an Osteuropa und Asien, sondern ausdrücklich an die USA: "Vielfältige Chancen bieten sich in bestimmten Branchen für den Großanlagenbau auf dem US-Markt über den Shale-gas-Boom." Hier werde teilweise wie von einem neuen Eldorado des Anlagenbaus gesprochen. Ob es zum Schluss tatsächlich "Gold" gebe, vermöge er jetzt noch nicht zu beurteilen, doch insbesondere die Chemiebranche, die Energiebranche und die Stahlbranche sähen hier gute Chancen. Skeptisch zeigte sich Knauthe auf die Frage nach den längerfristigen Geschäftserwartungen aus der Schiefergasgewinnung in Deutschland, wo die Schiefergasgewinnung noch umstritten ist: "Da würde ich mal sehr verhalten darauf reagieren. Die öffentliche Diskussion möchte ich nicht wiederholen." Solange die Randbedingungen nicht klar seien, könne er für den deutschen Anlagenbau hier kein größeres Geschäft sehen. U. W. SCHAMARI

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Von U. W. Schamari | Präsentiert von VDI Logo
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