12.08.2015, 09:32 Uhr | 0 |

Happaratus aus London Künstler können Stein und Holz mit elektrischem Handschuh bearbeiten

Bildhauer könnten Hammer und Meißel in Zukunft mit einem Handschuh tauschen. Aus London kommt ein Spezialhandschuh, mit dem sich harte Materialien wie Stein und Holz bearbeiten lassen. An den Fingerspitzen des Handschuhs sitzen elektrisch betriebene Schleifkissen, mit denen die Hand zum sensiblen Elektrowerkzeug wird.

Handschuh Happaratus
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Mit dem Handschuh Happaratus kann man harte Materialien wie Stein und Holz bearbeiten. An den Fingerkuppen sind kleine Polster mit Schleifpapier montiert, die von einem kleinen Elektromotor bewegt werden.

Foto: Morten Grønning

Mit dem von Morten Grønning entwickelten „Happaratus“ begegnet die Ingenieurskunst der Freien Kunst, beziehungswiese der Bildhauerei. Ein stimmiges Zusammentreffen, wie es scheint, von dem beide Seiten profitieren. Für seinen Abschluss am Royal College of Art in London hat Grønning im Kurs Innovation Design Engineering einen Spezialhandschuh entwickelt, der auch harte Materialien schleifen und bearbeiten kann.

Elektrisches Schneidemesser aus der Küche für ersten Prototyp

Happaratus heißt der Prototyp, für den auch ein Patentverfahren läuft. In ihm stecken die Worte haptisch und Apparat und das trifft es eigentlich recht gut, denn der menschliche Tastsinn bekommt durch die Technik eine besondere Unterstützung. „Ich wollte herausfinden, wie man mit den Händen direkt im harten Material arbeiten kann“, sagt Grønning.

Für den allerersten Prototyp verwendete er den Mechanismus eines elektrischen Schneidemessers aus der Küche, das mit seiner spezifischen Art der Vorwärts- und Rückwärtsbewegung geeignet schien.Weitere Prototypen folgten, die Grønning auch mehreren Stein- und Holzbildhauern zum Ausprobieren überließ.

„Eine wichtige Rückmeldung der Künstler war, dass man bei der Arbeit mit meinem Happaratus ein haptisches Feedback bekommt, das heißt, man erlebt und versteht die Form, während man sie herstellt.“ Die Hand hält also nicht nur das Werkzeug und übersetzt dessen Bewegung, sondern wird selbst zum verlängerten Werkzeug.

Härtere Aufsätze könnten sich tief in das Material eingraben

Inzwischen gibt es weitere ausgeklügelte Prototypen, bei denen am Zeigefinger, am Mittelfinger und am Daumen polsterartige Aufsätze befestigt sind. Unter den Polstern befinden sich Blöcke mit Sandpapier, die sich jeweils hin- und herbewegen und von einem kleinen Motor angetrieben werden. Mit wenig Druck und viel Gefühl kann der Träger des Happaratus das Holz oder einen weichen Stein unter seinen Fingern bearbeiten.

Grønning hofft, dass er in einem nächsten Schritt seinen Handschuh mit härteren austauschbaren „Klingen“ ausstatten kann. Diese könnten etwa aus Stahl oder Wolframcarbid gefertigt sein. Wolframcarbid ist eine Keramik, die zum Werkzeugschneiden verwendet wird. „Solche Materialien könnten sich tief eingraben in das zu bearbeitende Material und sie würden lange halten“, meint Grønning. Für die feinere Detail- und Oberflächenarbeit käme dann Sandpapier zur Anwendung. 

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Von Gudrun von Schoenebeck
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