11.07.2014, 15:30 Uhr | 0 |

Schulterschluss der Rüstungskonzerne Rheinmetall will angeblich mit Konkurrent Krauss-Maffei Wegmann fusionieren

Medienberichten zufolge will der Düsseldorfer Rüstungskonzern Rheinmetall mit dem Münchener Konkurrenten Krauss-Maffei Wegmann (KMW) fusionieren. Das könnte den geplanten Zusammenschluss zwischen KMW und dem französischen Panzerbauer Nexter verhindern, durch den Rheinmetall auf dem Rüstungsmarkt ins Hintertreffen zu geraten fürchtet.  

Rheinmetall versorgt die Bundeswehr unter anderem mit dem sogenannten Gladius-System
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Rheinmetall versorgt die Bundeswehr unter anderem mit dem sogenannten Gladius-System. Vor den Augen der Soldaten hängt dabei ein teildurchlässiges Helmdisplay. Auf diesem erscheinen Umgebungsinformationen – etwa die Position anderer Soldaten. 

Foto: Rheinmetall Defence

Der Rüstungskonzern Rheinmetall hat sich laut Handelsblatt dem Münchener Konkurrenten Krauss-Maffei Wegmann (KMW) als möglicher Partner angeboten. Der Zeitung zufolge gab es darüber bereits einen Austausch auf höchster Führungsebene. Dass Rheinmetall eine Fusion anstrebt, kommt etwas überraschend. Denn erst vor wenigen Tagen war der geplante Zusammenschluss zwischen KMW und dem französischen Staatskonzern Nexter auf den Weg gebracht worden. Die Eigner hatten eine Grundsatzerklärung für eine Fusion bis 2015 unterzeichnet.

Dem Handelsblatt zufolge sind die deutsch-französischen Gespräche aber in einem frühen Stadium, so dass Rheinmetall die Gelegenheit nutzte, noch ins Rennen einzusteigen. Die Düsseldorfer hatten vergangene Woche angekündigt, die Folgen einer deutsch-französischen Partnerschaft ihrer Wettbewerber fürs eigene Geschäft prüfen zu wollen.

Rheinmetall will auf Rüstungsmarkt nicht ins Hintertreffen geraten

Rheinmetall und KMW sind Konkurrenten, produzieren einige Rüstungsgüter aber teilweise gemeinsam – etwa den Kampfpanzer Leopard und den Schützenpanzer Boxer. Durch eine Fusion zwischen KMW und dem Konkurrenten Nexter könnten die Düsseldorfer auf dem hart umkämpften europäischen Rüstungsmarkt ins Hintertreffen geraten. Ohnehin bekommt die Rüstungsindustrie die Sparpolitik der Regierungen zu spüren.

Es wäre nicht das erste Mal, dass Rheinmetall Partner von KMW werden will. Bestrebungen dazu gab es bereits vor Jahren. Doch die KMW-Eigner lehnten ab. Knackpunkt war die Führungsfrage. Aufsichtsratschef Manfred Bode und KMW-Geschäftsführer Frank Haun hatten die Rheinmetall-Lösung vehement abgelehnt. Doch auch mit Nexter an der Seite scheint die Eigenständigkeit der Münchener alles andere als sicher. Branchenkenner gehen davon aus, dass KMW bei einer Partnerschaft den Kürzeren zieht, weil Frankreich weitreichende Sonderreiche fordert. Dem Handelsblatt sagte ein Branchenvertreter: „Mittelfristig wird KMW damit in den Händen Frankreichs landen.“

KMW könnte mit Rheinmetall eigenständig bleiben

Für eine Fusion mit Rheinmetall kommen nach den Quellen der Zeitung zwei Varianten in Frage. Bei der ersten Variante könnten die Eigentümer von KMW ihre Anteile einbringen und damit Aktien von Rheinmetall erhalten. Damit wären sie mit einer Beteiligung zwischen 25 und 30 Prozent größter Anteilseigner. Bei Variante zwei könnte eine Fusion der Münchner mit der Rheinmetall-Sparte Wombat Systems die Alternative sein. In diesem Bereich bündeln die Düsseldorfer ihr Geschäft mit Kettenpanzern und Munition. Obwohl der Jahresumsatz bei 1,2 Milliarden Euro liegt und die Sparte größer ist als KMW, könnten die Münchener eine gleichberechtigte Beteiligung bekommen. Ein Zusammenschluss mit Rheinmetall würde sich für KMW rechnen, meinen Branchenkenner. Die Synergien lägen um 60 bis 70 Millionen Euro jährlich, sagte ein Insider dem Handelsblatt. „Bei Nexter wird es die nicht geben, da die Modellpalette verschieden ist.“

Die beteiligten Rüstungskonzerne halten sich bei dem möglichen Fusionspoker unterdessen bedeckt. Weder Rheinmetall noch KMW haben sich offiziell zur möglichen Partnerschaft geäußert. 

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Von Lisa von Prondzinski
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